Bitte nicht überschätzen, aber auch nicht zu unterschätzen: Ernährung bei Krebs

Bitte nicht überschätzen, aber auch nicht zu unterschätzen: Ernährung bei Krebs

Abgestimmte Ernährung ist bei vielen Krebserkrankungen wichtig in der Therapie. Aber es gibt keine bestimmte Art der Ernährung, die Krebs verhindern oder heilen kann.

Wie gehören Krebs und Ernährung zusammen?

Mit dem Zusammenhang von Ernährung und Krebs beschäftigen sich seit vielen Jahren umfangreiche Studien, an denen zum Teil Hunderttausende von Menschen teilnehmen. Wissenschaftler sprechen aufgrund dieser Studien Ernährungsempfehlungen aus, die in der Gesamtheit weniger Krebserkrankungen bewirken. Die Möglichkeit als Einzelner durch besondere Ernährung eine Krebserkrankung verlässlich  zu vermeiden, gibt es jedoch nicht.  Gesundheit kann durch gute Ernährung zwar allgemein verbessert werden, aber bestimmte Diäten garantieren nicht das Ausbleiben von Erkrankungen.

Gibt es eine Krebsdiät?

Nach allem, was die Wissenschaft heute weiß, gibt es auch keine Ernährungsform, mit der sich eine Krebserkrankung gezielt heilen ließe. Seien Sie vorsichtig wenn gesagt wird,  man könne Tumoren aushungern, Rote Bete führe zum Absterben von Krebszellen oder Himbeeren ließen diese erst gar nicht wachsen. Für all diese Empfehlungen gibt es keine  Untersuchungen, die solche Wirkungen wissenschaftlich eindeutig bestätigen. Meist ist noch nicht einmal klar, ob diese Diäten wenigstens nicht schaden, wenn sie schon nicht nutzen. So müssen Krebskranke in fast allen Fällen eher wieder an Gewicht gewinnen und sich ausgewogen ernähren, anstatt zu fasten oder einem Lebensmittel den Vorzug zu geben.

Gute Ernährung hilft heilen

Auch wenn es keine Heilung durch eine bestimmte Diät gibt, können Sie den Kampf gegen Ihre Krankheit doch durch gesunde Ernährung unterstützen. Menschen, die an Krebs erkrankt sind, sollten sich nach den normalen Regeln ernähren, die auch für Gesunde gelten: Alles, was Sie essen und trinken, soll Ihren Körper so gut wie möglich mit Energie versorgen sowie mit den richtigen Bausteinen und Wirkstoffen, die der Stoffwechsel für seine Aufgaben benötigt.

Aber häufig ändert sich das Ernährungsverhalten durch eine Krebserkrankung. Durch die Krankheit und deren Behandlung können Übelkeit, Geschmacksstörungen, Schluckbeschwerden, Durchfall oder Verstopfung auftreten. Krebserkrankungen im Verdauungssystem haben Auswirkungen auf die Ernährung, manchmal muss sogar künstlich ernährt werden. Auch kann es durch bestimmte Tumoren oder durch die Therapie zu Gewichtsverlusten kommen, was als primäres oder sekundäres Anorexie-Kachexie-Syndrom bezeichnet wird.

Als Krebspatient sind Sie auf sinnvolle Ernährungsempfehlungen angewiesen, die Sie auch im Alltag gut umsetzen können. Ernährungstherapien werden für Sie individuell medizinisch ausgearbeitet und sind auf Ihre jeweilige Erkrankung maßgeschneidert – allgemeine Diätvorschriften aus Büchern sind für Krebskranke nicht sinnvoll.

Bitte beachten Sie:

Auch die bestmögliche Ernährung kann eine gezielte medizinische Therapie allenfalls ergänzen, niemals aber ersetzen.

