Corona-Virus

Wichtige Informationen des Klinikums finden Sie hier

Impfdurchbrüche und Boosterimpfungen - "Geimpfte haben einen zehnmal besseren Schutz"
Interview

Impfdurchbrüche und Boosterimpfungen - "Geimpfte haben einen zehnmal besseren Schutz"

Aue

Das Thema Corona-Impfung steht nach wie vor im Fokus der Bevölkerung. Wir sprachen mit Chefarzt Dr. Thomas Ketteler über Impfdurchbrüche und Boosterimpfungen:

Herr Chefarzt, die Fallzahlen steigen, trotz einer Impfquote von immerhin 57%  im Freistaat Sachsen. Und immer wieder wird in diesem Zusammenhang von vielen Impfdurchbrüchen in den Kliniken berichtet, während die Ärzte weiterhin von einer hohen Effektivität der Impfung sprechen. Was stimmt denn nun?

Grundsätzlich gilt: Die Impfstoffe, die wir momentan haben, sind weiterhin sehr effektiv. Wir haben im Durchschnitt eine weit über 80-prozentige Impfeffektivität, sprich einen Schutz vor Erkrankung, Schutz vor Krankenhausbehandlung, Schutz vor einer intensivmedizinischen Behandlung und vor allem auch Schutz vor dem Tod. Wir stellen aber natürlich fest, dass diese Impfeffektivität mit dem Abstand zur Impfung abnimmt. Gleichzeitig hatten wir im Laufe des Jahres einen Erregerwechsel: während wir zu Beginn des Jahres mit der Alpha-Variante zu tun hatten, ist es nun vorrangig die Delta-Variante, welche in ihren Oberflächeneigenschaften etwas abweicht von der Alpha Variante. Damit passen die Antikörper, welche auf den Impfstoff gebildet worden sind, nicht mehr hundertprozentig. Dies ist eine Begründung für die Impfdurchbrüche.

Gibt es noch weitere Gründe?

Ja. Mit zunehmendem Abstand von der Grundimmunisierung nimmt der Impfschutz langsam ab. Davon sind insbesondere ältere Menschen betroffen. Und das ist genau die Altersgruppe, welche wir als erstes geimpft haben, bei denen also aktuell der zeitliche Abstand zur Impfung am größten ist. Auch bei Menschen, welche eine immunsupprimierende Therapie erhalten oder die aufgrund einer chronischen Grunderkrankung immunsupprimiert sind, nimmt der Impfschutz schneller und deutlicher ab. In diesen Fällen ist eine Auffrisch-Impfung nach 3 bis 6 Monaten dringend empfohlen.

Sind die Impfdurchbrüche maßgeblich für die aktuellen Fallzahlen?

Nein. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die wir in Sachsen derzeit verzeichnen, liegt momentan im Durchschnitt bei ca. 400 (Stand 8.11.). Wenn wir aber aufsplitten in geimpft und ungeimpft, sehen wir eine Inzidenz von fast 900 (Stand 8.11.) bei den Ungeimpften,  wohingegen sie bei den Geimpften nur etwa 90 beträgt (Stand 8.11.). Die Geimpften haben also einen zehnmal besseren Schutz vor einer Infektion als die Ungeimpften. Leider liegt die Impfquote im Erzgebirgskreis nur bei knapp 44%, so dass sich das Virus unter den Ungeimpften immer weiter verbreitet und dann natürlich auch auf die nachlassende Immunität der frühzeitig Geimpften trifft. Dies zeigt deutlich, dass wir die Pandemie nur durchbrechen, wenn wir eine hohe Impfquote erreichen.

Das Klinikum bietet wieder Impftermine an. Wer sollte sich impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt aktuell eine Impfung für alle ab 12 Jahren. Mit Blick auf die hohen Inzidenzen vor allem im Bereich der Jugendlichen ist das wichtig und richtig. Auch den Schwangeren, die sich oftmals gegen die Impfung entscheiden, wird eine Impfung dringend empfohlen, da es bei Covid-Erkrankungen in der Schwangerschaft zu schweren Komplikationen bei Mutter und Ungeborenem Kind kommen kann. Die im Internet immer wieder geschürte Angst vor Unfruchtbarkeit und Schwangerschaftskomplikationen ist absolut unbegründet.

Und wer sollte zu einer Auffrisch-Impfung kommen?

Da müssen wir verschiedene Gruppen unterscheiden. Die aktuellen Erkenntnisse zeigen, dass Personen, die mit den Wirkstoffen von Johnson & Johnson oder mit Astra Zeneca bzw. Vaxzevria, sog. Vektorimpfstoffen, geimpft wurden, bereits nach 4-12 Wochen eine Boosterimpfung mit einem mRNA-Impfstoff erhalten sollten. Alle anderen Personen ab 18, welche mit einem mRNA-Wirkstoff grundimmunisiert wurden, können eine Auffrisch-Impfung 6 Monate nach der zweiten Impfdosis erhalten. Eine Ausnahme bilden die Risikogruppen, also ältere und immunkompromittierte Personen. Dort ist eine Boosterimpfung auch schon früher möglich.

Impftermine

Samstag, 6. November 2021, 9 - 15 Uhr

Samstag, 20. November 2021, 9 - 15 Uhr

Samstag, 4. Dezember 2021, 9 - 15 Uhr

Samstag, 18. Dezember 2021, 9-15 Uhr

Bitte mitbringen

  • Krankenkassenkarte
  • Impfausweis
  • ausgefüllte Anamnese / Einwilligung und Aufklärung (download siehe unten)

Fotocredit: adobestock / Fokussiert