Stellungnahme zur aktuellen Berichterstattung des rbb

Stellungnahme zur aktuellen Berichterstattung des rbb

Bad Saarow

Zur aktuellen Berichterstattung des RBB möchten wir hier an dieser Stelle den Inhalt des Berichts des Robert Koch Instituts (RKI) veröffentlichen.

Welche Infektions- und Fehlerquellen haben die Experten des Robert-Koch-Institut bei Ihrem Besucht am 8. Oktober 2020 im Helios Klinikum Bad Saarow festgestellt?

Die Expert:innen des RKI befanden, dass die Reaktion auf die positive Testung von ehemaligen Patient:innen am 29.09.2020, nur die unmittelbaren Kontakte dieser Patienten zu untersuchen, unzureichend erscheint*. Eine Testung aller Patient:innen und des gesamten Personals hätte aus Sicht des RKI bereits am 30.09.2020 durchgeführt werden müssen.

Da der Anteil des Personals an Fällen sehr hoch war, habe es möglicherweise neben dem Geschehen im Klinikum eine Häufung im ambulanten Bereich gegeben. Nachdem über viele Wochen keine Patienten im Aufnahme-Screening positiv gewesen seien, seien vom 29.09.2020 bis zum 02.10.2020 vier Patient:innen bei der Aufnahme positiv getestet worden. Das spreche dafür, dass es auch außerhalb des Klinikums zu einer Zunahme von Fällen gekommen sei.

*Abstimmung mit Gesundheitsamt, Ministerium und RKI

Während des Covid-19-Ausbruchsgeschens im Oktober 2020 stand das Helios Klinikum Bad Saarow zu jeder Zeit im engen Austausch mit dem Gesundheitsamt Landkreis Oder-Spree, dem Ministerium und dem RKI. Alle Maßnahmen und Regelungen, die hinsichtlich des Ausbruchs von den gesetzlichen Behörden veranlasst und getroffen wurden, haben wir gemeinsam abgestimmt und im Klinikum umgesetzt. So wurde auch das Testvorgehen vom Gesundheitsamt festgelegt. Das Helios Klinikum hat sich darüber hinaus eigenständig entschlossen, alle Mitarbeit:innen und Patient:innen zu testen und nicht nur die betroffenen Bereiche. Während des gesamten Zeitraums des Ausbruchsgeschehens und darüber hinaus haben wir über den Status aller Handlungen öffentlich und transparent informiert. Alle Presseinformationen sind hier veröffentlicht.

Welche Empfehlungen und Handlungsanweisungen hat das Robert-Koch-Institut in seinem Bericht dem Helios Klinikum Bad Saarow gegeben?

Anhand der vom Klinikum und vom Gesundheitsamt geschilderten Situation empfahl das RKI folgende Maßnahmen:

