Wie das Helios Klinikum Bad Saarow auf Corona vorbereitet ist, erklärt Carmen Bier in diesem Interview.

Hat das Helios Klinikum Bad Saarow seine Kapazitäten an Intensivbetten und Beatmungsplätzen für die verstärkte Aufnahme schwerer Covid-19-Fälle umgruppiert? Wie viele Betten haben Sie maximal für Corona-Fälle zur Verfügung?


Unser Klinikum verfügt über 42 Intensivbetten. Bei Bedarf sind wir in der Lage, 27 weitere Intensivbetten aufzustellen und personell auszustatten, sodass wir für den Ernstfall in unserem Klinikum rund 69 Intensivbetten vorhalten. Darüber hinaus verfügen wir als Ostbrandenburgisches ECMO-Zentrum über Verfahren zur temporären mechanischen Unterstützung von Herz und Lunge (sogenannte ECMO-Systeme). Des Weiteren haben wir eine Isolierstation mit 30 Betten eingerichtet, deren Kapazitäten wir bei Bedarf flexibel anpassen können.

Wie steht es mit den personellen Ressourcen? Sind genügend Mitarbeiter geschult und bereit, kurzfristig in diesem Bereich zu arbeiten?

Wir sind auf die pflegerische und medizinische Betreuung hoch infektiöser Patienten sehr gut vorbereitet. Der Aufwand, der bei Corona betrieben werden muss, unterscheidet sich nicht wesentlich von anderen Erkrankungen wie beispielsweise von multiresistenten Keimen, die ebenfalls das konsequente Isolieren von Patienten nötig machen.

Welche Vorsorgemaßnahmen wurden ergriffen, um im eigenen Haus die Verbreitung des Corona-Virus zu verhindern oder zu bremsen?

Wir haben zahlreiche präventive Maßnahmen ergriffen:
Neben der Absage aller Patienten- und Informationsveranstaltungen haben wir am 23. März einen Besucher- und Begleitstopp ausgesprochen. Das heißt: Zum vorsorglichen Schutz unserer Patienten, ihrer Angehörigen und unserer Mitarbeiter sind vorläufig keine Besuche und Begleitungen von Patienten möglich.


Es gibt aber Ausnahmen:
•    Kinder unter 16 Jahren sowie Palliativpatienten dürfen einmal am Tag von einer Person für eine Stunde Besuch empfangen.
•    Bei der Geburt lässt das Klinikum aktuell eine Begleitperson zu.
Wichtig ist, dass beide Ausnahmen nur dann gelten, wenn der Besucher nicht selbst an einer Atemwegsinfektion leidet und nicht aus einem Corona Risikogebiet zurückgekehrt ist. 

 
Damit reagieren wir auf die Verordnung des Landes Brandenburg zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus.
Viele Anfragen erreichen uns gerade zum Besucher- und Begleitstopp. Hier einige Hinweise: Patienten, die stationär bei uns aufgenommen werden und hilfebedürftig sind, werden am Empfang von dem Patientenbegleitdienst zu ihrer Station gebracht. Ambulante Arztbesuche sind weiterhin gestattet. Wer hier auf Hilfe angewiesen ist, kann eine Begleitperson mitbringen, die dann während des Arzttermins draußen warten muss.

Weitere vorsorgliche Maßnahmen sind, dass wir derzeit unsere Cafeteria nur noch für Klinikpersonal öffnen. Anstehende Dienstreisen und Konferenzen von Mitarbeitern haben wir abgesagt/verschoben bzw. wenn möglich auf digitale Meetings umgestellt.

Sind die materiellen Voraussetzungen da – hinsichtlich persönlicher Schutzkleidung, Desinfektionsmittel sowie Beatmungsgeräten?

Ja, wir verfügen über die materiellen Voraussetzungen wie Schutzkleidung, Desinfektionsmittel sowie Beatmungsgeräten. Bei einer Reihe von Produkten im Markt ist die Versorgungslage erheblich angespannt. Die Helios Task Force bewertet die Materiallage in allen Kliniken täglich aufs Neue und arbeitet intensiv daran, notwendige Produkte an den internationalen Märkten zu finden und einzukaufen.

In welchem Umfang wurden bereits Operationen verschoben, um mehr Kapazitäten für Corona-Kranke zu haben? Welche Operationen sind das?

Helios hat seine 86 Kliniken darauf vorbereitet, zusätzliche Kapazitäten für die Versorgung von schwer verlaufenden COVID-Erkrankungen zu schaffen und Intensivmedizinische und Beatmungskapazitäten zu erweitern. Dem Maßnahmenpaket der Bundesregierung folgen wir.

Dabei gehen wir nach den folgenden Kriterien vor:
•    Eingriffe und Maßnahmen an Patienten werden dann verschoben, wenn nach medizinischer Einschätzung davon auszugehen ist, dass die Erkrankten in den kommenden zwei Monaten ohne diese Versorgung auskommen können.
•    Alle übrigen Maßnahmen und Eingriffe, die aus medizinischer Sicht keinen Aufschub erlauben, werden wir nun zügig vornehmen, um die Kapazitäten, die wir momentan noch haben, zu nutzen. Unsere Kliniken sind gehalten, ihre Dienstpläne entsprechend anzupassen.

Oberste Priorität ist es, sicherzustellen, dass ein Bett, das für die Versorgung von Corona-Patienten gebraucht wird, nicht blockiert ist durch einen anderen Patienten, der nicht zwingend zum jetzigen Zeitpunkt hätte versorgt werden müssen. Da niemand abschätzen kann, wie lange die derzeitige Situation noch andauert, müssen wir jetzt im Auge behalten, dass die Zahl der nun aufgeschobenen Patienten nach Möglichkeit nicht unnötig groß wird.

Welche Vorkehrungen hat das Klinikum getroffen, damit im Haus Abstände eingehalten werden? Wie gewissenhaft halten sich Besucher nach Ihren Beobachtungen an diese Vorgaben?

Nach der Reduzierung unserer stationären Behandlungen, den Besuchseinschränkungen und dem gestern verhängten Besucherstopp ist unser Klinikum momentan weniger voll. Trotzdem haben wir auch Vorkehrungen getroffen, um die Mindestabstände einzuhalten. So haben wir das Mobiliar der Warteräume entsprechend aufgelockert, in der Cafeteria Tische und Stühle auseinandergestellt, Spritzschutze am Empfangstresen und in den Aufnahmekabinen sowie diverse Hinweisschilder und Abstandsstreifen angebracht. Wir beobachten, dass sich die meisten Menschen an die Vorgaben halten und Verständnis zeigen.