Weichgewebssarkome: Krebs im Weichgewebe des Körpers

Weichgewebssarkome: Krebs im Weichgewebe des Körpers

Bösartige Tumoren in Muskulatur, Fett- oder Bindegewebe sowie an den Nerven sind selten und erfordern eine spezialisierte Behandlung.

Was genau sind Sarkome?

Geschwulste in Weichteilen können an nahezu jeder Stelle des menschlichen Körpers auftreten – die gutartigen sind bekannt als Fibrome (gutartige Tumoren des Bindegewebes) Lipome (gutartige Tumoren des Fettgewebes) oder Myome (gutartige Tumoren des glatten Muskelgewebes). Mit dem Begriff Sarkom, der vom altgriechischen Wort für „Fleisch“ abgeleitet wurde, werden die bösartigen Weichgewebe-Tumoren bezeichnet. Der Begriff grenzt die Krebserkrankungen am Weichgewebe auch ab von so genannten Karzinomen, die aus Drüsengewebe hervorgehen, wie zum Beispiel der Lungen-, Brust- oder Darmkrebs.

Seltene, aber schwere Erkrankung

Es gibt rund 60 verschiedene Arten von Weichgewebesarkomen, die jedoch zusammen nur etwa 2% aller Krebserkrankungen im Erwachsenenalter ausmachen, meist in der zweiten Lebenshälfte. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 3500 Menschen an einem Weichgewebesarkom, die Geschlechtsverteilung ist nahezu gleich. Es handelt sich also um einen eher seltenen Krebs, dessen Behandlung einige Spezialisierungen voraussetzt.

Sarkome sind meist auch aggressive Tumoren. Die Wahrscheinlichkeit fünf Jahre nach der Diagnose noch zu leben, liegt auf gut der erfolgreichen Behandlung in den Sarkomzentren mittlerweile bei über der Hälfte der Patienten, ist aber immer noch deutlich geringer als bei vielen anderen Krebsarten.
Auch wenn Sarkome an jeder Stelle des Körpers entstehen können, treten sie doch mit 40% am häufigsten an den Beinen auf, gefolgt vom Körperstamm, den Armen und der Kopf-Hals-Region.
Bei Kindern machen Weichgewebesarkome etwa 7-10% aller Krebserkrankungen aus, insbesondere das Rhabdomyosarkom, das sich im Weichgewebe entwickelt, ist der häufigste bösartige Weichgewebetumor bei Kindern.

Auf Schwellungen achten – Früherkennung und Diagnose

Falls Sie eine zunehmende Schwellung an Armen oder Beinen bemerken, die nicht wieder zurückgeht, dann nehmen Sie das als ein Warnsignal und lassen Sie diese Schwellung ärztlich untersuchen.

Frühe Diagnose hilft

Je früher ein Sarkom erkannt wird, desto besser sind die Behandlungserfolge!

In aller Regel kann nur durch bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) eine Verdachtsdiagnose gestellt werden – vor allem bei tieferliegenden Tumoren. Nachfolgend wird eine Biopsie aus dem Tumor entnommen und mikroskopisch untersucht. Bestätigt sich der Verdacht auf ein Sarkom, so erfolgt eine Ausbreitungsdiagnostik, um eventuell vorhandene Metastasen feststellen oder ausschließen zu können (CT Lunge und Bauchraum).

Für genaueste Untersuchungen stehen Sarkomzentren wie im Helios Klinikum Berlin-Buch mit hochgradig spezialisierten Experten und Diagnosemöglichkeiten zur Verfügung. Hier kann am ehesten abgeklärt werden, welcher Art und wie fortgeschritten der Tumor ist.

Therapie aus Spezialistenhand

Da es sich bei den einzelnen Sarkomarten um sehr seltene Erkrankungen handelt, erfolgen die Behandlungen in den darauf spezialisierten Zentren. Nur hier haben Ärzte alle notwendigen Erfahrungen mit den verschiedenen Tumorarten und deren Behandlung. Onkologen, Tumororthopäden, Chirurgen, Strahlentherapeuten, Radiologen, Pathologen und viele mehr arbeiten in den Zentren Hand in Hand. Ablauf und Zusammensetzung der Diagnostik und Therapie werden für jeden Patienten individuell im Sarkomboard abgestimmt. Dabei werden neben der Art und Ausbreitung des Sarkoms auch das Alter und der Zustand des Patienten mit einbezogen. Meist kommen bei Weichgewebesarkomen alle klassischen Krebstherapieverfahren zum Einsatz: z.B. Operation, Strahlen- und Chemotherapie, Immuntherapie, Hyperthermie.

