Gefäß-Neurochirurgie

In der vaskulären Neurochirurgie behandeln wir in einem interdisziplinären Team akute und chronische Erkrankungen der Gefäße, des Gehirns und des Rückenmarks.

Neurochirurgisch behandeln wir folgende vaskuläre Erkrankungen:

Schlaganfälle und ihre Folgen sind eine der häufigsten Ursachen medizinsicher Notfälle in Deutschland. Ursächlich ist zumeist ein akuter Gefäßverschluss im Gehirn, in dessen Folge Anteile des Gehirns nicht mehr durchblutet und daher geschädigt werden. Alternativ kommt es zu sogenannten blutigen Schlaganfällen durch eine spontane Einblutung in das Hirngewebe. Die initiale Schlaganfallversorgung übernimmt federführend die Klinik für Neurologie mit ihrer Schlaganfallstation (Stroke Unit) sowie die Neuroradiologie

Eine Akutkomplikation des Schlaganfalls kann neben Einblutungen auch eine therapiepflichtige Hirnschwellung sein, die im Einzelfall operativ durch eine sogenannte Hemikraniektomie (Entfernung eines Teils des knöchernen Schädeldachs) oder Anlage externer Ventrikeldrainagen zum Ablassen von Nervenwasser mitversorgt werden kann. Ob eine Indikation für ein chirurgisches Vorgehen besteht, wird im jeweiligen Einzelfall interdisziplinär und unter Berücksichtigung aktueller wissenschaftlicher Standards und Leitlinien entschieden.

Hierbei handelt es sich um Blutungen zwischen Hirnoberfläche und weicher Hirnhaut – sie erfordern zumeist eine notfallmäßige Abklärung und Behandlung. Ursächlich für eine Blutung sind in der Regel Gefäßaussackungen an den Hirnschlagadern – sogenannten Aneurysmen. In Einzelfällen können diese Blutungen aber auch spontan auftreten, ohne dass im Rahmen der Diagnostik eine klare Blutungsquelle identifiziert werden kann. Zudem können andere Gefäßerkrankungen ursächlich für eine solche Blutung sein.

Neben der unmittelbaren Diagnostik kann ein sofortiger Eingriff zur Ausschaltung der Blutungsquelle erforderlich sein. Hier setzen die Neuroradiologen katheterbasierte, endovaskuläre Verfahren (sogenanntes Coiling) ein. Auch operative Verfahren kommen zur Anwendung. Vereinzelt sind auch operativ entlastende Eingriffe eines raumfordernden Blutergusses oder krankhaft gesteigerten Hirndrucks erforderlich.

Das interdisziplinäre Notfallmanagement sowie die Möglichkeit einer begleitenden intensivmedizinischen Betreuung sind dabei entscheidend für die Prognose und damit für die Erholung des Patienten. Neben der akuten Versorgung der Blutungsquelle sind die Identifikation und ggf. Behandlung von sekundären Durchblutungsstörungen mitentscheidend für das Behandlungsergebnis.

Bei Aneurysmen unterscheidet man grundsätzlich zwischen symptomatischen – gebluteten/blutenden Aneurysmen z.B. bei einer Subarachnoidalblutung – und nicht symptomatischen (sogenannten inzidentellen) Aneurysmen, die zufällig im Rahmen einer Bildgebung identifiziert werden. Es handelt sich um Aussackungen an Blutgefäßen, die sich meist als Folge einer Gefäßwandschwäche entwickeln können.

Symptomatische Aneurysmen erfordern in der Regel eine unmittelbare Therapie, bei zufällig entdeckten Aneurysmen ist die Abschätzung des möglichen Blutungsrisikos im Individualfall entscheidend. Dies schließt auch die Mitberücksichtigung zusätzlicher Risikofaktoren (Bluthochdruck, Bindegewebserkrankungen, Rauchen, erhöhte Blutfette etc.) mit ein. Nach Neudiagnose eines Aneurysmas bieten wir Ihnen die gesamte Diagnostik zur individuellen Befundeinschätzung an.

Die jeweilige Behandlungsempfehlung wird interdisziplinär abgestimmt und mit Ihnen besprochen. Dabei stehen Ihnen die Spezialisten der Neurochirurgie und Neuroradiologie beratend zur Seite. Nach Behandlung symptomatischer oder auch inzidenteller Aneurysmen organisieren und begleiten wir Sie zudem in der individuellen Nachsorge (Kontrollangiographie, Kontroll-MRT).

Neben speziellen spontanen Blutungen wie der Subarachnoidalblutung oder Blutungen im Rahmen eines Schädel-Hirn-Traumas stellen Einblutungen in das Groß- oder Kleinhirn wesentliche Notfälle der Neurochirurgie dar. Sie können auch als hämorrhagischer Schlaganfall im Rahmen der neurologischen Notfallmedizin auffallen. Erforderliche diagnostische und ggf. therapeutische Maßnahmen werden auch hier interdisziplinär entwickelt. Ob ein konservatives oder operatives Vorgehen zur Behandlung der Blutung und ihrer Folgen erforderlich ist, muss immer im Einzelfall entschieden werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Identifikation und Aufarbeitung möglicher struktureller Blutungsursachen (Aneurysmen, eingeblutete Tumoren des Gehirns, Metastasen aus anderen Organen, etc.).

