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Stammzelltransplantation

Wissenswertes zur Stammzelltransplantation

Wissenswertes zur Stammzelltransplantation

Diese Antworten auf die häufigsten Fragen zur Stammzelltransplantation geben Ihnen einen Überblick – gerne beraten wir Sie auch persönlich.

Wenn bei Ihnen oder Ihren Angehörigen eine Stammzelltransplantation nötig wird, dann bieten Ihnen die folgenden Erklärungen eine erste Orientierung. Sie ersetzen nicht das ausführliche und individuelle Beratungsgespräch mit einem Arzt. Bitte wenden Sie sich an uns für einen persönlichen Beratungstermin

Die am häufigsten gestellten Fragen:

Je nach Herkunft der übertragenen Zellen unterscheidet man zwischen allogener und autologer Stammzelltransplantation.

Bei der allogenen Transplantation werden blutbildende Zellen eines gesunden, gewebeverträglichen Spenders auf einen kranken Empfänger übertragen. Als Spender kommen zum einen Geschwister mit gleichem Gewebetyp in Frage (allogene, verwandte Stammzelltransplantation). Zum anderen gibt es inzwischen national und international große Dateien mit freiwilligen Spendern (allogene, nicht verwandte Stammzelltransplantation). 

Erhält der Patient nach einer intensiven Chemotherapie eigene, durch Tiefgefrieren haltbar gemachte, blutbildende Zellen zurück, ist dies eine autologe Transplantation oder Hochdosistherapie mit Stammzellunterstützung.

Trotz zahlreicher Gemeinsamkeiten gibt es zwischen allogener und autologer Stammzelltransplantation bezüglich der Indikationen, der Erfolgsaussichten und der Behandlungsrisiken sehr wichtige Unterschiede. Welche Behandlungsart – die allogene oder die autologe Stammzelltransplantation – im Einzellfall für einen Patienten die aussichtsreichere ist, kann nur von sachkundigen Spezialisten bei Kenntnis der Erkrankung, der Vorgeschichte und des Krankheits- und Behandlungsverlaufs eingeschätzt werden.

Bei der Stammzelltransplantation, wie wir sie durchführen, handelt es sich um die "hämatopoietische Zelltransplantation", das heißt um die Übertragung blutbildender Zellen. Wir arbeiten also nicht mit embryonalen Stammzellen, sondern mit den Vorläuferzellen des Blut- und Lymphsystems, die jeder Mensch in sich trägt.

Ob allogene oder autologe Transplantation – übertragen werden in jedem Fall so genannte blutbildende Stammzellen. Das sind unreife Ursprungszellen oder "Mutterzellen" des Knochenmarkes, aus denen beim Gesunden in einem Prozess ständiger Erneuerung funktionstüchtige Blutkörperchen entstehen. Das Anwachsen einer verhältnismäßig geringen Zahl solcher Mutterzellen im Knochenmark genügt, um die Blutbildung und das Immunsystem eines Kranken wiederherzustellen.

Blutbildende Stammzelle lassen sich auf zwei verschiedenen Wegen gewinnen:

  1. Aus dem Knochenmark, durch wiederholte Punktion des Beckenkamms des Spenders. Hierfür ist wegen der Schmerzempfindlichkeit der Knochenhaut eine etwa einstündige Vollnarkose notwendig.
  2. Aus dem peripheren Blut, indem blutbildende Stammzellen zuvor über einen speziellen körpereigenen Botenstoff aus dem Knochenmark ins Blut gelockt und dann über einen Zellseparator aus dem Blut angereichert werden. Eine Narkose ist nicht notwendig, dafür dauert die Sammlung mehrere Stunden, und es müssen möglicherweise unerwünschte Wirkungen des Botenstoffs G-CSF in Kauf genommen werden. Welche Stammzellquelle letztlich gewählt wird, hängt von vielen Faktoren sowohl auf Empfänger-, als auch auf Spenderseite ab

Ob Knochenmark- oder Blutstammzellen: In beiden Fällen werden die gewonnenen Zellen dem Empfänger wie eine Bluttransfusion übertragen, und in beiden Fällen handelt es sich um eine hämatopoietische Stammzelltransplantation. Die blutbildenden Stammzellen finden von selbst den Weg ins Knochenmark des Patienten und siedeln sich dort an.

