Antibiotika und Antimykotika

Clindamycin

Handelsnamen:

Soblin, Basocin (D), Clinda(A), Clinda-Saar (D), Clin-Sanorania (D), Dalacin (A, CH), Dentomycin (D), Jutaclin (D), Lnacine (A), Turimycin (D), Zindaclin (D,A)

Zulassung:

Orale und parenterale Applikation möglich. Zugelassen für die Behandlung von Infektionen, die durch sensible Erreger verursacht werden, z. B. Infektionen der Knochen und Gelenke, des HNO-Bereiches, des Zahn- und Kieferbereiches, der tiefen Atemwege, des Becken - und Bauchraums, der weiblichen Geschlechtsorgane, des Haut-und Weichgewebes, Scharlach, Septikämie und Endocarditis.

Wirkstoffgruppe:

Lincosamine (bakterostatisch durch Störung der Proteinbiosynthese, Hemmung der Pepityltransferase, bindet an die 50-S Untereinheit der Ribosomen) und hemmt in der Elongationsphase die Ausbildun der Peptidbindung, es wird halbsynthetisch aus dem Naturstoff Lincosamin gewonnen.

Indikationen:

Nachgewiesene oder klinisch typische Anaerobierinfektionen (Empyem, Lungenabszess, intraabdominelle Abszesse, Endometritis, Zahninfektionen, Parodontitis, Parodontalabszesse, Staphylokokkeninfektionen bei Penicillinallergie oder Penicillinresistenz, nekrotisierende Fasziitis durch Streptokokken sowie Aktinomykose, „toxicshock-syndrome“, orale Nachbehandlung bei Staphylokken bedingter Osteomyelitis, (insbesondere bei AIDS ), bei chloroqinresistenter Malaria und Babesiose in Kombination mit Chinin, bei Pneumocystispneumonie von AIDS-Patienten in Kombination mit Primaquin Endocarditisprophylase bei Patienten mit Penicillinallergie, abszedierende Pneumonie, Akne.

Clindamycin wirkt in üblicher Dosierung bakteriostatisch, hochdosiert auch bakterizid hauptsächlich gegen grampositive aerobe Keime, wie Streptokokken oder Staphylokokken, gegen Anaerobier, vor allem gram negative, sowie gegen Chlamydien. In Kombination mit Pyrimethamin ist es gegen Toxoplasma gondii wirksam.

Sensible Spezies:

Staphylokokken, Pneumokokken, Bacteroides fragilis, AStreptokokken (S. pyogenes), Streptokokkus viridans, Streptokokkus durans, Streptokokkus bovis, Corynebacterium diphtheriae, Gardnerella vaginalis, Milzbrandbazillen (bacilllus anthracis), Mykoplasma hominis, unter den Anaerobiern sind meist empfindlich Bacteroides, Fusobacterium und Actinomycesarten, anaerobe Streptokokke (Peptostreptokokken), anaerobe Staphylokokken C und die meisten Clostridium- perfringens Stämme, Plasmodien, Pneumocystis und Toxoplasmen, die bei ZNS-Erkrankungen von AIDS-Patienten genutzt werden.

Dosierungsempfehlungen:

Die Dosierung und Applikationsart sollen nach der Schwere der Infektion, dem Zustand des Patienten und der Empfindlichkeit
des Erregers bestimmt werden. Clindamycin [i.v./i.m. kann bei Kindern ab dem Alter von 1 Monat angewendet werden.

Parenterale Applikation
Clindamycin Injektionslösung: (i.m. oder i.v. Applikation):

Grad der Infektion

Erwachsene mg/die

Kinder mg/kg/die

Dosen/die

Schwere Infektion

1200-1800 mg

20-40 mg

2-4

Sehr schwer: Infektionen intraabdominal, Becken, Infektionen mit Komplikationen

2400-2700 mg

25-40 mg

2-4

Bei schweren oder lebensbedrohenden Infektionen, insbesondere bei Infektionen, bei denen Bacteroides fragilis, Peptococcus-Arten oder andere Clostridium-Arten als Clostridium perfringens nachgewiesen wurden oder Verdacht auf eine Beteiligung dieser Organismen besteht, kann die Dosierung weiter erhöht werden. Erwachsenen wurden intravenöse Dosen bis zu 4800 mg täglich verabreicht.

Die Applikation von mehr als 1200 mg in einer einmaligen einstündigen Infusion wird nicht empfohlen. Bei intramuskulärer (i.m.) Verabreichung soll Clindamycinphosphat unverdünnt angewendet werden. Intramuskuläre Einzelinjektionen von mehr als 600 mg werden nicht empfohlen.

