Tuberkulose (TBC)

Eigentlich dachten wir, in Deutschland sei die Tuberkulose, im Volksmund auch Schwindsucht genannt, kein Thema mehr. Oder wenn, dann eines für die Geschichtsbücher. Doch in den letzten zwei Jahren trat die Infektionskrankheit wieder häufiger in Erscheinung. Wir beantworten die häufigsten Fragen.

Tuberkulose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die hauptsächlich die Lunge befällt. In Deutschland ist die Häufigkeit der Tuberkulose sehr gering (5-6 Erkrankte /100.000 Einwohner). Es gibt auch kaum Tuberkulose-Fälle, die auf Medikamente schlecht reagieren. Dies ist eher in Osteuropa und Südafrika der Fall.

Die Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit, die durch den Erreger Mycobacterium tuberculosis (Tuberkulosebakterie) hervorgerufen wird. Bei der offenen (infektiösen) Lungentuberkulose haben die Tuberkulosebakterien Anschluss an die Atemwege. Der beim Husten produzierte Auswurf (Sekret aus der Lunge heißt "Sputum") enthält dann infektiöse Tuberkulosebakterien.

Die Erkrankung muss so weit fortgeschritten sein, dass eine Verbindung zwischen infiziertem Gewebe und der Außenwelt besteht – eine sogenannte "offene Tuberkulose". Erkrankte, bei denen diese Verbindung zur Außenwelt nicht besteht, scheiden keine Erreger aus und gelten daher als nicht infektiös ("geschlossen"). Der häufigste Infektionsweg ist die Übertragung durch die Luft, durch feinste erregerhaltige Tröpfchenkerne.

Ansteckend sind Patienten mit einer offenen Lungentuberkulose im Grunde, solange sie vermehrungsfähige Erreger mit dem Husten ausscheiden und diese im Auswurf nachweisbar sind. Doch hier gelten unterschiedliche Abstufungen der Ansteckungsfähigkeit, die von der Anzahl der Bakterien im Sputum und der Hustenneigung des Patienten abhängen. Liegt bei einem ersten Sputum-Schnelltest bei der mikroskopischen Untersuchung mehrmals kein positiver Befund vor, ist die Ansteckungsgefahr sehr gering. Bei der Einnahme von wirksamen Medikamenten endet die "infektiöse Zeit" meist nach 2 bis 3 Wochen. Nur selten dauert sie länger an. Von jedem Auswurf bei Patienten mit Tuberkulose-Verdacht werden sogenannte Kulturen angefertigt, die nach 4 Wochen darauf untersucht werden, welche Unterart der TBC-Bakterien gewachsen ist und auf welche Medikamente diese Bakterien reagieren. Tuberkulose-Bakterien wachsen sehr langsam und brauchen für ihre Vermehrung 4 Wochen Zeit.

Eine Tuberkuloseerkrankung ist am häufigsten an einem lang andauernden Husten zu erkennen, der länger als drei Wochen andauert. Dieser sollte auf jeden Fall von einem Arzt abgeklärt werden. Häufig zeigen sich aber auch nur uncharakteristische Beschwerden, etwa Leistungsschwäche, ein eingeschränktes Allgemeinbefinden, Gewichtsabnahme, Nachtschweiß, leichtes Fieber, Müdigkeit oder/und Symptome eines grippalen Infektes. Bei Verdacht auf Kontakt mit einem erkrankten Menschen sollte ein Arzt konsultiert werden.

Eine Tuberkuloseerkrankung ist heutzutage medikamentös gut behandelbar. Die Therapie erfolgt nach den Leitlinien des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK) und dauert sechs bis neun Monate. Die Therapie wird immer stationär begonnen und ambulant beendet. Um die Tuberkulosebakterien vollständig abzutöten, ist eine Therapie mit drei bis vier verschiedenen Medikamenten über einen Zeitraum von mehreren Monaten erforderlich. Auch wenn der Patient sich kurze Zeit nach Beginn der Therapie schon viel besser fühlt, ist es unbedingt erforderlich, dass alle verordneten Medikamente konsequent täglich und ausreichend lange eingenommen werden,
um zu verhindern, dass die Erkrankung wieder ausbricht. Ohne optimale Mitarbeit des Patienten nutzen die besten Medikamente gegen Tuberkulose nichts.

Einen festgelegten Zeitraum bis zur Entlassung gibt es nicht. Grundsätzlich werden alle Patienten, bei denen eine offene Tuberkulose diagnostiziert wird, stationär aufgenommen und isoliert. Entlassen werden sie dann, wenn die stationäre Behandlung nicht mehr erforderlich und eine adäquate ambulante Therapie gewährleistet ist. Über die Entlassung aus der stationären Behandlung entscheiden vor allem klinische Kriterien: Entzündungswerte, Besserung des Hustens, der Auswurfbefund, Röntgenbilder, Allgemeinzustand des Patienten, Verträglichkeit der Therapie und Gewissheit einer ambulanten Weiterversorgung. Auch hier gelten die Leitlinien des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK). Kranke Personen mit bakterieninfiziertem und somit ansteckendem Schleimauswurf werden zu Beginn der Behandlung im Krankenhaus isoliert, und zwar so lange, bis der Auswurf mikroskopisch wiederholt keine Keime mehr enthält. Kranke Personen, die nur an einer leichten Tuberkulose leiden und deren Auswurf mikroskopisch keine Bakterien enthält, oder solche, die an Tuberkulose auf einem anderen Organ leiden, werden nur im Krankenhaus behandelt, wenn ihr Zustand dies aufgrund anderer Krankheiten oder infolge einer schweren Tuberkuloseform erfordert.

Nachdem sich der Zustand des Patienten verbessert und die Keimzahl abgenommen hat, erfolgt die weitere Behandlung ambulant. Ob ein Patient entlassen werden kann und wie die weitere ambulante Behandlung aussieht, erfolgt in jedem einzelnen Fall in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt. Genauso entscheidet das Gesundheitsamt über die anschließenden Vorsichts- und Isolierungsmaßnahmen. Nach einigen Behandlungswochen können die meisten Erkrankten ihre berufliche Tätigkeit und ihre Freizeitbeschäftigung wieder aufnehmen, ohne andere Personen zu gefährden.