Herzzentrum Leipzig

Helfende Hände auf dem Weg zurück ins Licht

Helfende Hände auf dem Weg zurück ins Licht

Nicole Brettschneider und Elisabeth Diessner-Heikes arbeiten auf der Kinder-ITS im Herzzentrum Leipzig und haben einen Verein gegründet, der verstorbener Kinder gedenkt: Licht im Dunkel.

Es lässt sich nur schwer in Worte fassen was Eltern durchleben, deren Kind an einer lebensbedrohenden Erkrankung leidet. Für die Beteiligten ist es ein Dasein im Ausnahmezustand, ein Gefühlschaos zwischen Angst und Wut, Hoffnung und Verzweiflung, nicht selten endend in Resignation und tiefer Trauer. Trotz allem müssen auch diese Menschen funktionieren. Es gilt die Geschwisterkinder im Blick zu behalten, den Alltag zu organisieren, im Job die geforderte Leistung zu bringen. Nicht jeder schafft diese nervliche Anspannung. Nicht selten zerbrechen die Familien daran.

Nach Aussage des Deutschen Kinderhospizverein gibt es in Deutschland etwa 22.000 Kinder mit einem lebensbedrohlichen Leiden. Rund 5.000 von ihnen sterben jedes Jahr. Neben Leukämie und schweren Stoffwechselstörungen sind es vor allem angeborene Herzfehler, die zum Tode führen. Welche Schicksale damit verbunden sind, wissen Nicole Brettschneider und Elisabeth Diessner-Heikes aus eigener Erfahrung. Beide Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen der Intensivstation des Herzzentrums Leipzig erfahren immer wieder, welches Trauma die betroffenen Familien durchleben.

Nicole Brettschneider und Elisabeth Diessner-Heikes
Elisabeth Diessner-Heikes (links) und Nicole Brettschneider|Foto: Sven Gückel

Deshalb sehen es als ihre Pflicht, den Eltern nicht nur während des Klinikaufenthaltes ihres Kindes, sondern auch nach dessen Tod eine starke Stütze zu sein. Als Hauptverantwortliche gründeten sie deshalb 2006 gemeinsam mit weiteren Kinderkrankenschwestern sowie je einer Ärztin, Psychologin, Sozialarbeiterin und einem Seelsorger das Team „Licht im Dunkel Leipzig“.

Viele Eltern machen die Erfahrung, dass das Thema Kindstod oft weggeschwiegen wird. Dabei benötigen gerade diese Hinterbliebenen viel Zuspruch und Unterstützung“

, sagt Nicole Brettschneider.

„Licht im Dunkel“ als Teil der Kinderherzkammer bietet ihnen dafür eine geeignete Plattform. „Die Eltern der Kinder kommen miteinander ins Gespräch, finden Trost durch Gleichgesinnte und haben die Chance, sich ohne Scheu zu öffnen“, ergänzt Elisabeth Diessner-Heikes.

Erinnerungsmappe
In die Erinnerungsmappe können Eltern persönliche Dinge von ihren Kindern einkleben. Foto: Sven Gückel

Intensives Erinnern

Auch auf der Kinder-ITS des Herzzentrums Leipzig kommt es vor, dass Kinder sterben. Es sind nur sehr, sehr wenige, aber jedes Schicksal berührt. Involviert in die Arbeit des Teams sind nicht Angehörige von Kindern und Säuglingen, sondern auch Hinterbliebene junger Erwachsener, die mit einem angeborenen, inoperablen Herzfehler leben mussten (EMAH) und an diesem starben. Um die Erinnerung an sie lange und intensiv wach zu halten, übergibt das Team „Licht im Dunkel“ den Angehörigen nach dem Tod des Kindes eine Erinnerungsmappe. „Darin können Urkunden der Kinder hinterlegt werden, hier ist aber auch Platz für eventuelle Hand- und Fußabdrücke, eine Haarsträhne oder Persönliches wie ein Söckchen. Darüber hinaus finden die Eltern in der Mappe unsere Kontaktdaten und Buchtipps, um sich weiteren Rat zu holen”, erläutert Elisabeth Diessner-Heikes.

Gruppe

Starkes Wir-Gefühl

Jeweils am ersten Samstag im September bietet das Team in Leipzig-Probstheida Hinterbliebenen die Möglichkeit, sich bei einer aus Spenden finanzierten Gedenkfeier zu treffen. Wer immer den Tod eines herzkranken Kindes zu beklagen hat, ist eingeladen. Gedichte, Musik und Texte werden gespielt und verlesen, Kerzen angezündet und symbolisch, dekorativ aufgestellt. Zudem werden die Namen aller Kinder genannt. „Das bestärkt die Betroffenen noch einmal darin, dass niemand vergessen wird”, sagt Nicole Brettschneider, die eigens für dieses ehrenamtliche Engagement eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin absolvierte. Den emotionalen Höhepunkt des Treffens bildet das Steigenlassen von Luftballons, der das Wir-Gefühl der Gruppe zusätzlich festigt.

Mehr Infos über das Herzzentrum Leipzig

Das Herzzentrum Leipzig von außen

Das Herzzentrum Leipzig

Am Herzzentrum Leipzig arbeitet ein Team von mehr als 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das Ziel: die bestmögliche Versorgung herzkranker Patienten und Etablierung innovativer, schonender Behandlungsmöglichkeiten.