Neben operativer Entlastung einer raumfordernden Blutung über eine Kraniotomie (Entfernung eines Teilstücks des knöchernen Schädeldachs), kann ein Bluterguss in Einzelfällen auch über eine minimalinvasive Blutungsdrainage und Verwendung eines das Blutgerinnsel auflösenden Medikaments (z.B. rtPA-Lyse) behandelt werden. Dies gilt insbesondere auch bei Blutungen in die Nervenwasserräume (sogenannte Ventrikel), in deren Folge ein Nervenwasseraufstau (Hydrocephalus) zu einer zusätzlichen Komplikation führen kann. Durch Auflösen dieser Blutungen kann ein geregelter Nervenwasserabfluss gesichert werden.

Unabhängig davon gewährleistet die Neurochirurgie eine ständige Versorgungsbereitschaft bei traumatischen Blutungen jeder Art (z.B. epidurale, subdurale, intrazerebrale Hämatome).

Arteriovenöse Malformationen und Kavernome sind seit Geburt angelegte und sich im Laufe des Lebens entwickelnde Gefäßerkrankungen. Durale arteriovenöse Fisteln entstehen erst im Laufe des Lebens und sind nicht selten bedingt durch eine traumatische Ursache. Dabei kommt es zu einer Art Kurzschluss (dem sogenannten Kapillaren) fehlt. Häufigste Komplikation dieser Erkrankungen sind Hirnblutungen gefolgt von Anfallsleiden oder neurologischen Defiziten. Nicht selten werden sie aber auch im Rahmen moderner Bildgebung zufällig entdeckt. Abhängig von der anatomischen Ausbildung der jeweiligen Gefäßmalformation stehen verschiedene Therapieformen in Form von endovaskulären, katheterbasierten Techniken (Coiling, Embolisation), operativen Behandlungen (Clipping, Resektion des Nidus) und auch radiochirurgischen Behandlungen (z.B. Gamma-Knife Therapie) zur Verfügung. Ziel der gewählten Therapie oder auch einer Kombination verschiedener Therapieverfahren ist in der Regel die komplette Ausschaltung der Gefäßerkrankung.

Kavernome sind Gefäßfehlbildungen, die grundsätzlich in vielen Geweben vorkommen können. Es handelt sich dabei um eine Gefäßerkrankung mit wenig Blutfluss, die einem ständigen Umbau und Neubildung kleinster Gefäße zugrunde liegt. Häufig werden sie zufällig diagnostiziert, sie können aber auch durch neurologische Beschwerden (epileptischer Anfälle, Funktionsstörungen wie Lähmung, Gefühlsstörung, Sprachstörung) symptomatisch werden. Eine wesentliche Komplikation stellt dabei eine spontane Einblutung im Sinne einer Hirnblutung dar. Bedingt durch ihren anatomischen Aufbau kann es aber auch zu kleinsten Blutungen im Kavernom selbst kommen, die zu eisenhaltigen Ablagerungen (sogenannte Hämosiderinablagerung) im umgebenden Hirngewebe führen können. Auch diese können zu neurologischen Symptomen und damit einer möglichen Behandlung führen.

Asymptomatische Kavernome müssen nicht grundsätzlich operiert werden. Vielmehr ist hier die individuelle Beratung und Abschätzung eines Risikoprofils entscheidend, ob eine operative Behandlung zur Entfernung des Kavernoms ratsam ist oder nicht.  

Bei engem Kontakt zwischen Blutgefäßen und Hirnnerven am Austritt aus dem Hirnstamm können symptomatische Kompressionssyndrome, wie z.B. bei der Trigeminusneuralgie oder dem Hemipasmus Facialis, entstehen. Auch abseits des Zentralnervensystems können relevante Kompressionen von Gefäß- oder Nervensträngen entstehen (z.B. Halsrippen-Syndrom, Kostoklavikuläres Syndrom).

Neben symptomatischer Therapie mit Medikamenten können auch operative Behandlungen, die den Gefäßnervenkonflikt beseitigen (sogenannte mikrovaskuläre Dekompression, Eingriff nach Jannetta) zur Anwendung kommen. Im Bedarfsfall kann auch auf das gesamte Facharztspektrum des Helios Klinikums Bad Saarow (z.B. Gefäßchirurgie, Thoraxchirurgie) zurückgegriffen werden.

Die optimale Versorgung dieser Erkrankungen gewährleisten wir durch:

  • die eingespielte, interdisziplinäre Zusammenarbeit der Spezialisten der Neurochirurgie, der Neuroradiologie und der Neurologie
  • Rund um die Uhr Verfügbarkeit neuester Gerätetechnologie (2-Ebenen-Angiographie, Hybrid-OP, 3-Tesla-MRT, Multislice-CT, Perfusions-CT)
  • spezialisierter OP-Ausrüstung (u. a. Mikrochirurgie, Mikrodoppler, intraoperative ICG-Angiographie, intraoperatives Neuromonitoring.