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Schmerztherapie

Psychotherapie bei chronischen Schmerzerkrankungen

Psychotherapie bei chronischen Schmerzerkrankungen

Schmerzpsychotherapie besteht darin, mit den Patienten ein bio-psycho-soziales Störungsverständnis der chronischen Schmerzen zu erarbeiten und konkrete Ansatzpunkte für Veränderungen daraus abzuleiten.

Allein in Deutschland leiden über 10 Millionen Menschen unter chronischen oder immer wiederkehrenden Schmerzen. Viele von ihnen haben im Verlauf der Erkrankung bereits zahlreiche oftmals wenig erfolgreiche Behandlungsversuche unternommen. Dies liegt daran, dass chronische Schmerzen ein komplexes, vielschichtiges Krankheitsbild darstellen, bei dem neben den biologischen Ursachen der Schmerzen auch psychologische und soziale Einflussfaktoren berücksichtigt werden müssen.

Ein zentrales Ziel der Schmerzpsychotherapie besteht darin, mit den Patienten ein bio-psycho-soziales Störungsverständnis der chronischen Schmerzen zu erarbeiten und konkrete Ansatzpunkte für Veränderungen daraus abzuleiten. Viele Patienten mit chronischen Schmerzen leiden unter ausgeprägten körperbezogenen Ängsten, ziehen sich zurück aus Aktivitäten und geraten in einen Teufelskreis aus Aktivitätsmangel, körperlicher Dekonditionierung und Schmerzverstärkung. Auf der anderen Seite neigen manche Patienten zu unangemessenem Durchhalteverhalten, ignorieren ihre Belastungs- und Schmerzgrenzen und vernachlässigen eine hinreichende Selbstfürsorge. Die Schmerzpsychotherapie versucht, solche schmerzfördernden, häufig lange bestehenden Verhaltensmuster vor dem Hintergrund der individuellen Biografie zu identifizieren und zu modifizieren.

Ein Teil der Patienten mit chronischen Schmerzen erlebt gravierende Beeinträchtigungen in den sozialen Beziehungen. Aufgrund der langjährigen Erkrankung machen Schmerzpatienten nicht selten negative soziale Erfahrungen, treffen auf Unverständnis und Ablehnung seitens der Familie und Freunde. Auch die Interaktion mit Behandlern kann aufgrund erfolgloser Therapieversuche von Misstrauen oder Schamgefühlen geprägt sein. Die Schmerzpsychotherapie möchte Patienten darin unterstützen, problematische Interaktionsmuster zu verbessern, um sozialen Verletzungen vorzubeugen. Ziel ist es, die Autonomie der Patienten gegenüber dem sozialen Umfeld und auch gegenüber dem medizinischen Versorgungssystem zu fördern.

Patienten mit chronischen Schmerzen entwickeln mitunter depressive Symptome, Hoffnungslosigkeit und Resignation, da die Schmerzerkrankung die Alltagsgestaltung erschwert und manche Pläne zunichtemachen kann. Psychologische Schmerztherapie setzt hier an, um eine Anpassung an das Leben mit der körperlichen Behinderung zu erleichtern und neue Perspektiven zu entwickeln. Patienten werden darin unterstützt, zu akzeptieren, dass der Schmerz in manchen Fällen nicht „besiegt“ werden kann. Statt in einen frustrierenden Kampf gegen den Schmerz zu treten, werden mit den Patienten Wege gesucht, um mit den Schmerzen ein erfülltes Leben zu führen.  

Die Schmerzpsychotherapie bedient sich einer Reihe spezifischer, wissenschaftlich fundierter Methoden, die an die besonderen Bedürfnisse von Patienten mit chronischen Schmerzen angepasst sind. Unter anderem sind dies Methoden der Psychoedukation, der Verhaltensanalyse, der Schmerzbewältigung (z. B. Entspannungstechniken, Ablenkungsstrategien), der Selbstwahrnehmung (z. B. Achtsamkeit, Genusstraining, Biofeedback), der kognitiven Umstrukturierung schmerzfördernder Gedanken, der Exposition bei Ängsten, des Aktivitätenaufbaus sowie des Trainings sozialer Kompetenzen. Die Methoden kommen aufbauend auf einem individuellen Störungsmodell selektiv zum Einsatz.

Schmerzpsychotherapie hat sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr als effektive Behandlungsform neben medizinischen und körperbezogenen Therapien bei chronischen Schmerzen etabliert. Die Wirksamkeit psychotherapeutischer Interventionen sowohl in Bezug auf eine Schmerzlinderung als auch für eine Verbesserung der Lebensqualität ist mittlerweile wissenschaftlich gut belegt.