Mit Knochenmark wird das Organ bezeichnet, das für die Bildung und ständige Erneuerung von roten Blutzellen (Erythrozyten), weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten) zuständig ist. Erythrozyten transportieren im Körper den lebensnotwendigen Sauerstoff, Thrombozyten sind zuständig für die Gerinnung des Blutes, d.h. den Verschluss einer blutenden Wunde, und Leukozyten haben die Aufgabe, den Körper vor Infektionen mit Krankheitserregern oder anderen Bedrohungen zu schützen.  

Ohne ein gesundes und funktionierendes Knochenmark ist Leben dauerhaft nicht möglich. Anders als z.B. Herz, Lunge oder Niere ist das Knochenmark kein solides Organ. Es besteht aus vielen einzelnen Zellen, die über das Knochenskelett verteilt in den Markräumen sitzen. Durch die vielen roten Blutkörperchen in den Markräumen erhält es seine Farbe. Wenn man es aus den Markräumen mit Hilfe einer Nadel und einer Spritze ansaugt, vermischt es sich sofort mit Blut. Es erscheint daher nach dem Ansaugen flüssig und sieht genauso aus wie Blut.    

Blutbildendes Knochenmark (nicht zu verwechseln mit Rückenmark!) befindet sich beim Erwachsenen in den Beckenknochen, dem Brustbein, in den Rippenknochen, den Wirbelkörpern und den Schädelknochen. Fügt man alle Knochenmarkzellen, die sich auf die genannten Knochenmarkräume verteilen, zusammen, so ergibt sich eine Gewebsmenge von etwa 1000-1500 Gramm. Die blutbildenden Stammzellen (Mutterzellen) wohnen dabei eingebettet in ein sie umgebendes Netzwerk von Zellen in den kleinen Knochenmarkhöhlen und bilden, indem sie sich immer wieder teilen und danach ausreifen, die verschiedenen Blutzellen. Die blutbildenden Stammzellen sind auch die Mutterzellen für das Immunsystem (Lymphozyten/ein Teil der weißen Blutkörperchen).

Die allogene Stammzelltransplantation ist die Übertragung von blutbildenden Stammzellen eines gewebeverträglichen verwandten oder nicht verwandten Spenders. Vor der Transplantation steht die sogenannte Konditionierung. Die Konditionierung ist eine Behandlung mit hochdosierten, zelltötenden Medikamenten, gegebenenfalls kombiniert mit einer Ganzkörperbestrahlung. Diese Therapie soll zum einen kranke Zellen im Empfänger vernichten, zum anderen dessen Immunsystem zerstören. Denn nur, wenn die körpereigene Abwehr des Patienten ausgelöscht wurde, werden die Spenderzellen vom Körper angenommen.

Umgekehrt sind ein Überleben und eine Heilung nach der Konditionierung nur möglich, wenn die Übertragung gelingt, das heißt, wenn die transplantierten Zellen anwachsen. Während die akuten Nebenwirkungen der hochdosierten Konditionierungstherapie innerhalb von wenigen Wochen abklingen, vergehen bis zum Wiederaufbau des Immunsystems aus den Stammzellen des Spenders Monate bis Jahre.

Während der ersten Monate (auch Jahre) nach einer Transplantation kann es dadurch zu Infektionen durch Keime kommen, die bei normalem Abwehrsystem für andere Menschen kein Problem darstellen. Das Einhalten von speziellen Hygieneregeln und eine sorgfältige Nachbetreuung Betroffener und Angehöriger sind deshalb entscheidende Faktoren für den Langzeiterfolg der Behandlung. Wir informieren und beraten dazu.

Spenderimmunsystem und Empfänger (= „Gastgeber“ oder „Wirt“ für die Spenderzellen) müssen sich erst „aneinander gewöhnen“, denn die Spenderzellen sollen ja nun für einen anderen „Wirt“ arbeiten. Damit dieser Gewöhnungsprozess erfolgreich verläuft, werden dem Patienten in den ersten Monaten Medikamente verabreicht, die die Aktivität der neuen und fremden Spenderzellen dämpfen. Trotzdem geschieht es häufig, dass die Spenderzellen den Körper des Patienten (ihres neuen „Wirts“) als fremd erkennen und gegen ihn aktiv werden. Wir nennen dies die Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion oder englisch „Graft-versus-Host-Disease“, abgekürzt GvHD. Sie kann sich akut als Entzündungsreaktion der Haut, des Magen-Darm-Traktes oder der Leber zeigen oder chronisch als längerfristige Immunreaktion gegen unterschiedliche Organe. Eine GvHD kann in sehr unterschiedlichen Schweregraden verlaufen. Die leichten Formen bedürfen keiner zusätzlichen Behandlung, bei schwereren Verläufen benötigt der Transplantierte zusätzliche Medikamente, um die GvHD zu beherrschen.

