Neugeborenen- Hörscreening

Kinder, die nichts hören, lernen auch nicht sprechen. Deshalb ist es wichtig, eine Hörstörung früh zu erkennen und zu behandeln.

Früherkennungsuntersuchung von Hörstörungen bei Neugeborenen

Bereits vor der Geburt entwickelt sich die Fähigkeit des Hörens. Erst nach der Geburt lernt Ihr Kind dann Stimmen und Geräusche zu unterscheiden und so auf seine Umwelt zu reagieren. Ein funktionierendes Gehör ist die entscheidende Voraussetzung für eine spätere Sprachentwicklung. Im Neugeborenenalter sind Hörstörungen die am häufigsten auftretende Einschränkung einer Sinnesfunktion.

In Deutschland werden jedes Jahr rund 2000 Babys mit einer beidseitigen Hörschädigung geboren. Ohne ein Neugeborenen-Hörscreening werden Hörstörungen oftmals zu spät erkannt. Sie fallen meist erst dann auf, wenn die Kinder auf Geräusche in Ihrer Umgebung nicht reagieren oder sie weniger und schlechter sprechen. Entscheidend für einen optimalen Start in die Sprachentwicklung ist aber die frühe Erkennung von Hörstörungen, um eine gezielte Förderung der betroffenen Kinder einzuleiten und die Eltern auf ihre besonderen Aufgaben vorzubereiten.

Mit einem automatisierten Testgerät wird in den ersten Tagen nach der Geburt ein einfacher und schmerzloser Hörtest durchgeführt. Werden bei dieser Erstuntersuchung Auffälligkeiten festgestellt, folgen Kontrolluntersuchungen, die eine sichere Diagnose herbeiführen sollen. Sollte bei Ihrem Kind eine relevante Hörschädigung vorliegen, bieten wir im Helios Klinikum Bad Saarow alle modernen Möglichkeiten der Therapie. Dafür steht Ihnen ein erfahrenes interdisziplinäres Team von Geburtsmedizinern, Kinderärzten und HNO-Ärzten zur Seite.

Das Hörscreening wird in den ersten LebenstagenIhres Kindes durchgeführt, möglichstvor der Entlassung aus der Geburtseinrichtung.Die Tests sind völlig schmerzfrei und könnendurchgeführt werden, während Ihr Kindschläft, am besten nach dem Füttern.

Für das Neugeborenen-Hörscreening werdenzwei Verfahren angewendet: die Messung der„otoakustischen Emissionen“ und die „Hirnstammaudiometrie“.Bei diesen Verfahren mussIhr Kind nicht aktiv mitarbeiten.

Die Messung der otoakustischen Emissionen(OAE) basiert darauf, dass ein normales Innenohrnicht nur Schall empfangen, sondern auch aussenden kann. Dazu wird eine kleine Sonde in den äußeren Gehörgang eingeführt.

Diese gibt leise „Klick“-Geräusche ab. Diese Geräusche werden ins Innenohr fortgeleitet, zur Hörschnecke mit ihren Sinneszellen. Erreichen die Töne ihr Ziel, „antworten“ diese Zellen, ähnlich einem Echo, mit Schwingungen, die wiederum als Schallwellen vom Innenohr zurück ins äußere Ohr übertragen werden. Dort nimmt ein an der Sonde befestigtes winziges Mikrofon die Schallwellen auf und misst, wie stark sie sind. Bleibt das Signal aus oder istes sehr schwach, kann dies auf eine gestörte Schallaufnahme im Innenohr hinweisen.

Die Ursache ist häufig eine Störung der Sinneszellen. Ein schlechtes Messergebnis bedeutet aber zunächst nur, dass der Befund kontrollbedürftig ist. Zum Beispiel kann die Signalaufnahme verzerrt werden, wenn das Kind unruhig ist, Flüssigkeit im Ohr hat oder Hintergrundgeräusche stören.

Durch diese Messung lässt sich feststellen, ob die Übertragung der Schallsignale ins Gehirn richtig funktioniert. Die Hirnstammaudiometrie (englisch: Brainstem electric responseaudiometry, BERA oder auditory brainstemresponse, ABR) ist eine spezielle Elektroenzephalografie EEG) – ein Verfahren, das die vom Innenohr und Teilen der Hörbahn (Hörnerv und Hör-Gehirn) produzierten elektrischen Aktivitäten misst.

Vor der Messung werden am Kopf des Kindes zunächst kleine Metallplättchen (Elektroden) auf die Haut geklebt. Über eine Sonde oder einen Kopfhörer werden dann ebenfalls Klickgeräusche in das Ohr gesendet. Über die Elektroden wird gemessen, ob die Schallwellen als elektrische Impulse aus dem Innenohr an das Gehirn weitergeleitet und verarbeitet werden. Ist die Antwort des Innenohrs oder von Teilen der Hörbahn gestört, liegt ein Hinweis auf eineHörminderung vor, der eine weitere Untersuchung erforderlich macht. Auch dieser Test erfordert eine ruhige Umgebung. Je aktiver und wacher das Kind ist, destomehr elektrische Signale produziert sein Gehirn und es wird schwierig, die Signale der Hörbahn von diesen zu unterscheiden. Deshalb ist es am besten, wenn Ihr Kind während der Untersuchung schläft.Zusammen mit den OAE kann die Hirnstammaudiometrie auch Hinweise liefern, ob das Hören durch eine Schädigung im Innenohr oder der Hörbahn beeinträchtigt ist. Ihr Kind erhält entweder eine der beiden Untersuchungen oder beide.

Das Ergebnis des Hörscreenings ist noch keine Diagnose. Ein unauffälliges Ergebnis bedeutet, dass eine Hörstörung weitgehend ausgeschlossen werden kann. Ein auffälliges Ergebnis bedeutet noch nicht, dass Ihr Kind schlecht hört, sondern dass das Screening-Ergebnis kontrolliert werden muss.

Nur ungefähr ein Kind von 30 bis 40 im Screening auffälligen Kindern hat tatsächlich eine Hörstörung. Dennoch ist es für die weitere Entwicklung Ihres Kindes besonders wichtig, bei einem auffälligen Befund im Screening das Hörvermögen überprüfen zu lassen. Es ist dann eine genauere diagnostische Untersuchung des Hörsystems nötig. Eine Hörstörung kann aber auch erst im Laufe der Entwicklung eines Kindes auftreten, z.B. durch eine Infektion im Kleinkindalter. Deshalb ist es auch nach einem unauffälligen Testergebnis wichtig, dass Sie auch weiterhin darauf achten, ob Ihr Kind gut hört.

Neugeborenen-Hörstörungen lassen sich in den meisten Fällen nicht heilen, aber so wirksam behandeln, dass eine weitgehend normale Entwicklung des Kindes zu erwarten ist. Dazu ist meist die Versorgung mit einem oder zwei Hörgeräten nötig, manchmal auch eine Operation des Mittelohrs oder eine Versorgung mit einem Cochlea-Implantat (elektronischeInnenohr-Prothese) und eine Frühförderung des Hörens. All diese Behandlungen sind umso wirksamer, je früher sie erfolgen.

Hier können Sie den Informationsflyer downloaden

Neugeborenen-Hörscreening (Flyer)