Versorgen Sie den Körper mit Energie

Ein guter Ernährungszustand wirkt sich immer positiv auf den Körper aus und beeinflusst eine Krebsbehandlung günstig. Ziele einer begleitenden Ernährungstherapie sind daher:

  • Allgemeinbefinden und Lebensqualität zu verbessern 
  • Mangelernährung vorzubeugen oder sie zu begrenzen 
  • Versorgung mit Nährstoffen sicherzustellen
  • Stabilisierung der körpereigenen Abwehrkräfte
  • Vermeidung von starkem Gewichtsverlust
  • Anpassen der Ernährung an Veränderungen des Körpers durch die Erkrankung oder deren Therapie
  • Nebenwirkungen der Therapie zu lindern
  • Freude und Genuss am Essen zu erhalten
  • Dem Patienten sinnvolle und hilfreiche Informationen zum Thema Ernährung bei Krebs mitzugeben

Unterstützende Ernährungstherapie

Eine Krebserkrankung ist eine schwere Krankheit, die nicht nur das betroffene Organ in Mitleidenschaft zieht, sondern oft den ganzen Körper. Es kann sein, dass die allgemein gültigen Ernährungsempfehlungen nicht für alle Krebskranken sinnvoll sind. Dies kann zum Beispiel an der Krankheit selbst oder an den Folgen der Therapie liegen, wenn zum Beispiel das Verdauungssystem in Mitleidenschaft gezogen wurde. Bei der unterstützenden Ernährungstherapie werden folgende vier Ansätze miteinander kombiniert:

  • Besondere Trink-Nahrung, so genannte enterale Kost oder „Astronautenkost“
  • Nährstoffe wie Vitamine oder Mineralstoffe als Nahrungsergänzung
  • Magen- oder Darmsonde zur direkten Ernährung
  • Eine Infusion direkt in die Blutgefäße anstelle des normalen Ernährungsweges durch Magen und Darm

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen aber: Essen Sie, soweit möglich, normale Kost.

Fällt Ihnen das normale Essen zu schwer oder ist die Gefahr groß, dass Sie zu sehr abmagern, kann es sinnvoll sein, dass Sie für eine gewisse Zeit im Krankenhaus eine unterstützende Ernährungstherapie bekommen, damit Sie wieder zu Kräften kommen.

Spezielle Diäten bei bestimmten Krebsarten

Da Tumorzellen oft andere Nährstoffe benötigen als normale Körperzellen, lohnt sich der Versuch, den Krebszellen Nährstoffe zu entziehen. Diese sogenannte metabolisch adaptierte Ernährung wird wissenschaftlich untersucht, verbindliche Empfehlungen gibt es dazu jedoch noch nicht. Trotzdem kann es sinnvoll sein, diese Ernährung auszuprobieren, wenn eine herkömmliche Ernährungstherapie nicht erfolgreich ist.

So kann es zum Beispiel sein, dass ein Krebskranker Kohlenhydrate schlecht verwerten kann, der Tumor dagegen reichlich Traubenzucker benötigt. Studien deuten darauf hin, dass dann eine fettreiche und kohlenhydratarme Kost, die außerdem reichlich Eiweiß enthält, einer normalen Kost überlegen sein könnte, um das Körpergewicht zu halten.

Ernährungsberatung

Grade wegen der Vielzahl von – teils unseriösen – Ernährungsempfehlungen in Medien und Publikationen ist es wichtig sich professionell und medizinisch auf die eigene Erkrankung bezogen beraten zu lassen. Die Krankenkassen erstatten meist die Beratungskosten, jedoch nur bei staatlich anerkannten und qualifizierten Ernährungsberatern wie

  • Diplom-Ernährungswissenschaftler
  • Diplom-Oecotrophologen
  • Diplom-Ingenieure Ernährungs- und Hygienetechnik
  • Diätassistenten
  • Ärzte mit gültigem Fortbildungsnachweis Ernährungsmedizin

Auf den Internetseiten der Ernährungswissenschaftler und der Diätassistenten könne Sie nach Beratern suchen.

Die Deutsche Krebshilfe informiert

Auf den Internet-Seiten der Deutschen Krebshilfe können Sie eine Broschüre bestellen, die Ihnen detailliertere Informationen zum Thema Ernährung und Krebs bietet. Hier finden Sie auch Adressen von Kliniken, Selbsthilfegruppen, Links zu empfohlenen Internetangeboten zum Thema sowie Beispiele für Ernährungstagebücher.

So erreichen Sie uns

Priv.-Doz. Dr. med. Peter Reichardt

Chefarzt Onkologie und Palliativmedizin
Priv.-Doz. Dr. med. Peter Reichardt

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(030) 94 01-54800