New Kid in Town

Wir leben in einer speziellen Zeit. Eine Rückkehr zur alten Normalität ist mit den Folgen der Pandemie kaum möglich. Wir müssen eine neue Normalität erschaffen. Das hat auch gute Seiten. Wir reflektieren die Folgen von Covid-20, die Veränderungen in der Gesellschaft, die ich in einem Blog zu Beginn der Pandemie aufgezeigt habe.

Der Zustand unserer Welt, der Umgang mit der Freiheit der Menschen, die Zukunft unserer Kinder – diese Themen haben an Bedeutung gewonnen. Ich arrangiere mich mit den Langzeitfolgen meiner Lungenembolie, nutze die Chance, für einen guten Zweck beim Helios-Team-Event mitzulaufen. Ein magerer Beitrag, da ich kurz nach der Lungenembolie 500 Meter am Stück nur langsam gehen konnte. 

Heute laufe ich für einen guten Zweck beim „Fresenius Team Run“ mit. Eine fünf Kilometer lange Strecke im Stadtwald habe ich mir vorgenommen. Ich muss mich mit der neuen Normalität anfreunden, meine Leistungsgrenzen antesten, wenn auch mein Laufstil noch schwerfällig und kurzatmig ist. Dennoch: Das Leben motiviert mich wieder mit seinen schönen Seiten, mit den kleinen und großen Wundern. Ich freue mich über das Wunder, das uns privat geschenkt wurde. Unsere Tochter Valentina, von ihr habe ich schon in einem anderen Blog erzählt. Valentina könnte in einer Zeit aufwachsen, in der wir mehr auf unsere Umwelt, das Klima, und die Vielfalt der Menschen in der Gesellschaft achten.

Mein Lauf wird begleitet durch eine alte Playlist im Ohr. Johnny come lately im Refrain, the New Kid in Town von den Eagles. Im Job geht es für mich darum, dass wir als Unternehmen die neue Normalität aktiv gestalten. Genau aus diesem Grund haben wir unternehmerisch ebenfalls ein neues Kind zur Welt gebracht. Wir haben dieses Kind nicht Johnny genannt. Bei der Geburt fiel die Wahl auf smartHelios, mittlerweile hört unser Kind allerdings auf den Namen Curalie. Ins Stammbuch geschrieben war der Gedanke, mithilfe von digitalen Programmen die Nachsorgetherapie in den Alltag chronisch kranker Menschen integrieren zu können. Gerade in der Pandemie hat sich gezeigt, wie bedeutend und relevant für die Praxis ein solcher Gedanke werden kann. Zu unseren Partnern gehörten, neben den behandelnden Ärzt:innen oder begleitenden Therapeut:innen, zudem auch die Kostenträger, die mit solchen digitalen Programmen erheblich reduzierte Behandlungskosten erwarten – und das bei mindestens gleichbleibender Qualität. Es ging um ein „B2B2C“-Geschäftsmodell, einen Ansatz also, der sowohl unsere Partner:innen im Gesundheitswesen als auch die Patient:innen adressiert. Unser neues Kind erlebte aber keine einfache Geburt, es wurde kritisch hinterfragt, sogar ausgelacht.

Den ersten Einträgen ins Stammbuch ist Curalie seit 2017 entwachsen. Einige Kinderkrankheiten gibt es sicher noch. Insgesamt ist mittlerweile aber ein Kind mit stabil resoluter Persönlichkeit entstanden. Die Auswertung unserer digitalen Versorgungstherapien für chronisch erkrankte Menschen hat nämlich gezeigt, wie gut „Digital Health“ funktionieren kann. Während der Pandemie hat sich Curalie vom digitalen Therapeuten zum Gesundheitsbegleiter weiterentwickelt, und ist damit einen Schritt näher am Ziel einer Digital-Health-Plattform. Eine Konsequenz dessen ist, dass Curalie nun nicht mehr nur auf Rezept für chronisch erkrankte Menschen verfügbar ist. Mit dem Launch des „Check“ vor wenigen Tagen haben wir Curalie nun allen interessierten Menschen zugänglich gemacht. Das heißt in anderen Worten: Curalie kann heute mehr und ist für mehr Menschen da.

