Abwarten und Tee trinken

Abwarten und Tee trinken

Wir alle kennen diesen Ausspruch. Entstanden Mitte des 19. Jahrhunderts hat er längst Einzug in den alltäglichen Sprachgebrauch genommen. Zwar ist seine Herkunft nicht endgültig belegt. Doch es ist davon auszugehen, dass er sich ursprünglich an ungeduldige Kranke gerichtet hat. In diesem Beitrag beschäftigen wir uns einmal näher mit diesem Aufgussgetränk.

Strenggenommen – nach ISO-Norm 3720 – dürfen nur Blätter und Aufgüsse der Teepflanze als „Tee“ bezeichnet werden. Kräuter- und Früchtetees (so z. B. Ingwertee oder Brennnesseltee) werden als „teeähnliche Erzeugnisse“ geführt, da ihnen die anregende Wirkung des Koffeins fehlt. Doch egal aus welchen Blüten oder Blätter der Aufguss gemacht ist, gerade in der kalten Jahreszeit findet er viele Liebhaber unter uns.

Rückblick auf eine lange Geschichte

Historisch belegt ist die Geschichte des Tees seit rund 2.000 Jahren, glaubt man chinesischen Legenden so sind es sogar bereits 5.000 Jahre. Im 8. Jahrhundert v. Chr. war die Teesteuer schon die Haupteinnahmequelle Chinas. Von da an setzte der Tee seinen Weg um die ganze Welt fort. Im 16. Jahrhundert gehörte Tee zu den begehrten Gütern Ostindiens und wurde so nach Europa gebracht. Anfangs war er aufgrund der hohen Preise ein Getränk der Könige. So gilt Katharina von Braganza, von 1662 bis 1685 Gemahlin des englischen Königs, als Begründerin der Tea-Time in England.

Artenvielfalt

Soll der Tee auf seine ganz ursprüngliche Weise hergestellt werden, so müssen die frisch vom Strauch gepflückten Teeblätter in heißes Wasser gelegt werden. Da aber eben diese Blätter nicht sehr lange haltbar sind, wurde die gezielte Fermentation und Trocknung entwickelt. Mit dieser Lagerungsfähigkeit zog auch die Artenvielfalt ein. Je nach Grad der Oxidation werden vier traditionelle Formen unterschieden:

  • Grüner Tee – Es erfolgt keine gewollte Oxidation.
  • Weißer Tee – Er hat seinen Namen von den Härchen an der Blattunterseite der getrockneten Teeblättern, die ihm eine weiß-silberne Farbe geben. Es erfolgt keine gewollte Oxidation.
  • Oolong – Er wird teilweise oxidiert.
  • Schwarzer Tee (in Ostasien als Roter Tee bezeichnet) – Hier erfolgt eine komplette Oxidation.

Als weniger bekannt zählen:

  • Nachvergorener Tee (er wird in Asien als Schwarztee bezeichnet) Es handelt sich um einen ehemals grünen bis oolong-artigen Tee, der im Anschluss über einige Monate bis mehrere Jahre gereift ist.
  • Gelber Tee ist eine nur in China produzierte Spezialität. Er wird wie weißer Tee geerntet, erhält aber eine minimale Oxidation.

Jeder Teeart wiederum sind verschiedene Teesorten zugeordnet. Beim Kauf eines Tees ist auf der Verpackung neben der Teesorte auch die Blattgröße und das Aussehen der Blätter vermerkt. Je nach Abstufung gibt es dafür weltweit festgelegte Bezeichnungen.

Und um für jeden Liebhaber das passende Getränk anbieten zu können, finden mit diesen Grundsorten weitere Vermischungen und Verfeinerungen statt. So werden beispielsweise Grün- oder Schwarztee frische Blüten zugesetzt, um so aromatisierte Tees zu erhalten. Werden die Blätter beim Trocknen im Rauch von harzreichen Holz geräuchert, erhält man so genannte Rauchtees. Rösttees entstehen meist aus Grünem Tee, der bei hohen Temperaturen kurz in einer Pfanne geröstet wird.

Gemütlich und gesund

Egal ob „echter Tee“ oder teeähnliches Getränk: Tee verbreitet Wärme und Wohlbehagen. Gerade in der kalten Jahreszeit lieben wir ihn dafür. Außerdem ist er ein kalorienfreies Getränk, sofern er nicht mit Zucker, Honig oder Milch gemischt wird. Damit ist er neben Wasser eine gute Alternative, um den Körper mit der täglich benötigten Flüssigkeit zu versorgen.

Aber er kann noch mehr: Vor allem dem Schwarzen und Grünen Tee werden weitreichende gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben, wobei nicht alle hinreichend wissenschaftlich belegt sind.

