Diabetisches Fußsyndrom

Das Diabetische Fußsyndrom bildet heute eine der wichtigsten Herausforderungen in der Diagnostik und Therapie diabetischer Spätkomplikationen. Somit spielen Prävention und Frühdiagnostik eine große Rolle. Es ist daher wichtig, den Strategien im interdisziplinären Versorgungskonzept von gefährdeten Diabetikern einen besonderen Stellenwert einzuräumen.

Ursachen des Diabetischen Fußsyndroms:


Der Diabetes mellitus führt nach sehr unterschiedlich langem Verlauf zu einer Veränderung der peripheren Nerven (periphere Polyneuropathie) und Gefäße (Mikro- und Makroangiopathie). Im Zuge dessen kommt es zu Sensibilitätsstörungen sowie zu Schmerz- und Temperaturunempfindlichkeit. Schutzmechanismen für Gelenke, Knochen und Weichteilgewebe gehen so verloren. Es entstehen chronische Traumatisierungen (Mikrotraumata, Distorsionen) mit Osteolysen, Spontanfrakturen und zunehmenden Destruktionen der Knochen. Die Folge ist eine gestörte Biomechanik des Fußes mit Ulcerationen im Bereich der Fußsohle, der Zehenspitzen und Zehenrücken.
Die offenen Stellen neigen aufgrund der verminderten Abwehrfähigkeit des Organismus zu Infektionen, die sich schnell über weite Teile des Fußes ausdehnen können und oft zur Zehen- bis hin zu ganzen Fußamputationen führen können.


Das Verhindern von Druckstellen oder offenen Wunden am Fuß hat daher höchste Priorität.

Diagnostik

Wie sieht ein diabetischer Fuß aus?

  • Fuß ist warm und rosig
  • Fußpulse tastbar
  • Sensibilität vermindert
  • schmerzlose Druckstellen
  • offene Wunden an der Fußsohle mit Schwellungen
  • begleitende Entzündungen

 

Was gibt es an diagnostischen Möglichkeiten?

  • konventionelles Röntgen zur Erkennung von einer veränderten Statik, von Frakturen und Osteolysen sowie von Gelenkdeformitäten
  • Magnetresonanztomografie zum Nachweis und Lokalisierung von Entzündungen und Abzessen mit der Frage nach Gelenkbeteiligung und zur Erkennung osteomyelitischer Herde und abgestorbener Knochenteile
  • Dynamische Pedobarographie (Fußdruckmessung) zur Identifizierung von Druckspitzen unter dem Fuß während des gesamten Abrollvorganges mit Hinweis für Risikoregionen, für rekonstruktive operative Eingriffe und für die Schuh- und Orthesenversorgung


Welche Begleiterscheinungen sind für die Entwicklung eines diabetischen Fußsyndroms von Bedeutung?

  • Kombination mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit
  • extremes Übergewicht
  • Spreizfußdeformität
  • psychosoziale Erkrankungen
  • Alkohol- und Nikotinabusus

Therapie

Besonders vor dem Hintergrund, dass die Patienten mit diabetischem Fußsyndrom häufig auch weitere Erkrankungen wie eine Herzerkrankung, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Dialysepflichtigkeit und vieles andere mehr aufweisen, wirken verschiedene Fachrichtungen eng zusammen. D.h. enge stationäre Kooperationen von Diabetologen, interventionellen Angiologen und Gefäßchirurgen im Herz-, Gefäß- und Diabeteszentrum der HELIOS Weißeritztal-Kliniken sowie ausgewähltes Pflegepersonal mit speziell ausgebildeten Wundschwestern, Wundmanagern, Podologen und den in Kooperation tätigen Orthopädieschuhmachern und Orthopädietechnikern.

 

In einem über 8 Jahre gelaufenem Modellprojekt zur integrierten Versorgung des diabetischen Fußes konnte eine international beachtlich niedrige Rate an Major-Amputationen (Ober-/Unterschenkel) aufgezeigt werden. An dieser Qualitätskennzahl und weiteren Reduzierung arbeiten und orientieren wir uns durch innovative Therapiekonzepte, wie z.B.

  • Ultraschall-assistierte Wundbehandlung
  • Vakuum-Therapie von Wunden (VAC)
  • Urokinase-Therapie zur Verbesserung der Durchblutung bei chronisch-nicht heilenden diabetischen Ulzera und kritischer Durchblutungsstörung 
  • Autologe Knochenmarktransplantation zur Neoangiogenese bei kritischer Ischämie der Beine