Orale Applikation:
Für Kinder, die Kapseln noch nicht ganz schlucken können, sind Clindamycin Kapseln nicht geeignet.Da mit den Kapseln keine genau berechnete Dosierung in mg/kg verabreicht werden kann, ist es in bestimmten Fällen erforderlich, Clindamycin in einer anderen galenischen Form zu verwenden. Die Kapseln können unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Zur Verhinderung einer Oesophagitis sollen die Kapseln mit einem Glas Wasser eingenommen werden.

Dosierung bei akuter Streptokokken-Tonsillitis/Pharyngitis:
Bei Überempfindlichkeit auf Penicillin und Beta-Lactam- Antibiotika (Typ I Hypersensitivität) ist Clindamycin als Therapiealternative bei Kindern und Erwachsenen mit bestätigter bzw. vermuteter Streptokokken Pharyngitis in Betracht zu ziehen. Die Dosierung beträgt in diesem Fall zweimal täglich eine Kapsel Clindamycin 300 mg während 10 Tagen. Bei beta-hämolysierenden Streptokokken-infektionen sollte die Behandlung über mindestens 10 Tage fortgeführt werden.

Kombinationstherapien:
Gynäkologische Infektionen (Pelvic Inflammatory Diseases PID):

Clindamycin 900 mg i.v. alle 8 h zusammen mit einem intravenös verabreichten Antibiotikum mit gramnegativemaerobem Spektrum, z.B. Gentamycin 2,0 mg/kg gefolgt von 1,5 mg/kg alle 8 h. Nach mindestens 4 Tagen und frühestens 48 h nach Eintritt der Besserung wird mit oralem Clindamycin 450 mg alle 6 h bis zu einer Therapiedauer von total 10–14 Tagen weiterbehandelt.

Pneumocystis carinii Pneumonie bei Patienten mit AIDS:
Kombinationstherapie Clindamycin mit Primaquin: Clindamycin 600–900 mg i.v. alle 6 h oder 900 mg i.v. alle 8 h oder Clindamycin Kapseln 300–450 mg p.o. alle 6 h über 21 Tage. Primaquin: 15–30 mg p.o. einmal täglich über 21 Tage.

Toxoplasmose Enzephalitis bei Patienten mit AIDS:
Kombinationstherapie Clindamycin mit Pyrimethamin:

Clindamycin 600–1200 mg 4mal täglich oral (oder i.v.) zwei Wochen lang, Pyrimethamin: 25–75 mg 1mal täglich. Bei höherer Dosierung von Pyrimethamin sollte 10–20 mg Folsäure täglich zusätzlich eingenommen werden. Die Dauer der Therapie sollte insgesamt 8–10 Wochen betragen.

Spezielle Dosierungsempfehlungen
Kinder im Alter unter 1 Monat:

Für Säuglinge im ersten Lebensmonat liegen keine ausreichenden Daten vor. Eine Anwendung von Clindamycin in dieser Altersgruppe wird daher nicht empfohlen.

Ältere Patienten:
Eine Dosisanpassung in Abhängigkeit vom Alter ist vermutlich nicht erforderlich.

DANI:

Bei Niereninsuffizienz ist die Eliminationshalbwertzeit verlängert, eine Dosisreduktion ist aber bei leichter bis mäßig schwerer Einschränkung der Nierenfunktion nicht erforderlich. Bei Patienten mit schwerer NI oder Anurie sollte eine Überwachung der Plasmaspiegel erfolgen. Entsprechend dieser Ergebnisse können eine Dosisverringerung oder ein verlängertes Dosierungsintervall auf 8 oder gar 12 h notwendig werden. Clindamycin ist nicht dialysierbar.

Spiegelbestimmung:

Zielspiegel Tal: > 2 mg/l

Gewebegängigkeit:

Clindamycin ist gut gewebegängig, passiert die Plazentaschranke, und geht in die Muttermilch über. Es verteilt sich extra- und intrazellulär. Diffusion in den Liquorraum ist auch bei entzündeten Meningen unzureichend. Hohe Konzentrationen werden im Knochengewebe erreicht. Clindamycin wird bei oraler Aufnahme zu etwa 90 % resorbiert und zu 92-94 % an Plasmaproteine gebunden. Die Plasmahalbwertszeit beträgt 2,4 Stunden

Kontraindikationen:

In der Schwangerschaft und Stillzeit sollte Clindamycin nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung verabreicht.

Nebenwirkungen:

Häufig gastrointestinale Bschwerden (Diarrhoe,Übelkeit), selten bis zur pseudomembranösen Enterokolitis. Bei anhaltender Diarrhoe an Clostridium-dificile assoziierte Diarrhoe denken. Allergische Reaktionen, Hepatotoxizität: Transaminasen, selten cholestatischer Ikterus. Neuromuskuläre Blockade möglich.

Literatur:

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