Multimodale Therapie: Operation-Bestrahlung-Medikamente

Eine vollständige Entfernung des Sarkoms durch eine Operation ist die wichtigste Maßnahme bei fast allen Weichgewebesarkomen. Da diese Tumoren jedoch sehr häufig an den Extremitäten, also Armen und Beinen, zu finden sind, ist gleichzeitig auch der Erhalt der Funktion ein wichtiges Operationsziel. Eine Chemotherapie hat das Ziel, das Risiko von Metastasen zu reduzieren und den Primärtumor zu verkleinern, so dass die Heilungsraten verbessert werden können. Eine Strahlentherapie kann sowohl vor, als auch nach der Operation des Weichgewebesarkoms vorgenommen werden. Das Rückfallrisiko wird durch diese Behandlung deutlich gesenkt. Eine so genannte intraoperative Bestrahlung, die Bestrahlung des Tumorumfeldes nach dessen Entfernung, hat sich in einigen Fällen auch als wirksam erwiesen.
Die Kombination verschiedener Behandlungsmethoden wird als multimodale Therapie bezeichnet. Sie ergibt meist bessere Ergebnisse, vor allem bei höhergradigen Krebserkrankungen.

Chemotherapie vor der Operation

Auch bei größeren Weichgewebesarkomen versuchen die Operateure die Funktion des Armes oder Beines zu erhalten. Hier wird vor der Operation mit einer gezielten Chemotherapie behandelt, um den Tumor zu verkleinern. So kann der chirurgische Eingriff schonender erfolgen und eine Amputation oder Funktionseinschränkung verhindert werden.

Ein erfolgreich dabei angewendetes Verfahren ist die Kombination einer systemischen Chemotherapie mit einer regionalen Tiefenhyperthermie. Diese spezielle Behandlung wird jedoch nur in wenigen Zentren, wie im Sarkomzentrum Berlin-Brandenburg, angeboten. In Verbindung mit einer örtlichen Erwärmung kann die Wirkung der Medikamente am betroffenen Körperteil erhöht werden. Eine Verbesserung der Heilungsrate wird mit dieser Kombination um etwa 10% ermöglicht!

Ein weiteres erfolgreiches Therapieverfahren ist die isolierte hypertherme Extremitätenperfusion (ILP). Hierbei wird die betroffene Extremität (Arm oder Bein) vom Rest des Kreislaufs abgekoppelt. Unter Erwärmung, die die Wirksamkeit der Medikamente erhöht, fließen Chemotherapeutika durch den künstlich abgeschlossenen Blutkreislauf des erkrankten Arms oder Beines. Danach ist der Tumor häufig abgetötet, so dass Amputationen oder ein Funktionsverlust der betroffenen Extremität in etwa 80% der Patienten vermieden werden können. Dieses aufwendige Therapieverfahren wird nur in dafür spezialisierten und qualifizierten Zentren wie im Sarkomzentrum Berlin-Brandenburg vorgehalten.

Studien zu neuen Therapien

Über die effektiven Verfahren hinaus, werden auch ständig neue Methoden getestet, um die Behandlung zu verbessern – mit neuen Medikamenten oder einer anderen Therapiemodalität. An diesen streng kontrollierten und wissenschaftlich begleiteten klinischen Studien können geeignete Patienten auf eigenen Wunsch in unserem Sarkomzentrum teilnehmen.

Wiederherstellende und funktionserhaltende Operationen

Die Voraussetzung für eine Heilung ist die komplette Entfernung des Sarkoms im Gesunden. Auch wenn so schonend wie möglich operiert wird, müssen daher zusammen mit dem Sarkom doch häufig große Gewebeteile operativ entfernt werden. Im Sarkomzentrum arbeiten daher die verschiedenen Fachdisziplinen (z.B. Tumororthopäden, Chirurgischen Onkologen, plastischen Chirurgen) daran, diese Verluste zu kompensieren und die Funktion des betroffenen Körperteils so weit wie möglich wiederherzustellen. Dies kann bereits während der ersten Operation unmittelbar nach Entfernung des Tumors oder zu einem späteren Zeitpunkt geschehen.

Schmerzbehandlung, Rehabilitation und Nachsorge

Nach dem Abschluss der eigentlichen Krebsbehandlung beginnt die Nachsorge.
Falls der Patient nicht schmerzfrei ist, wird eine Schmerztherapie individuell abgestimmt. Die modernen Medikamente lassen sich in einer Kombination sehr gut dosieren und ermöglichen auch Krebspatienten mit fortgeschrittener Erkrankung ein weitgehend schmerzfreies Leben.

Mit der Rehabilitation wird dem Patienten geholfen den Weg zurück in den Alltag und das Berufsleben zu finden. Durch die Maßnahmen – ambulant oder in einer Reha-Klinik – begegnet der krebsbehandelte Patient den möglichen seelischen, körperlichen und sozialen Folgen seiner Krankheit und lernt diese zu lösen oder in dem neuen Alltag zu kompensieren. Die regelmäßige medizinische Nachsorge hilft ein Wiederauftreten der Krebskrankheit (Rezidiv) rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln und mögliche Begleiterscheinungen der Therapie zu lindern. Häufigkeit und Umfang der Untersuchungen werden individuell auf die Erkrankung und den Patienten abgestimmt.

Sprechen Sie uns gern an

Bitte sprechen sie uns an, wenn Sie eine ausführliche Diagnose zu einem vermuteten Sarkom benötigen. Wir geben Ihnen zeitnahe Termine. Auch über mögliche Behandlungen beraten wir Sie gerne zu unseren Sprechzeiten.

Copyright: andreaobzerova/fotolia

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