  • Weiterhin Führen einer vollständigen Linelist und Zeitschiene, um einen Überblick über das Geschehen zu ermöglichen. Hierzu gehören u.a. die Angaben zu Zeit, Ort und Person (Personal und Patient:innen), Aufnahmedatum, Station, Datum der Verlegungen auf andere Stationen, Kontaktpersonenstatus (mit Datum der Exposition, Exposition zu welchen anderen Personen etc.), mitgebracht oder nosokomial erworben, Datum der Probenentnahmen (Station zum Zeitpunkt der Probenentnahme) und Befunde auf SARS-CoV-2, Datum der Entlassung, der Verlegung und ggf. des Todes, Datum der ITS-Aufnahme und Datum der Beatmungspflichtigkeit etc. Hierbei kann auf die im Pandemieplan der Helios Kliniken Gruppe verfügbaren Vorlage zurückgegriffen werden.
  • Alle Patient:innen, die ab dem 17.09.2020 in Alten- und Pflegeheime und andere Einrichtungen verlegt wurden, müssen vom Klinikum identifiziert werden. Die betroffenen Einrichtungen müssen umgehend informiert werden, dass diese Patient:innen ein erhöhtes Risiko haben, SARS-CoV-2 positiv zu sein. Diese Personen sollten auch ohne Symptome auf SARS-CoV-2 getestet werden, um eine Weiterverbreitung in den jeweiligen Einrichtungen zu vermeiden. Auch alle Patient:innen, die seit dem 17.09.2020 entlassen worden sind, sollten entsprechend informiert werden.
  • Sowohl für den aktuellen Ausbruch als auch für das langfristige Management in der aktuellen Pandemie sind bei Ausbruchgeschehen rasche Testungen des gesamten Personals und aller Patient:innen auf SARS-CoV-2 dringend zu empfehlen.
  • Strikte räumliche und personelle Trennung der verschiedenen Bereiche (rot, gelb, grün).
  • Im gesamten Krankenhaus müssen die Wege von Personal und Patient:innen nochmals genau überprüft werden. Die Bereiche sollten sich nach Möglichkeit nicht kreuzen, auch nicht in den Funktionsbereichen.
  • Mitarbeiter:innen, die als Kontaktpersonen der Kategorie I (KP1) eingestuft sind, müssen sich, wenn kein Personalmangel besteht, für 14 Tage häuslich absondern (Quarantäne). Nur bei relevantem Personalmangel ist der Einsatz dieser Personen in Ausnahmefällen und in Absprache mit dem Gesundheitsamt möglich. Falls ausnahmsweise KP1 eingesetzt werden, müssen diese regelmäßig getestet werden (Siehe RKI Empfehlungen).
  • Personal mit Erkältungssymptomen sollte sich häuslich absondern und sich einer SARS-CoV-2-Testung unterziehen. Eine Wiederaufnahme der Arbeit ist frühestens 48 Stunden nach Symptomfreiheit möglich. Eine Sensibilisierung des Personals für dieses Vorgehen muss kontinuierlich erfolgen.
  • Das konsequente und richtige Tragen der erforderlichen persönlichen Schutzausrüstung durch das Personal ist weiterhin zu kontrollieren.
  • Strukturiertes Fortführen der Testungen* und nachvollziehbare Dokumentation sowie Zusammenführung der Laborbefunde. Die geplanten wiederholten Testungen aller Mitarbeiter:innen und aller Patient:innen (Reihentestung 3 und 4 und falls weiterhin positive Fälle nach Absprache mit dem Gesundheitsamt auch weitere Reihentestungen) sollte unbedingt durchgeführt werden. Die Dokumentation sollte mit Stationszuordnung erfolgen.
  • Der betriebsmedizinische Dienst sollte hinzugezogen werden, insbesondere um folgende Aufgaben zu übernehmen:
    • Befundmitteilung bei positivem SARS-CoV-2-Nachweis an das Personal, inkl. Abklärung möglicher Risiken und Folgeschäden unter Beachtung der ärztlichen Schweigepflicht
    • Klärung Anzeige bei der Berufsgenossenschaft
    • Begleitung erkrankter Mitarbeiter:innen
  • Zeitliche und räumliche Trennung bei der Pausengestaltung des Personals sicherstellen.
  • Quantifizierung der tatsächlich getesteten Personen unter allen Mitarbeiter:innen zur besseren Einschätzung der „No-Show Rate“. Erstellung eines Konzepts, wie ungetestetes Personal vor Dienstantritt identifiziert werden und wie dessen Einsatz weiter geplant werden kann.
  • Es sollte untersucht werden, ob die vier Patient:innen, die bei Aufnahme positiv auf das Vorliegen von SARS-CoV-2 getestet wurden, Gemeinsamkeiten haben.
  • Ein Konzept zur Wiederaufnahme des Regelbetriebs sollte in enger Abstimmung und Absprache mit dem Gesundheitsamt erstellt werden.

* Corona-Testungen Patienten 2020

Im Juni 2020 lag die Zahl der aktiven Fälle einer Infektion mit dem Corona-Virus im gesamten Landkreis Oder-Spree zwischen drei und acht. Nur wenige Krankenhäuser testeten schon zu dieser Zeit alle Patient:innen bei der stationären Aufnahme. Unser Klinikum testete bereits seit dem 22. April 2020 alle Patient:innen (mit und ohne Covid-19-Symptome), die zu planbaren Operationen einbestellt wurden. Seit dem 13. Juli 2020 testeten wir alle Patient:innen bei der stationären Aufnahme. Mit dieser Teststrategie war unser Klinikum im vergangenen Jahr führend im Land Brandenburg.

Für noch mehr Sicherheit testen wir seit dem 21. Oktober 2020 alle planbaren Patienten vorstationär und nehmen sie erst nach dem Testergebnis auf, um eine korrekte Risikoklassifizierung vornehmen zu können.