Für mich jedenfalls ist Curalie bereits in den letzten Testphasen zum täglichen Begleiter geworden. Ich habe dabei viel gelernt. Nicht nur über die Fallstricke, Kundenwünsche und den permanenten Verbesserungsbedarf, sondern auch über meinen eigenen Gesundheitszustand. Ich werde regelmäßig zu Symptomen befragt und habe Vitaldaten aus anderen Geräten, wie etwa der Applewatch, für Curalie freigegeben. Im Check erhalte ich mittels eines medizinischen Algorithmus eine erste Einschätzung, ggf. eine Empfehlung, vor allem aber die Option für einen Videochat mit den Teleärzten. Curalie kann ich nutzen, wenn ich ein Rezept oder eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung brauche. Dies ist eine große Erleichterung, wenn man bedenkt, dass die staatlich beauftragten Behörden die Infrastruktur für e-Rezepte ab 2022 zum Laufen bringen möchten. Aber selbst, wenn nicht, dann bleiben erprobte Umwege. Bei Rezepten fragt Curalie beispielsweise nach der Faxnummer der Apotheke, um das e-Rezept im Handumdrehen dorthin faxen zu können. Künftig stellt Curalie unseren Patient:innen das Rezept sogar als QR-Code zur Verfügung, der ganz einfach in der Apotheke vorgezeigt werden kann. In Spanien haben wir mit Curalie und unserem dortigen Online-Portal ein Angebot entwickelt, bei dem Menschen sich in unseren „QS Connect Service“ einschreiben können. Die Kunden bezahlen - ähnlich wie bei einem Streamingdienst - 7 Euro im Monat und können dafür rund um die Uhr unser digitales Krankenhaus mit telemedizinischem Chat in Anspruch nehmen. In Deutschland werden für Curalie die telemedizinischen Dienste aus dem ambulanten Bereich von Helios bereitgestellt. Die Abrechnung erfolgt etwa bei Kassenpatient:innen mit einer gesetzlich neu eingeführten Abrechnungsziffer. All das wurde während der Pandemie vorangetrieben, die für die digitale Weiterentwicklung in Deutschland hilfreich war.

Zurück auf die Laufstrecke: Für mich sind fünf Kilometer heute eine große Herausforderung. Die letzten 500 Meter muss ich gehen, weil mein rechtes Bein nicht mehr so recht will. Vielleicht hätte ich zum Laufen doch die sonst obligaten Kompressionssocken anziehen sollen? Das werde ich nach dem Duschen gleich via Curalie checken. Meine Ehefrau ist seit der Embolie vorsichtiger im Umgang mit thrombischen Beschwerden. Bislang hatte sie alle möglichen Abfragen über Google gemacht, was oft ziemlich mühselig und nicht besonders hilfreich war, da die Suchergebnisse weder medizinisch fundiert noch personalisiert sind. Curalie kennt meine Vitaldaten nun seit Wochen, auch mit und ohne sportliche Belastung. Ich gebe meine Symptome beim Check ein und hoffe auf eine Auswertung, die mich nicht an eine Klinik verweist. Der Algorithmus überprüft anhand des personalisierten Symptomchecks, ob der Verdacht auf eine ernstere, behandlungsbedürftige Erkrankung besteht. Bei meinen heutigen Symptomen  nach dem Lauf scheint der Algorithmus unsicher, zu komplex der Umgang mit meiner Medikation zur Blutverdünnung und deren Konkordanz zu den übermittelten Vitaldaten. Es wird noch einige Monate dauern, bis der Algorithmus auch solche komplexeren Fragen maschinell beantworten kann. Derzeit werden die medizinischen Vignetten für weitere 40 Krankheitsbilder geschrieben, um den Algorithmus zunächst regelbasiert weiter zu füttern. Ein Trost: Mit jedem Kundenkontakt lernt der Algorithmus künftig selbst weiter.

