Spezielle Therapie bei Sarkomen

Isolierte hypertherme Extremitätenperfusion - Was ist das?

Isolierte hypertherme Extremitätenperfusion - Was ist das?

Wenn ein bösartiger Weichgewebetumor in Armen oder Beinen so groß ist, dass eine vollständige operative Entfernung nahezu unmöglich ist und nur eine Amputation noch helfen kann, dann kann die sogenannte isolierte hypertherme Extremitätenperfusion die Lösung sein. Sie ist das derzeit effektivste neoadjuvante Verfahren.

1. ILP – so funktioniert sie

Bei der isolierten Extremitätenperfusion (Isolated Limb Perfusion - ILP) wird operativ der vom Tumor betroffene Arm oder das betroffene Bein vom Blutkreislauf zeitweise abgekoppelt und mit sehr starken zytostatischen Medikamenten durchspült. Dazu wird die Durchblutung von der betroffenen Extremität über eine Herz-Lungen-Maschine umgeleitet und somit jeglicher Blutaustausch zwischen der Gliedmaße und dem Körperkreislauf unterbrochen. Dann folgt die Behandlung (Durchflutung) der isolierten Gliedmaße mit den Medikamenten TNF-alpha (Tumor-Nekrose Faktor alpha) und Melphalan (Chemotherapeutikum).

Da die Extremitäten mehr chemotherapeutische Medikamente vertragen als andere Körperteile oder Organe, kann hier, anders als bei der normalen Chemotherapie, mit hochdosierten Medikamenten gearbeitet werden.

Durch die gleichzeitige Überwärmung (Hyperthermie) der betroffenen Extremität wird die Wirkung der Medikamente gesteigert.

Die Behandlung dauert ungefähr 90 Minuten. Im Anschluss werden die Gefäße des Arms beziehungsweise Beines wieder an den Kreislauf angeschlossen. „Der Vorteil der Behandlung ist, dass die Chemotherapie nur im betroffenen Bereich wirkt und der Rest des Organismus  weitestgehend geschont wird“, sagt Priv.-Doz. Dr. med. Per-Ulf Tunn, Chefarzt der Tumororthopädie und Leiter des Sarkomzentrums Berlin-Brandenburg.

2. Behandlungsziel

Das Hauptziel der isolierten Extremitätenperfusion ist es, durch eine Verkleinerung der Tumormasse die Entfernung des Tumors in einem zweiten Eingriff zu ermöglichen und somit eine drohende Amputation zu verhindern. Die sehr hoch dosierte Chemotherapie soll dazu führen, dass der Tumor sein Wachstum einstellt, bzw. kleiner wird oder sogar ganz verschwindet. Derzeit geht man davon aus, dass von etwa 100 fortgeschrittenen Tumoren an den Gliedmaßen ca. 80% chirurgisch entfernbar sind, 15% mit Hilfe der ILP behandelbar (und anschließend chirurgisch entfernbar) und 5% gar nicht chirurgisch entfernbar sind.

3. Wirkungsweise

Die ILP wird unter "hyperthermen" Bedingungen durchgeführt. Dabei wird die Temperatur der betroffenen Gliedmaße auf 38° - 40° Celsius erhöht, da Tumorzellen dann effektiver mit der Chemotherapie bekämpft werden können. Das Zytokin TNF-alpha fördert zum einen die Aufnahme des Chemotherapeutikums Melphalan direkt in den Tumor und erhöht damit gleichzeitig die Zerstörung der Tumorzellen um ein Vielfaches. Zum anderen wird durch TNF-alpha das Blutgefäßsystem des Sarkoms zerstört. Dieser Prozess wird von einer Entzündungsreaktion begleitet. Alle Effekte zusammen führen dann innerhalb weniger Wochen bei über 70% der ILP-behandelten Patienten zum allmählichen Absterben des Tumors.

4. Nebenwirkungen

Das Verfahren rund um die ILP erfolgt ausschließlich durch erfahrene und speziell ausgebildete Operationsteams in wenigen Sarkom-Zentren. „Das Auftreten von schweren Nebenwirkungen bei der ILP ist äußerst selten. Mögliche leichte Nebenwirkungen der Behandlung können u.a. sein: grippeartige Symptome, aber auch Erschöpfung und Müdigkeit, sowie Übelkeit, Schmerzen und eine Schwellung im  betroffenen Arm oder Bein“, berichtet  Priv.-Doz. Dr. med. Per-Ulf Tunn. Normalerweise wird dieses Behandlungsverfahren jedoch vergleichsweise gut vertragen und mit großen Erfolgen in der Behandlung des fortgeschrittenen Weichteilsarkoms eingesetzt.