Raynaud-Syndrom: Wenn die Finger weiß werden

Das Raynaud-Syndrom - auch „Weißfingerkrankheit“ - kann unterschiedliche Ursachen haben. Eine ausführliche Diagnose ist daher sehr ratsam.

Es hat etwas Erschreckendes für die Betroffenen – anfallsweise auftretendes Verfärben der äußersten Extremitäten, meist der Hände. Die oft auch schmerzhaften Durchblutungsstörungen treten verstärkt bei Kälte auf. Meist wird es dann auch der Kälte zugesprochen und zunächst nicht ernst genommen. Das Phänomen kann jedoch auch auf schwere Erkrankungen hindeuten und sollte untersucht werden.

Woran erkenne ich einen Raynaud-Anfall?

Die Verfärbung der Finger reicht meist von weiß über blau zu rot und tritt plötzlich und anfallsartig auf, häufig begleitet von Taubheitsgefühlen und Schmerzen. Betroffen sind einzelne Finger in ganzer Länge oder auch nur die Fingerkuppen oder die Handinnenfläche. Handrücken und Daumen bleiben meist verschont. Seltener betrifft es auch Zehen und Füße.
Nach wenigen Minuten ist meist alles vorbei, nur in Ausnahmefällen dauert es länger. Ebenso schwankend ist die Häufigkeit, manche Patienten betrifft es wenige Male im Jahr, andere mehrmals am Tag.

Wieso verfärben sich die Finger?

Um eine gleichbleibende Körpertemperatur zu halten, ziehen sich Gefäße bei Kälte zusammen, bei Wärme erweitern sie sich. Bei Raynaud-Patienten vermutet man eine Störung der Nervenfunktion in den Handgefäßen, die durch den Sympathikus-Nerv gesteuert werden. Dadurch ziehen sich die Gefäße so krampfartig zusammen, dass zu wenig Blut in die Finger fließt, wodurch sie erblassen und regelrecht weiß werden. Eine mögliche spätere bläuliche Verfärbung entsteht dann durch den Mangel an Sauerstoff. Man spricht auch von einer Vasospastik, einem Gefäßkrampf. Wenn sich dieser wieder löst, dann werden die Finger zunächst so stark durchblutet, dass sie rot erscheinen und kribbeln.

Kälteempfindlichkeit, Rheuma oder Arbeitsunfall?

Tritt das Phänomen bei jüngeren Menschen auf, handelt es sich zumeist um ein sogenanntes primäres Raynaud-Syndrom, das heißt, es liegen wahrscheinlich keine anderen ursächlichen Erkrankungen zu Grunde.
Für diese Patienten ist wichtig, Ihre Finger und Hände nie auskühlen zu lassen. Bereits im Herbst sollten Handschuhe getragen und insgesamt auf einen guten Wärmeschutz geachtet werden. Auch das Rauchen ist tabu, da es zusätzlich die Gefäße zusammenziehen lässt.

Wird das Raynaud-Syndrom erstmals im mittleren oder höheren Lebensalter beobachtet, deutet es meist auf eine zugrundeliegende Erkrankung hin. Häufig sind entzündlich-rheumatische Erkrankungen (Bindegewebskrankheiten) oder Malignome. Wichtig ist eine ausführliche medizinische Untersuchung, um die Ersterkrankung zu erkennen und zu behandeln.

Das Raynaud-Syndrom kann auch beruflich bedingt sein. Dauerhaftes Arbeiten mit den Fingern - ob auf der Computertastatur oder als professioneller Pianist - kommt als Ursache ebenso in Frage wie Verschlüsse der Fingerarterien durch Verletzungen beim Handwerken (Hammer-Syndrom).
Auch Arbeiten in großer Kälte und Feuchtigkeit wie an Kühltheken oder bei der Reinigung können dazu führen. Bestimmte Chemikalien können ebenfalls Auslöser einer anfallsartigen Durchblutungsstörung sein.

Ein berufsbedingtes Raynaud-Syndrom kann Auswirkungen auf Berufsfähigkeit und Rente haben. Hierbei ist eine genaue Diagnose wichtig, die dann an die entsprechende Berufsgenossenschaft oder Rentenversicherung gemeldet werden kann.

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Prof. Dr. med. Michael Ritter

Chefarzt der Klinik für Angiologie, Diabetologie und Endokrinologie

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