Bei mir bedeutet das konkret: Curalie fragt mich wegen der thrombischen Schmerzen, ob ich eine Notfallnummer anwählen möchte. Doch ich entscheide mich für den Telearzt und wähle den nächstverfügbaren Termin. Eine gute Gelegenheit, auch gleich ein Rezept für Blutverdünner zu erhalten. Während des Video-Calls bewertet der Telearzt alle Symptome als unkritisch und überzeugt damit auch meine Ehefrau. Früher hätten wir uns wohl auf den Weg zur Klinik gemacht. Den Weg kann ich mir jetzt sparen, wir bereiten uns stattdessen auf den Spaziergang mit Valentina im Kinderwagen vor – jetzt weiß ich: das Wochenende ist gerettet. 

Was keiner weiß ist, was aus unseren Kindern wird. Auch ich kann heute noch nicht sagen, was aus Valentina wird. Ich kann nur spekulieren, mit sechs Wochen ist eine verlässliche Einschätzung nicht möglich. Natürlich hoffe ich, dass Valentina die Welt ein klein wenig besser machen wird. Unsere kleine Welt zu Hause hat sie sowieso schon auf den Kopf gestellt. Greifbarer erscheint mir die Zukunft unseres neuen Kindes Curalie. Wir machen damit das Leben der Menschen leichter. Bei leichteren Erkrankungen entfällt der Besuch in der Arztpraxis. Die Menschen sparen Zeit und Mühe, schützen sich vor Infektionen, die im Wartezimmer bekanntlich häufiger lauern als im eigenen zu Hause. Bei chronischen Erkrankungen ist eine personalisierte Therapiebegleitung möglich, sodass ein Großteil der Wege in die Klinikambulanz entfallen kann.

Mit Curalie brechen wir in Deutschland tradierte Silos auf und schaffen eine Verbindung von der digitalen zur analogen Welt. In Ländern mit einer stärkeren Affinität zu digitalen Services im Gesundheitswesen lassen wir die Menschen nicht mit einer bloßen App-Anwendung allein, sondern können jederzeit unsere telemedizinischen Leistungen anbieten, die wir in Spanien oder Deutschland parallel vorhalten.

Und dort, wo das Gesundheitswesen im Vergleich zu den europäischen Standards noch in Kinderschuhen steckt, da wird durch Curalie gerade überhaupt erst eine Versorgung mit Zugang zu einer telemedizinischen Betreuung möglich gemacht. Jeder Patientenkontakt wird unser neues Kind schlauer machen, den Algorithmus für uns arbeiten lassen.

Eines ist klar: Curalie steckt noch mitten in der Entwicklung. Es wird Kinderkrankheiten geben, die auch wichtig sind, um das Immunsystem zu stärken und später dann ein langes gesundes Leben führen zu können. Klar ist für mich aber auch: Es lohnt sich, in unsere „Kinder“, in unsere Zukunft, zu investieren. Curalie ist für mich ein sehr hoffnungsvolles junges Mitglied unserer Fresenius-Familie, das wesentlich dazu beitragen kann, das Bild von Fresenius als Innovationstreiber zu stärken. Curalie kann zu einer Digital-Health-Plattform werden und die Digitalisierung im Gesundheitswesen vorantreiben. Damit eröffnen wir uns bei Fresenius ganz neue Perspektiven, wie wir die Gesundheitsversorgung der Zukunft neu denken und gestalten können. Wir sehen in Deutschland schon jetzt täglich weniger Patient:innen in unseren Kliniken und bauen den ambulanten Bereich weiter aus. Die Zukunft braucht aber noch mehr digital ergänzte Angebote. Für bevölkerungsarme Regionen in Deutschland diskutieren wir mit den Ministerien, wie wir dem Wegfall ambulanter Strukturen intelligent begegnen können. Beispielsweise haben wir eine mobile Ambulanzversorgung angeboten, die wiederum telemedizinisch digital gekoppelt werden kann. Wir gehen künftig mit unserem Kind auf Reisen, denn digital gibt es weniger kulturelle oder sprachliche Barrieren. Als Helios behandeln wir schon heute europaweit 20 Millionen Menschen jährlich, davon knapp 18 Millionen ambulant. Warum sollten es in ein paar Jahren nicht 100 Millionen oder noch mehr sein? Wir haben die besten Voraussetzungen dafür, das zu erreichen. Sie können uns dabei helfen. Probieren Sie Curalie gerne aus. Sagen Sie uns, was Sie davon halten. Helfen Sie Curalie dabei, schnell erwachsen zu werden.

Ihr Francesco De Meo