Kinesiotape: den Schmerz einfach wegkleben

Kinesiotape: den Schmerz einfach wegkleben

Du suchst Informationen zum Thema Kinesiotape? Wir haben für dich eine informative Übersicht erstellt.

Früher waren es nur die Profifußballer welche mit bunten Pflasterstreifen an Oberschenkel oder Knie auf dem Platz standen. Heutzutage sieht man sie bei vielen Sportlern oder auch in alltäglichen physiotherapeutischen Praxen: Bunte Wellen auf Sportlerwaden, zweifarbig geklebte Kombinationen auf der Schulter und komplexe Taping-Muster auf dem Knie: Das Kinesiotape.

Tatsächlich sind die bunten Klebebänder aber schon über 30 Jahre alt: Auf der Suche nach einer natürlichen Schmerzlinderung entwickelte in den 1970er Jahren der japanische Arzt und Chiropraktiker Dr. Kenzo Kase das Taping. Mittlerweile wird das Taping in vielen Ländern erfolgreich verwendet.

Doch wie wirkt Kinesiotaping überhaupt, bei welchen Beschwerden helfen die Bänder? Kann man sich damit auch selbst behandeln? Steffi Klinger, Physiotherapeutin in der Helios Klinik Jerichower Land erklärt euch, was dran ist an den bunten Klebebändern auf Muskeln und Gelenken - und was man vor der Behandlung darüber wissen sollte.

Was ist Kinesiotape?

Das Kinesiotape ist ein spezielles, elastisches Klebeband und wird zur Unterstützung von Heilungsprozessen bei Sportverletzungen und Überlastungsreaktionen eingesetzt.

Durch das aufgeklebte Tape in Verbindung mit Bewegung erhält das Bindegewebe und die Muskulatur eine Art Dauermassage, bei der die Mikrozirkulation zwischen Haut und Muskeln verbessert wird.

Der körpereigene Heilungsprozess wird stimuliert, indem es Unterstützung und Stabilität bietet, ohne dabei die Beweglichkeit zu beeinflussen.

Bei welchen Beschwerden hilft der Tapeverband?

Die Anwendungsbereiche für das Kinesiotaping sind breit gefächert. Häufig begleitet oder unterstützt die Tapes eine Physiotherapie, osteopathische Behandlung oder physikalische Therapie. Die Tapes können immer dann eingesetzt werden, wenn bei Schmerzen Muskeln, Sehnen und Bänder im Spiel sind. Dies gilt insbesondere bei:

  • Sportverletzungen: Nach Muskelfaserrissen, Verstauchungen oder bei Überbelastung der Gelenke können Tapes die Heilung beschleunigen.
  • Sportbegleitend: Muskeln, Sehnen und Bänder werden bereits während dem Laufen, Schwimmen, Radfahren und anderen Bewegungsarten entlastet.
  • Narben: Tapes fördern die Durchblutung von Narben, welche durch Kaiserschnitt oder andere Operationen entstanden sind und schmerzen können.
  • Migräne und Kopfschmerzen: Schmerzen im Kopf kommen häufig durch muskuläre Verspannung und / oder Fehlspannungen im Bindegewebe, Tapes können eine Linderung bringen.
  • Menstruationsbeschwerden: Tapen kann dem Verkrampfungen der Muskulatur und des Gewebes können bei Menstruationsschmerzen entgegenwirken.
  • Arthrose: Durch Abnutzung des Gelenksknorpels (Arthrose) ausgelöste Schmerzen, zum Beispiel im Knie oder an der Hüfte, können durch Entlastung des Gelenks gemildert werden.
  • Verspannungen: Aufgrund einseitiger Belastung, z.B. in der Büroarbeit, verspannen sich Muskeln in der Halswirbelsäule, dem Schultergürtel und Rücken. Durch das Tape werden sie entspannt.
  • Sehnenscheidenentzündung: Entzündete Sehnen werden gestützt und besser durchblutet.
  • OP-Nachsorge: Blutergüsse oder Lymphödeme können sich mit Tapes schneller auflösen.

Welche Wirkung haben die Farben*?

Kinesiotape am Bein

Anders als häufig angenommen enthalten die verschieden farbigen Kinesiologie Tapes keine speziellen Wirkstoffe und haben auch keine unterschiedliche Stärke. Manche Therapeuten wählen die Farbe der Bänder passend für die zu behandelnden Beschwerden aus: So sollen nach der Farblehre rote und pinke Farbtöne vor allem aktivieren und die Durchblutung fördern, blaue Tapes dagegen könnten entzündungshemmend sein und Kühlung verschaffen. Viele Therapeuten empfehlen ihren Patienten, einfach die Farbe zu wählen, die sie am liebsten mögen und mit der sie sich am wohlsten fühlen, da die psychische Komponente beim Kinesiotape nicht zu unterschätzen ist.

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Was muss ich beim Tapen beachten?

Trotz vielfältiger Einsatzmöglichkeit dürfen Tapes nicht auf die Schleimhaut oder offene Wunden geklebt werden. Eine mögliche Schwellung könnte sich verstärken. Bei Hautirritationen sollten die Tapes sofort abgenommen werden. Die Rücksprache mit dem Arzt oder einer Hebamme ist vor der Eigenbehandlung empfohlen.

Anleitung für das Anlegen und Entfernen von Kinesiotapes

Kinesiotape richtig anbringen
  • Die Haut sollte sauber, trocken und frei von Creme, Öl und Haaren sein, damit der Kleber gut haftet.
  • Das Tape hält besser und länger wenn die Ecken des Tapes rund geschnitten werden.
  • Nach dem Anlegen müssen die Streifen gut festgestrichen werden, erst durch die Reibungswärme haftet der Kleber. Falten sollten vermieden werden.
  • Damit so viele „Convolutions“ (sichtbare Wellen des Tapes) wie möglich entstehen, sollte der Körper in eine Dehnungsposition gebracht werden und das Tape ohne Zug auf die Haut angebracht werden.
  • An empfindlichen Hautstellen wie der Kniekehle oder an der Innenseite des Arms die Streifen nur ungedehnt anbringen. Vorsicht ist auch bei Tapeanlagen an Hals, Fingern oder Zehen geboten, sie dürfen nicht einschnüren.
  • Wenn die Haut nach dem Anbringen unter der beklebten Stelle juckt, muss das Tape entfernt werden – dann reagiert die Haut allergisch auf die Kleber-Bestandteile.
  • In den ersten Tagen entfaltet das Kinesiotape seine größte Wirkung, danach verliert es nach und nach an Elastizität. Nach spätestens einer Woche sollte es entfernt werden. Das Tape lässt sich am besten ablösen, wenn es vorher nass gemacht wird. Die Streifen sollten nicht ruckartig, sondern langsam Stück für Stück gelöst werden, um die Haut nicht zu sehr zu strapazieren.