Neben den nachteiligen Folgen einer GvHD gibt es aber auch einen guten und sehr wichtigen Aspekt der Immunreaktion durch die Spenderzellen: Das neue Immunsystem kann nicht nur den Körper des Patienten als fremd erkennen, sondern auch einzelne, verbliebene Zellen der früheren bösartigen Erkrankung angreifen und zerstören. Diese Polizeifunktion des Spenderimmunsystems ist ein wesentlicher Faktor bei der allogenen Stammzelltransplantation und trägt entscheidend zur Heilung bei. Sie wird Transplantat-gegen-Leukämie- oder englisch „Graft-versus-Leukemia“-, abgekürzt GvL-Effekt, genannt.

Seitdem man weiß, wie wichtig die Polizeifunktion der gesunden Spenderzellen für die Heilung nach allogener Transplantation ist, versucht man, sich diese gezielt nutzbar zu machen. „Konditionierung reduzierter Intensität“ (reduced intensity conditioning / RIC) bedeutet dabei: Die Vorbehandlung wird so gewählt, dass sie zwar ein Anwachsen der Spenderzellen ermöglicht, im Gegensatz zur Standardtransplantation jedoch nicht mehr die vollständige Zerstörung der empfängereigenen Blutbildung und ursprünglichen bösartigen Erkrankung zum Ziel hat. Dadurch können während der Konditionierung geringere Zytostatika- und Strahlendosen mit deutlich besserer unmittelbarer Verträglichkeit angewandt werden. Eine Transplantation kann auf diese Weise auch älteren und geschwächten Patienten angeboten werden, für die eine Standardkonditionierung nicht mehr in Frage käme.

Statt der Chemotherapie müssen nun die Spenderimmunzellen (Lymphozyten) aus dem Transplantat die Reste der Leukämie oder der Grunderkrankung beseitigen.

Ein bisher nur teilweise gelöstes Problem dabei ist die Steuerbarkeit der Immunreaktion der Spenderzellen gegen die Resterkrankung und gegen den Wirt: Bis heute ist es noch nicht möglich, den (guten) Polizeieffekt der transplantierten Zellen gegen die Grunderkrankung von der (schlechten) Immunattacke der Spenderzellen gegen den gesamten Empfänger so zuverlässig zu trennen, wie man sich dies wünscht.

Der Begriff „reduzierte Intensität“ darf deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei diesem Verfahren um eine eingreifende Therapie handelt, die wie die Standardkonditionierung in die Hände des erfahrenen Transplantationsexperten gehört.

Wenn eine allogene Stammzelltransplantation zur Diskussion steht, werden zuerst die Familienangehörigen des Kranken untersucht, um festzustellen, ob es einen gewebeverträglichen Stammzellspender in der Familie gibt. Dazu muss entweder Blut oder ein Wangenschleimhautabstrich der direkt verwandten Familienmitglieder – in erster Linie der Geschwister – auf seine Gewebsmerkmale (HLA-Typ) hin untersucht werden. Wenn die Laboruntersuchung eine Gewebeübereinstimmung zwischen Empfänger- und Spenderzellen zeigt, kommt der/die Angehörige als Stammzellspender in Frage.

Findet sich bei der Familientypisierung kein passender Spender, kann eine so genannte Fremdspendersuche eingeleitet werden. Dabei wird in den nationalen und, falls erforderlich, auch in den internationalen Spenderdateien nach einem geeigneten Stammzellspender gesucht. Die Fremdspendersuche in Deutschland dauert zurzeit im Schnitt weniger als drei Monate. In etwa 85 Prozent der Fälle ist die Suche erfolgreich.

Selbstverständlich muss der gefundene Spender gesund und spendefähig sein und der geplanten Stammzellspende auch zustimmen.

