Badeunfälle: Vermeiden und Erste Hilfe

Badeunfälle: Vermeiden und Erste Hilfe

Gemeinsam geben Jörg Siegert, Kreisleiter der Wasserwacht Börde, Frank Siegert, Leiter des Fachdienstes Wasserrettung im DRK und Oberarzt Sebastian Massel aus der Helios Bördeklinik Antworten und Hinweise, damit es zu keiner Notsituation am Wasser kommt. Falls doch etwas passieren sollte, erklären wir dir, was zu tun ist.

Schon eine Badewanne oder das Planschbecken können für den Nachwuchs sehr gefährlich sein. Babys und Kleinkinder sollten nur in speziellen Badewannen baden und dabei auf keinen Fall allein gelassen werden. Erwachsene sollten ihre Kinder beim Baden und Planschen nie allein lassen.

„Bei Kleinkindern ist Ertrinken die zweithäufigste Todesursache nach Verkehrsunfällen!“

, weiß Oberarzt Sebastian Massel.

Ertrinken ist keine Frage der Wassertiefe

Jedes Jahr zur Sommerzeit häufen sich die Meldungen von Ertrinkungsunfällen. Allein 2020 verunglückten 378 Menschen. Kleinkinder sind bereits im flachen Wasser gefährdet, da sie meist noch nicht schwimmen können. Vertieft ins Spielen, geraten die Kleinen in tieferes Wasser oder fallen vom Ufer aus hinein. „Schon wenige Zentimeter Wassertiefe reichen dann aus, um zu ertrinken“, beton Jörg Siegert, Kreisleiter der Wasserwacht. Auch in Zier- und Gartenteichen, großen Pfützen, Regentonnen sind schon häufiger Kinder ertrunken. „Nur ein Moment der Achtlosigkeit kann fatale Folgen haben. Wenn der Kopf unter Wasser gerät, erschrickt es und atmet einfach weiter. Wasser gelangt ungeschützt in die Lunge. Es folgt der Hustenreflex, noch mehr Wasser gerät in die Lunge und der Körper sinkt weiter in die Tiefe sofern das Kind keine entsprechenden Hilfsmittel trägt - ein fatales Zusammenspiel“, erklärt Sebastian Massel.

Ertrinken ist keine Frage der Schwimmfähigkeiten

Auch ältere Kinder mit Jugend- bzw. Schwimmabzeichen können ohne weiteres ertrinken: beim Toben, wenn sie mit dem Kopf aufschlagen und benommen untergehen oder schlicht durch Entkräftung, wenn sie zu lange in tiefem Wasser gewesen sind.

„Eltern und Aufsichtspersonen muss auch klar sein, dass das „Seepferdchen" lediglich eine Anfängerstufe bezeichnet und nicht zum alleinigen Betreten des Wassers berechtigt“

, weist der Kreisleiter der Wasserwacht Börde hin.

Ertrinkende können nicht um Hilfe rufen

Um sprechen zu können, muss erst die Atmung sichergestellt sein. Da sich der Mund beim Ertrinken unter Wasser befindet und nur kurzzeitig auftaucht, ist die Zeit für Ausatmen, Einatmen und einen Hilferuf zu kurz.

Ertrinkende können nicht um Hilfe winken

Beim Ertrinken ist der Körper aufrecht im Wasser. „Die Arme werden instinktiv seitlich ausgestreckt und von oben auf die Wasseroberfläche gedrückt, um den Körper über Wasser zu halten. Eine bewusste Steuerung der Arme ist nicht möglich. Ertrinkende Kinder bewegen sich gar nicht – sie strampeln nicht, sondern sinken bewegungslos zu Boden wie ein Stein“, erklärt der Sebastian Massel, Oberarzt aus der Helios Bördeklinik.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

  • Das Kind sofort aus dem Wasser bergen!
  • Das Kind ansprechen und die Bewusstseinslage prüfen.
  • Sofort in eine Decke wickeln um die Körpertemperatur aufrecht zu erhalten und durchnässte Kleidung entfernen. Das Kind warmhalten und beruhigen.
  • Ist das Kind bewusstlos werden die Atemwege kontrolliert und sofort mit der Mund-zu –Mund-, bzw. Mund-zu-Nase-Beatmung (bei Babys) begonnen.  
  • Ist kein Puls tastbar, eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen.  
  • Notruf tätigen. 

Die Lebensretterformel: prüfen, rufen, drücken

Prüfe das Bewusstsein und die Atmung des Kindes. Erhältst du keine Reaktion und kannst keine Atmung feststellen, ist das Baby oder Kind bewusstlos. Rufe in diesem Fall sofort den Notruf 112. Lass dir wenn möglich von anderen helfen.

