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Den Schulstart entspannt erleben

Den Schulstart entspannt erleben

Für unzählige Kinder beginnt mit der anstehenden Einschulung ein neuer sensibler Lebensabschnitt. Während unsere Abc-Schützen diesen Meilenstein voller Vorfreude und Spannung erwarten, sind manche von ihnen trotzdem deutlich angespannt und entwickeln möglicherweise Ängste. Für den Schulstart hält Diplom-Psychologe Markus Lange vom Helios Klinikum Aue deshalb wichtige Tipps parat.

Die heutige Gesellschaft sieht in einem guten und möglichst qualitativ hohen Schulabschluss die Voraussetzung für ein erfolgreiches und glückliches Leben. „Aus diesem Grund sorgen sich viele Eltern um die Zukunft ihrer Kinder und bauen ungewollt Druck auf“, erklärt der Diplom-Psychologe das Dilemma. „Die Eltern wollen das Beste für ihre Kinder und vergessen manchmal, dass langfristig nur diejenige/derjenige erfolgreich sein kann, die/der bei dem, was sie/er tut, Freude verspürt – das gilt auch schon für unsere Kleinsten.“ Seine Erfahrung zeigt: Oftmals werden bereits Erstklässler so unter Druck gesetzt, dass Lernblockaden entstehen können. Die damit verbundenen Überforderungen hindern die Kinder daran, ihr wahres Leistungsvermögen abzurufen. Der Experte gibt Eltern deshalb fünf Tipps, wie sie ihren Kindern dabei helfen können, nicht nur den Schulstart, sondern auch den weiteren Verlauf der Schulzeit erfolgreich und entspannt zu meistern.

Tipp 1: Den Rücken stärken

Die Einschulung ist ein einschneidendes und sensibles Erlebnis für die jungen Schulanfänger. Sie begegnen vielen unbekannten und damit neuen Situationen und Menschen. Zudem erfolgt ihre Beurteilung das erste Mal ausschließlich aufgrund ihrer Leistung. Außerdem müssen die Kinder ohne ihre Eltern den Schulunterricht absolvieren. Auch wenn Eltern ihre Kinder in allem unterstützen wollen, benötigen diese Freiräume, um neue Erfahrungen zu sammeln, um ihre Selbständigkeit zu fordern und zu fördern und um ein gesundes Selbstvertrauen aufbauen zu können. Dies bedeutet, dem Nachwuchs die Gelegenheit zu geben, Aufgaben ohne voreilige Hilfe zu erledigen, auch wenn er dabei manchmal scheitert. Diese Erfahrungen sind normal und notwendig. Wichtig dabei ist, dass die Eltern ihren Kindern den Rücken stärken, ihnen Mut machen und die nächste Herausforderung positiv in Angriff nehmen. Nur so kann sich ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln.

Tipp 2: Das Lernen lernen

In der Schule lernen Kinder lesen, rechnen und schreiben. Schulfächer wie „Lern- und Organisationstechniken“, „Das Lernen einer gesunden sozialen Interaktion“ gibt es (noch) nicht auf dem Stundenplan. Dabei profitieren junge Menschen ihr ganzes Leben davon, zu wissen, wie man leichter, schneller und effektiver lernt und sozial interagiert. Ständig werden wir mit neuen Eindrücken konfrontiert, bei denen wir entscheiden müssen, was ist momentan das Wesentliche und worauf kommt es beim Lernen an? Dadurch sind manche wiederum stärker abgelenkt als andere und es fällt ihnen schwer, sich auf den wesentlichen Lernstoff zu konzentrieren. Auch macht es beispielsweise Sinn, den Lernstoff in Portionen aufzuteilen und abschnittweise zu bearbeiten (die sogenannte „Salamischeibentechnik“, bei der eine Scheibe nach der anderen angegangen wird). Dann lernt es sich möglicherweise etwas entspannter, es stellen sich kleine Etappensiege ein, welche wiederum motivieren und positiv stimmen.

Tipp 3: Lern- und Freizeit in gesunde Waage bringenJeder weiß, dass mit Beginn der Schulzeit auch mehr Verpflichtungen auf die Kinder (und Eltern) zukommen. Sie müssen Hausaufgaben erledigen, lesen, schreiben und rechnen üben. Eltern sollten sich jedoch bewusstmachen, dass jede und jeder auch Zeit für Freizeit und Spaß benötigt. Deshalb empfiehlt sich eine klare Zeiteinteilung. Am Nachmittag sollten Familien feste Zeiten für Hausaufgaben, aber auch für „freie Zeit“ einplanen, welche die Kinder mit gutem Gewissen nutzen dürfen. Kinder und auch Erwachsene benötigen unbedingt einen Ausgleich. Pausen helfen dabei, sich besser zu entspannen. Auf diese Art und Weise verliert man weniger schnell die Lust am Lernen und kann dadurch wiederum besser auf sein Leistungsvermögen zugreifen.

Die o.g. „freien Zeiten“ fördern auch die Kreativität

, weiß der Phsychologe.

Tipp 4: Positiv über Schule sprechen

Alle kennen den Ausspruch: „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens.“ Im Zusammenhang mit der Einschulung sollten Eltern und Familienmitglieder diesen Satz unbedingt vermeiden, rät Lange. Kinder sind von Natur aus neugierig und haben Spaß daran, neue Sachen auszuprobieren und zu lernen. Der Spaß und die Freude sollten bei allem „Alltagsernst“ erhalten bleiben. Im Sinn des psychologischen Phänomens einer „self fulfilling prophecy“ (eine sich selbst erfüllende Vorhersage nach dem Motto:  Wenn man nur lang genug davon spricht, erfüllt sich diese…“), sollte sich zuerst auf das Positive konzentriert und darüber gesprochen werden, was schön an der Schule war und ist. Danach darf gern auch konstruktive Kritik angebracht werden. Dies gilt natürlich über den Schulalltag hinaus.

Tipp 5: Aus Misserfolgen lernen

Schnell stellt sich Enttäuschung ein, wenn Schulkinder in einer Klassenarbeit nicht wie erwartet abschneiden. Nicht nur, dass sie selber traurig sind und sich schämen, auch Eltern neigen dazu, ihrer Enttäuschung Ausdruck zu verleihen (dreifache Bestrafung: schlechte Note, Ärger über die eigene Leistung, Ärger der Eltern). Sie erheben Vorwürfe und fordern für das nächste Mal bessere Leistungen (natürlich stets mit dem Hintergrund, das Beste für ihre Kinder zu wollen). Spätestens vor dem Übergang auf eine weiterführende Schule wächst der Druck auf die Grundschüler so manchmal ins Unermessliche. Dabei vergessen Eltern oft, dass auch Niederlagen zum Leben gehören. Eine schlechte Note stellt keinen Beinbruch dar und kann passieren, so der Psychologe. Der adäquate Umgang mit Misserfolgen zählt zu den wertvollsten kindlichen Erfahrungen. Sowohl Mütter und Väter als auch Kinder müssen eine gesunde Einstellung zu Leistungen aufbauen und regelmäßig die eigenen Erwartungen überprüfen. Niemand kann überall perfekt sein. Darum sollten die Eltern Stärken fördern und ihre Kinder ermutigen, niemals aufzugeben.