  • Coffein: Freigesetzt aus dem Tee, fördert es die Gehirndurchblutung sowie den Gehirnstoffwechsel und steigert so die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit.
    Unser Tipp: Kaffee oder Tee? Entscheidet euch besser für den Tee – hier wirkt das Coffein zwar langsamer aber dafür länger.
  • Gerbstoffe: Sie wirken beruhigend auf Magen und Darm. Wichtig ist es dabei den Tee mindestens drei Minuten, aber nicht länger als 5 Minuten ziehen zu lassen. Vorher haben sich die Gerbstoffe noch nicht gelöst und danach überwiegen die bitteren Gerbstoffe, die den Tee dann im Geschmack beeinflussen.
  • Vitamin B1 und Thiamin: Sie wirken dem Stress entgegen.
  • Fluorid: Als wichtiges Spurenelement ist es u.a. für unsere Zähne wichtig.
  • Theophyllin: Unser Nervensystem und die Blutgefäße werden angeregt.
  • Mangan: Es senkt den Blutzuckerspiegel und begünstigt den Eiweißstoffwechsel sowie den Bindegewebsaufbau.
  • Epigallocatechingallat (vorrangig im Grünen Tee enthalten): Eine blutdrucksenkende und damit das Herz schützende sowie eine antimikrobielle Wirkung wurden bereits nachgewiesen. Zu einem vermuteten tumorhemmenden oder sogar –schützenden Effekt laufen noch immer verschiedene Studien.
  • Polyphenole: Sie tragen zum Hautschutz bei.

Darüber hinaus enthält Tee Inhaltsstoffe, wie Kalium, Eisen, Magnesium, Vitamine, Calcium, Jod und Zink, die unser Körper täglich benötigt.

Stressbewältigung

Viele von uns kennen ihn zur Genüge: den Stress. Hervorgerufen durch Job und/oder Familie kann er schnell auch zu körperlichen Beschwerden führen. Hier kann ein guter Tee uns einen Moment der Ruhe bieten. Nehmt euch die Zeit und probiert unser Rezept aus…

sleep

Rezept für etwas Ruhe

Zutaten (für 1 bis 2 Personen):
1 Wolldecke (zimmerwarm)
1 Lieblingsmusik
1 CD-Player (wahlweise auch MP3-Player oder Computer)
1 Tasse Tee
1 Handvoll Kekse (nach Bedarf auch zwei)

Die CD einlegen, den CD-Player einschalten und auf das Lieblingslied voreinstellen. Die Kuscheldecke gleichmäßig auf der Couch ausrollen. Anschließend niedersetzen und langsam in die Decke einwickeln. Die Musik einrieseln lassen, den Tee und die Kekse dazugeben und weiterhin so verweilen. Dauer: ungefähr 60 Minuten, bei Bedarf auch länger. Ab und zu wenden.
Hinweis: Auch für Allergiker geeignet. Für eine zuckerfreie Variante die Kekse durch Orangen ersetzen.

Tipps rund um den Tee:

Für die Aufbewahrung von Tee solltet ihr Folgendes immer beachten:

  • immer trocken aufbewahren
  • niemals unmittelbar neben stark riechenden Gewürzen oder Kaffee abstellen
  • immer luftdicht und kühl lagern
  • möglichst ohne Lichteinwirkung verstauen

Nutzt nur guten Tee.

  1. Verwendet etwa einen Teelöffel für jede Tasse; bei Blatt-Tees gehäuft, bei Broken-Tees gestrichen.
  2. Teekannen sollten aus Porzellan, Glas oder Ishing-Ton (kein Metall) bestehen. Am besten für das Aufgießen und Servieren zwei getrennte Kannen wählen und vorher mit heißem Wasser vorwärmen.
  3. Das Trinkwasser sollte frisch und kalt sein. Gießt es noch kochend über den Tee.
  4. Lasst den Tee abgedeckt bis zu 5 Minuten ziehen und siebt ihn dann durch.

Allen Teeliebhabern oder jetzt vielleicht „mal wieder Tee-Probierer“ geben wir ein dem mythischen Kaiser Shen Nung (2737-2697 v. Chr.) zugeschriebenes Zitat mit auf den Weg:

Der Tee weckt den guten Geist und die weisen Gedanken.
Er erfrischt Deinen Körper und beruhigt Dein Gemüt.
Bist Du niedergeschlagen, so wird Tee Dich ermutigen.

Zeilen, die auch gut in unsere Zeit passen. In diesem Sinne wünschen wir alle auch in diesem ungewöhnlichen Jahr eine schöne Weihnachtszeit.

gluehbirne

Schon gewusst?

Der größte Tee-Verbraucher ist die Türkei. Hier werden jährlich 2,7 Kilogramm pro Kopf aufgebrüht. Es folgen Brasilien und China. Das Vereinigte Königreich ist erst auf Platz 9 (1,19 Kg/Kopf/Jahr) zu finden.