Fatigue bei Krebs - Holen Sie sich Ihre Energie zurück

Fatigue bei Krebs - Holen Sie sich Ihre Energie zurück

Chronische Müdigkeit macht Krebskranken zu schaffen. Mit neuen Behandlungsmöglichkeiten und Verhaltenstipps können Sie die Tumorerschöpfung in den Griff bekommen.

Mehr als nur ein bisschen müde

Jeder fühlt sich im Laufe seines Lebens immer wieder einmal müde, ausgelaugt und kraftlos. Dies kann körperliche oder auch seelische Gründe haben und unterschiedlich lang anhalten.

Krebskranke erleben jedoch häufig eine Art von Müdigkeit und Erschöpfung, die vom normalen Maß deutlich abweicht. Dieses Syndrom  wird in der Medizin - nach dem französischen Wort für Müdigkeit - „Fatigue“ genannt und umfasst folgende Aspekte:

  • Körperliche Leistungsfähigkeit: Erschöpfung, Schwäche
  • Emotionales Befinden: Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Energieverlust
  • Geistige Leistungsfähigkeit: Konzent­rationsschwierigkeiten, Schläfrigkeit, verlangsamtes Denkvermögen

 

Länger als die Behandlung dauert

Das krebsbedingte Fatigue-Syndrom entsteht -  anders als normale Erschöpfung - nicht durch Alltagsbelastungen oder die Anstrengungen der Behandlung, sondern ist tieferen Ursprungs.

An Müdigkeit und Erschöpfung während der Behandlung leiden zunächst fast alle Patienten. Dies ist eine reguläre, therapiebedingte Begleiterscheinung und wird nicht als eigenes Krankheitsbild (Syndrom) wahrgenommen. Als tumorbedingte Fatigue hingegen gilt eine dauerhafte Erschöpfung, die teils noch Jahre nach Ende der Behandlung anhält. Davon sind schätzungsweise bis zu vier von zehn Patienten betroffen – mit schwerwiegenden Folgen. Für diese Menschen ist das tägliche Leben oft schwer zu bewältigen.

Die chronische Erschöpfung führt meist zu Arbeitsunfähigkeit oder auch zu sozialen Problemen. Die lähmende Müdigkeit, die sich auch durch ausreichend Schlaf nicht beheben lässt, ist für Gesunde nicht nachvollziehbar und stellt selbst Familie und Freunde vor Verständnisprobleme.

 Anders als Depression

Angesichts des oft lebensbedrohenden Charakters ihrer Erkrankung stellt sich bei vielen Krebsbetroffenen Niedergeschlagenheit ein. Nicht selten entwickeln Krebskranke auch behandlungsbedürftige Angststörungen oder Depressionen. Diese sind jedoch von einer tumorbedingten Fatigue zu unterscheiden.

Hier ist eine genaue Diagnostik wichtig, denn gesichert ist, dass Antidepressiva bei der tumorbedingten Erschöpfung keine Besserung bewirken. Die tumorbedingte Fatigue darf auch nicht mit dem sogenannten Chronic Fatigue Syndrome (CFS) verwechselt werden, für das andere Ursachen angenommen werden und das dementsprechend anders behandelt wird.

 Viele Auslöser

Fatigue, die tumorbedingte Erschöpfung, lässt sich nicht auf eine Ursache allein reduzieren, sondern sie hat viele Auslöser, die oft gleichzeitig nebeneinander wirksam sind. Als mögliche Ursachen kommen in Frage:

  • Blutarmut
  • Stoffwechselstörungen und Hormonmangel
  • Mangelernährung und  Gewichtsverlust
  • Nebenwirkungen von  Schmerzmedikamenten
  • Organschäden
  • Angst, Depression, Stress
  • Schlafstörungen
  • Chronische Infekte
  • Muskelabbau und Bewegungsmangel

Durch eine gezielte Erfassung aller Umstände und eine darauf ausgerichtete Therapie lassen sich jedoch Beschwerden teilweise lindern. Besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt.

 Therapien bei Fatigue

Die Behandlung der Tumorerschöpfung bedarf einer möglichst genauen Abklärung der möglichen Ursachen. In der Therapie lassen sich sowohl Medikamente als auch nicht-medikamentöse Behandlungen einsetzen. Darüber hinaus können Betroffene lernen mit den durch Fatigue verursachten Einschränkungen besser umzugehen. Als Behandlungen kommen in Frage:

  • Blutübertragung zur Verbesserung der Sauerstoffversorgung oder Anregung der körpereigenen Produktion roter Blutkörperchen (nur parallel zu einer Chemo-oder Strahlentherapie).
  • Medikamentöse Behandlung von Stoffwechsel – und Hormonstörungen, die in der Folge einer Krebsbehandlung auftreten können.
  • Abwägen der Art und Dosierung der Schmerzmittel.
  • Körperliches Training, um Ausdauer und Muskelmasse aufzubauen.
  • Psychotherapeutische Verfahren zur Veränderung von Verhaltens- und Erlebensmustern.
  • Medikamente gegen Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen (diese werden im Rahmen wissenschaftlicher Studien erprobt).

 Fatigue betrifft auch Angehörige und Kollegen

Partner oder Angehörige müssen die Betroffenen verstehen und Rücksicht nehmen, wo immer es möglich ist. Nach den bereits vorangegangenen Belastungen durch die Krebsbehandlung und den dadurch bedingten Umwälzungen in Familie und Partnerschaft ist dies nicht immer leicht. Angehörige sollten auch auf ihre eigenen Bedürfnisse achten und bei Bedarf professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.   Fatigue wirkt sich auch auf das berufliche Leben aus, wenn die verringerte Konzentrations- und Merkfähigkeit die Betroffenen sehr häufig hindern, ihre Arbeit in vollem Umfang wieder aufzunehmen. Da Fatigue jedoch noch nicht Teil der sozialmedizinischen Begutachtung der gesetzlichen Rentenversicherung ist, sind Reha-Maßnahmen und berufliche Wiedereingliederung genau abzuklären.

 Umgang im Alltag

Wenn Sie von Fatigue betroffen sind, müssen Sie mit Ihrer Energie haushalten. Finden Sie das richtige Maß zwischen Unter- und Überforderung. Teilen Sie Ihre Kraft ein. Achten Sie darauf, dass einer anstrengenden Tätigkeit eine leichtere folgt. Vielleicht führen Sie ein „Energietagebuch“: Schreiben Sie auf, was sie über den Tag hinweg erledigt haben. Überlegen Sie dabei, welche Dinge wirklich wichtig sind und welche nicht unbedingt erledigt werden müssen. Akzeptieren Sie Ihre Grenzen, aber unterfordern Sie sich nicht, denn Unterforderung baut ab, Überforderung macht krank.

Weitere Informationen

Wir empfehlen Ihnen mit Ihrem behandelnden Arzt zu sprechen. Auf den Seiten der Deutschen Krebshilfe können Sie eine Broschüre bestellen, die Ihnen neben detaillierteren Informationen auch Selbsttests und Beispiele für Energietagebücher bietet.

So erreichen Sie uns

Priv.-Doz. Dr. med. Peter Reichardt

Chefarzt Onkologie und Palliativmedizin
Priv.-Doz. Dr. med. Peter Reichardt

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