Harnwegsinfekte bei Kindern: Symptome richtig deuten und behandeln

Harnwegsinfekte bei Kindern: Symptome richtig deuten und behandeln © Foto: surkova.photo

Wer kennt sie nicht, die klassischen Symptome einer Blasenentzündung, das schmerzende Brennen beim Wasserlassen und das unangenehme Gefühl, ständig auf die Toilette zu müssen, obwohl nichts kommt. Doch aufgepasst, bei Säuglingen und Kleinkindern äußert sich ein Harnwegsinfekt häufig anders. Warum das so ist und wie die Behandlung erfolgt, erklärt Dr. med. Beate Schwarz, Leitende Oberärztin in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Früh- und Neugeborenenmedizin im Helios Klinikum Bad Saarow.

Harnwegsinfekte zählen zu den häufigsten bakteriellen Infektionen im Kindesalter.

Größere Kinder leiden, ähnlich wie Erwachsene, unter einem häufigen Wasserlassen und gleichzeitigen Brennen. Bei Säuglingen und kleinen Kindern kann es allerdings sehr schwierig sein, die Symptome einer Harnwegsinfektion zu erkennen. Oftmals ist hohes Fieber das einzige Anzeichen, aber auch Erbrechen, Durchfall oder Trinkunlust können darauf hinweisen. Harnwegsinfekte sollten immer möglichst frühzeitig behandelt werden, damit sich die Entzündung nicht weiter ausdehnt.

Was ist eine Harnwegsinfektion?

Entzündungen im Bereich der Harnwege entstehen oft dadurch, dass Bakterien in die Harnröhre geraten. Bei einer Blasenentzündung (Zystitis) ist die Blasenschleimhaut besiedelt. Wandern die Bakterien von dort aus weiter in die Blase, den Harnleiter und das Nierenbecken, kann es zu einer Nierenbeckenentzündung und im schlimmsten Fall zur Schädigung der Nieren kommen.

Dr. med. Beate Schwarz, Leitende Oberärztin in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Früh- und Neugeborenenmedizin im Helios Klinikum Bad Saarow

Welche Symptome treten auf?

Kleinkinder (3-4 Jahre)

Erst ab einem Alter von drei bis vier Jahren können Kinder ihre Beschwerden genau lokalisieren und beschreiben. Die Anzeichen bei größeren Kindern sind meistens:

  • Schmerzen und ein brennendes Gefühl beim Wasserlassen
  • Häufiger Harndrang
  • Plötzliches Einnässen bei Kleinkindern, die schon längst trocken waren
  • Bauchschmerzen

 

Kleinere Kinder (1-2 Jahre)

Kleinere Kinder (unter zwei Jahren) können die Schmerzen noch nicht genau beschreiben und jucken sich manchmal zwischen den Beinen. Weitere Anzeichen sind:

  • Fieber
  • Appetitlosigkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen

Säuglinge

Bei Säuglingen kann es sehr schwierig sein, die Symptome richtig zu deuten:

  • Unklares, hohes Fieber
  • Erbrechen
  • Blässe
  • Trinkunlust/-Verweigerung
  • Unangenehmer Uringeruch
  • Trübung des Urins
  • Blut im Urin (bei einer fortgeschrittenen Blasenentzündung)

Wegen der unspezifischen Symptome wird häufig auch das Zahnen als Auslöser für die fieberhafte Erkrankung des Kindes vermutet.

Welche Ursache hat eine Blasenentzündung?

Bakterien, die eine Harnwegsinfektion verursachen, stammen meistens aus dem Darm. Es handelt sich also nicht um eine ansteckende Erkrankung. Mädchen sind häufiger betroffen, da bei ihnen die Harnröhre deutlich kürzer ist. Somit ist das Risiko größer, dass die Bakterien nach dem Gang zur Toilette in Richtung Harnröhre gewischt werden und sich von dort aus verbreiten. Aber auch bei vollen Windeln, die nicht regelmäßig gewechselt werden, können Darmbakterien in die Blase gelangen. Bei Jungen sind Harnwegsinfekte seltener. Hier sind meistens Fehlbildungen des Harnsystems die Ursache für einen Harnwegsinfekt.

herzerkrankungen

Wie erfolgt die Diagnose?

Besteht der Verdacht auf eine Harnwegsinfektion hilft nur eine Urinuntersuchung beim Kinderarzt. Dabei reicht bereits eine kleine Urinmenge aus. Kleiner Tipp, am besten gleich eine Urinprobe mit zum Kinderarzt nehmen.

Wie wird ein Harnwegsinfekt behandelt?

Kind mit Wärmeflasche

Bei einer leichten Blasenentzündung muss nicht zwingend sofort ein Antibiotikum verabreicht werden. Viel Wärme und Flüssigkeit können helfen, den Harnwegsinfekt in den Griff zu bekommen. Tritt jedoch nach kurzer Zeit keine Besserung ein, hilft nur ein Antibiotikum, da sich aus einer Blasenentzündung schnell eine Nierenbeckenentzündung entwickeln kann. Durch die Gabe wird die Ausbreitung der Bakterien verhindert. Die Symptome klingen dann oftmals innerhalb von zwei bis drei Tagen wieder ab. Für den Behandlungserfolg ist es wichtig, die verordnete Behandlungsdauer genau einzuhalten. Um letztendlich sicherzugehen, dass der Harnwegsinfekt überstanden ist, wird nach Abschluss der Behandlung eine weitere Urinuntersuchung durchgeführt.  

Klingen die Symptome nicht ab, werden weiterführende Untersuchungen notwendig. Mittels Ultraschall wird genau geschaut, ob die Blase und die Niere funktionstüchtig sind, ob ein sogenannter Reflux vorliegt (Rückfluss von Urin von der Blase in die Harnleiter) oder Engstellen im Harnleiter sind.

Ist eine angeborene Fehlbildung der Harnwege die Ursache für immer wiederkehrende Infektionen, kann ein operativer Eingriff helfen.  

Wie kann ich vorbeugen?

  • Ausreichend Trinken, um die Harnwege durchzuspülen. Es eignen sich Wasser oder ungesüßte Tees.
  • Unterkühlung vermeiden. Wärme hilft, dass die ableitenden Harnwege gut durchblutet sind. Die Füße sollten immer warm sein.
  • Nasse Badesachen immer zügig ausziehen
  • Harntreibende Tees sind nicht zu empfehlen, da sie die Blase reizen können.
  • Warme Bäder lindern die Schmerzen, wirken entkrampfend und erleichtern das Wasserlassen.
  • Kinder sollten nicht auf einer feuchten oder kalten Fläche sitzen.
  • Windeln unbedingt regelmäßig wechseln. Beim Saubermachen von vorne nach hinten abwischen.
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