Mit einer allogenen Stammzelltransplantation wird nicht nur das blutbildende System, sondern auch das gesamte Immunsystem des Empfängers vernichtet und durch das Abwehrsystem des Spenders ersetzt. Im Transplantat befinden sich neben blutbildenden Zellen auch Immunzellen, die Lymphozyten. Lymphozyten sind eine Form von weißen Blutkörperchen, die eine wichtige Rolle spielen bei der Selbst-Fremd-Erkennung, bei der Abwehr von Virusinfektionen und bei der Bekämpfung von bösartigen Erkrankungen. Lymphozyten aus dem Transplantat sind für unerwünschte Nebenwirkungen wie die Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion verantwortlich. Gleichzeitig haben sie aber auch einen überaus wichtigen und in vielen Situationen entscheidenden Effekt: Als intakte Abwehrzellen des Spenders können sie nach Transplantation in Körper des Patienten auch kranke, von der Leukämie oder anderen bösartigen Grunderkrankung noch übrig gebliebene Zellen erkennen und vernichten. Diese Polizeifunktion der Spenderimmunzellen heißt auch Transplantat-gegen-Leukämie-Effekt.

Diesen Mechanismus macht man sich mittlerweile gezielt für die endgültige Heilung des Patienten zu Nutze. Durch eine dosierte Übertragung von zusätzlichen, aktiven Immunzellen des Spenders nach der Transplantation versucht man, den Transplantat-gegen-Leukämie-Effekt zu stärken und damit einem Rückfall der ursprünglichen bösartigen Erkrankung vorzubeugen. Selbst in einer Situation, in der es beim Empfänger nach Transplantation doch zu einem Rückfall der Grunderkrankung gekommen ist, kann durch die Übertragung von Spenderlymphozyzten noch eine Heilung gelingen.

Wenn das Knochenmark von der bösartigen Erkrankung nicht betroffen ist, wenn kein passender Spender zur Verfügung steht oder auch, wenn eine allogene Transplantation im Verhältnis zum möglichen Nutzen als zu risikoreich bewertet wird, können eigene blutbildende Stammzellen gesammelt und nach einer hoch dosierten Chemotherapie rückübertragen werden. Diese Therapie nennt man auch Hochdosistherapie mit Stammzellunterstützung.

Bei diesem Therapieansatz nutzt man die Empfindlichkeit von bösartigen Zellen gegenüber der Wirkung einer hoch dosierten Chemotherapie. Für viele zelltötende Medikamente besteht eine Dosis-Wirkung-Beziehung. Dies bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, bösartige Zellen zu vernichten und damit den Patienten zu heilen, um so größer ist, je höher die verabreichten Medikamente dosiert werden. Nun ist aber auch das Knochenmark mit seinem intensiven Stoffwechsel gegenüber Zellgiften sehr empfindlich. Normalerweise muss daher bei der Dosierung von Chemotherapie oder Bestrahlung immer auf das Knochenmark und seine blutbildenden Stammzellen Rücksicht genommen werden.

Vor einer geplanten Hochdosistherapie werden daher Patienten-eigene, blutbildende Stammzellen gesammelt und eingefroren. Mit der eingefrorenen Reserve kann man ohne Rücksicht auf das Knochenmark eine hohe Chemotherapiedosis verabreichen - denn unmittelbar nach der Behandlung werden die lebenswichtigen Stammzellen zurückgegeben und bauen das zerstörte Knochenmark wieder auf.

Dadurch, dass eigene Zellen rücktransplantiert werden, fehlen die Komplikationen, die bei der allogenen Stammzelltransplantation durch die Auseinandersetzung von Spender- und Empfängerzellen und den Austausch des Immunsystems entstehen können. Die Behandlung beinhaltet insgesamt weniger Risiken, die Erholung ist meist innerhalb von wenigen Wochen abgeschlossen. Dafür entfällt aber auch die positive Kontrollfunktion eines neuen Immunsystems.

Wir hoffen Ihnen erste Informationen gegeben zu haben und stehen Ihnen gerne für ein ausführliches Gespräch zur Verfügung.

So erreichen Sie uns

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Prof. Dr. med. Bertram Glaß

Chefarzt für Hämatologie und Stammzelltransplantion
Prof. Dr. med. Bertram Glaß

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Dr. med. Herrad Baurmann

Leiterin der Einheit für Blutstammzelltransplantation
Dr. med. Herrad Baurmann

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