innovative operative Techniken

Innovationen

1. DaVinci X-System

Die in Aue verfügbare X-Generation des DaVinci-Operationssystems bietet langjährig erprobte Technik auf dem neuesten Entwicklungsstand. Vergleichbar mit der an der Klinik bereits seit 15 Jahren etablierten 2D- und 3D-Laparoskopie werden auch mit dem DaVinci-System alle Instrumente über kleinste Zugänge in den Bauchraum geführt: Die entscheidende Innovation der DaVinci-Technologie besteht darin, dass die Handbewegungen des Operateurs mit höchster Präzision, völlig zitterfrei, in allen Freiheitsgraden und unter 10-facher 3D-Vergrößerung an die OP-Instrumente weitergegeben werden. Nervschonung und Tumorentfernung können so sicherer und effizienter erfolgen.

Wir nutzen das DaVinci-Verfahren für:

  • die Prostatektomie bei Prostatakrebs:hier führt die hohe Präzision zu besseren funktionellen Ergebnissen bezüglich Kontinenz und Potenz.
  • die Nierentumorentfernung: mit dem DaVinci-System können dank der o.g. Präzision und 10-facher optischer Vergrößerung unter 3D-Bedingungen nahezu alle Nierentumoren, auch größere und tief in die Niere reichende Befunde unter Erhalt der Niere entfernt werden.
  • die Harnblasenentfernung bei Harnblasenkrebs: der Patient profitiert hier neben dem nicht notwendigen Bauchschnitt insbesondere von der Möglichkeit, Darmersatzblasen an Ort und Stelle in der Bauchhöhle zu formen.
  • die rekonstruktive Urologie: hier stehen viele unterschiedliche Eingriffe an Harnblase, Harnleiter und Nierenbecken im Vordergrund, wie z.B. der Ersatz eines erkrankten Harnleiters mit Dünndarmsegmenten.

2. 3D-Laparoskopie

Seit Anfang 2014 verfügen wir über modernste 3D-Technik für die Laparoskopie. Unser Spektrum hat dadurch – obgleich es bereits die gesamte Palette urologischer Laparoskopie umfasste – gewonnen. Insbesondere komplizierte Nierenteilresektionen und die subtile Präparation bei der radikalen Prostatektomie einschließlich des Nerverhaltes können durch diese Innovation deutlich optimiert und die Indikation zum laparoskopischen Operieren erweitert werden.

3. Transurethrale, bipolare Enukleation der Prostata und Rezum®-Therapie (transurethrale konvektive Wasserdampfablation)

Bis 2014 erfolgte die offene Adenomektomie bei einer Vergrößerung der Prostata mit einem Volumen von ca. 100 ml und mehr. Mit der transurethralen bipolaren Enukleation ist es möglich, derartige Vergrößerungen der Vorsteherdrüse auch über die Harnröhre zu entfernen. Das vergrößerte Drüsenlappen wird über die Harnröhre zunächst in der Prostataloge ausgeschält, in die Harnblase geschoben und dort in so kleine Fragmente zerkleinert (morcelliert), dass eine Entfernung dieser Drüsenanteile über die Harnröhre ermöglicht wird. Dies erspart dem Patienten die offene Operation. Komplikationen wie Nachblutung und Transfusion sind deutlich seltener. Der Krankenhausaufenthalt reduziert sich um die Hälfte. Auch Patienten, die eine Antikoagulation erhalten, können mit dieser Methode operiert werden.
Bei hochbetagten und/oder Risikopatienten bzw. Patienten, die unter Antikoagulation stehen, ist die transurethrale, konvektive Wasserdampfablation (Rezum®-Therapie) seit Januar 2018 an der Klinik verfügbar und stellt für dieses Patientenklientel eine elegante Alternativen zu den etablierten Standardverfahren dar.
Dieser Eingriff dauert kaum länger als 10 min und zielt auf Katheterfreiheit ab.

4. Laparoskopische Nieren-Lebendspende und Autotransplantation

Bei Patienten mit Ureterstrikturen und funktionsfähiger Niere ist gelegentlich ein rekonstruktiver Ureterersatz notwendig. In Einzelfällen, zum Beispiel nach ausgedehnter Radiatio oder multiplen Voroperationen ist die Verwendung von Dünndarm zur Ureterrekonstruktion nicht möglich. In diesen Fällen kann eine laparoskopische Nephrektomie der betreffenden Seite mit anschließender Autotransplantation der Niere in die Fossa iliaca erfolgen. Analog zur Nierenlebendspende bei Dialysepatienten wird die Niere sofort nach handassistierter Entnahme aus dem Situs gekühlt, perfundiert und präpariert. Die anschließende Autotransplantation erfolgt über den Bergeschnitt nach Kaltperfusion in die Fossa iliaca mit Anastomosierung der Nierengefäße (in der Regel an die Arteria und Vena iliaca externa) sowie Ureterozystoneostomie.

5. Laparoskopische Entfernung von Uretersteinen, Nierenbecken- und
-kelchsteinen

Insbesondere bei hoher Steinlast und dem Vorliegen mehrerer/zusätzlicher Nierenkelchsteine bietet der direkte Zugang zum Nierenbecken per Schlüsselloch-Technik – kombiniert mit der intraoperativen flexiblen Endoskopie - Vorteile gegenüber dem Standard-Verfahren: der perkutanen Nephrolitholapaxie (PNL).

6. Anlage eines reno-vesikalen Bypasses (Detour) und Alliumstent-Implantation

Ureterstrikturen entstehen auf der Basis unterschiedlicher Erkrankungen. Die resultierenden Harnabflussstörungen führen unbehandelt zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion. Zur Therapie stehen etablierte operative Ureterersatzmethoden (Ileum-Harnleiter-Interponate) und andere rekonstruktive Operationsverfahren zur Verfügung. Ureterstents oder perkutane Nephrostomien kommen zur Anwendung, wenn Kontraindikationen für eine operative Korrektur vorliegen. Diese Harnableitungen können durch ihre Nebenwirkungen die Lebensqualität  teilweise und soziale Kompetenz der Patienten einschränken.

Alternativ dazu bietet unsere Klinik die Implantation eines Alliumstents (permanente innere Schienung) oder den Einsatz einer subkutanen Harnleiterprothese (renovesikaler Bypass, Detour-Prothese) unter kurativer und palliativer Intention an. Das Detour-System, bestehend aus einem inneren Silikonschlauch mit offenporiger Dacronummantelung, wird unter die Haut als sogenannter pyelovesikaler Bypass dauerhaft implantiert. Beide Techniken haben sich als risikoarm mit einem gut beherrschbaren Komplikationsprofil erwiesen.

7. Laparoskopische Eingriffe bei Kindern

Die hohe örtliche Auflösung moderner 3D-HD-Kameras bietet besondere Vorteile in einem vergleichsweise kleinen Operationsfeld – unter völliger Vermeidung größerer Hautschnitte. Davon profitieren auch unsere kleinen Patienten.
Schlüsselloch-Eingriffe kommen bei Kindern standardmäßig bei

  • der operativen Behandlung der Ureterabgangsstenose,
  • Anti-Reflux-Operationen (intraversikale Technik nach Cohen),
  • der vollständigen Nierenentfernung,
  • der Nierenteilresektion,
  • der Varikozelen-Operation,
  • der Suche nach einem Bauchhoden und
  • der Orchidopexie (Peeping testis)

zur Anwendung.
Bei der Behandlung des vesiko-ureteralen Refluxes wird anhand verschiedener Parameter zwischen offenem oder laparoskopischem Eingriff entschieden.