Beginne mit der Mund-zu –Mund-, bzw. Mund-zu-Nase-Beatmung (bei Babys).

Wenn du nach fünf Beatmungen kein Lebenszeichen wie Husten oder Abwehr beobachten, mache Sie mit der Herzdruckmassage weiter. Bei der Herzdruckmassage gibt es bei Babys und Kleinkindern Unterschiede. Hier gilt:

Drücke bei Babys leicht mit zwei Fingern das Brustbein circa ein Drittel bis zur Hälfte des Oberkörpers 15-mal und führe dann zwei- bis dreimal eine Beatmung durch.

Bei Kleinkindern und größeren Kindern drücke mit einer oder beiden Händen ein Drittel des Oberkörpers 15-mal. Anschließend beatme das Kind zweimal. Führe die Wiederbelebungsmaßnahmen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes durch.

Bei Erwachsenen

Defibrillatoren retten Leben. Ein kurzes Erläuterungsvideo zum Umgang vom Helios Herzzentrum Leipzig.

Beenden der Herz-Lungen-Wiederbelebung bei Säuglingen und Kleinkindern

Wenn

  • die Atmung wieder einsetzt (bei fortdauernder Bewusstlosigkeit muss der verletzte Säugling / das verletzte Kleinkind, sofern möglich, in die stabile Seitenlage gebracht werden).
  • der Rettungsdienst eintrifft und die Maßnahmen vor Ort ohne Unterbrechung übernimmt.
  • eindeutige Lebenszeichen feststellbar sind.

Lebenszeichen können sein:

  • Normale Atmung
  • Husten, Schlucken
  • Sonstige Bewegung des Betroffenen

Stabile Seitenlage bei Kindern

Schritt-für-Schritt Anleitung bei Kindern

Seitlich neben der Person knien. Beine des Betroffenen strecken. Den nahen Arm des Bewusstlosen angewinkelt nach oben legen, die Handinnenfläche zeigt dabei nach oben.

Arm am Handgelenk greifen und vor der Brust kreuzen, die Handoberfläche an die Wange des Bewusstlosen legen. Hand dabei nicht loslassen.

An den fernen Oberschenkel greifen und das Bein beugen.

Den Betroffenen zu sich herüberziehen. Das obenliegende Bein so ausrichten, dass der Oberschenkel im rechten Winkel zur Hüfte liegt.

Hals überstrecken, damit die Atemwege frei werden. Mund des Betroffenen leicht öffnen. Die an der Wange liegende Hand so ausrichten, dass der Hals überstreckt bleibt.

Auch in der stabilen Seitenlage musst du immer wieder das Bewusstsein, die Atmung kontrollieren. Achtet darauf, dass der Mund des Bewusstlosen als tiefster Punkt des Körpers erhalten und dass sein Kopf nackenwärts gebeugt bleibt.

Wichtig!

  • Kleinere Kinder sollten im Wasser nie unbeaufsichtigt sein!
  • Kinderunfälle sind oft vermeidbar. Besonders zu empfehlen ist es, wenn Eltern ihr Erste-Hilfe-Wissen regelmäßig wiederauffrischen. Das kann Leben retten!
  • Kinder, die im Wasser spielen, sind laut und machen Lärm – wird es still, sollte man schleunigst nachschauen, weshalb.
  • Für den Ertrinkungsunfall gilt, egal wie gering die Lebenszeichen nach dem Bergen des Patienten sind, es sollten immer Reanimationsmaßnahmen ergriffen werden bis der Notarzt eintrifft.
  • Kinder auf keinen Fall mit dem Kopf nach unten halten und schütteln um mögliches Wasser aus den Lungen zu bekommen!

Sekundäres Ertrinken

Ist das Kind mit dem Kopf aus dem Wasser gerettet, bei Bewusstsein und atmet, sollte es trotzdem ärztlich behandelt werden. Denn was viele Eltern nicht wissen: Ertrinken kann das Kind auch außerhalb des Wassers. Das in die Lunge eingedrungene Wasser kann auch noch Stunden später Komplikationen auslösen und zu schwerer Atemnot führen. Kinder, die nach einem Vorfall im Wasser auch nach einer beschwerdefreien Phase wieder anfangen zu husten, ungewöhnlich schnell atmen, teilnahmslos wirken, sehr müde sind oder deren Lippen sich verfärben, vielleicht sogar fiebern, sollten umgehend in eine kinderärztliche Notfallaufnahme gebracht werden.