Das ARD-Magazin plusminus hat Helios Fragen zur strategischen Ausrichtung der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) gestellt. Die Sendung wird voraussichtlich am Mittwoch den 24.03., um 21:45 Uhr, in der ARD ausgestrahlt. Die gestellten Fragen und unsere Antworten machen wir hier transparent.

Anfrage des ARD Nachrichtenmagazins plusminus

Die ARD-Redaktion zitiert dazu aus einem "internen Papier". Dieses Papier umfasst die Maßnahmenpakete des Projektes "Cinderella" des Geschäftsbereichs Ambulante Medizin. Im Folgenden stellen wir sowohl die Fragen der Redaktion und unsere Antworten, sowie den Text des Papiers umfassend dar.

Frage: Wieso heißt das Projekt "Cinderella"?

Die Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) leisten einen wichtigen Beitrag für die medizinische Versorgung der Menschen. Wir wollen den ambulanten Bereich stärken. Die MVZ haben große Potenziale, die wir zur Geltung bringen wollen – ähnlich wie auch Cinderella sich gewandelt hat. Dazu passt dieser Arbeitstitel gut.

Sie schreiben, dass Sie weg wollen von „reinen Einweiserpraxen“. Daraus ließe sich eventuell schlussfolgern, wie sie die MVZ bisher betrachten und betreiben: Patienten-Akquise für die Helios-Kliniken. Wie sehen Sie diesem Umstand in Bezug auf den Versorgungsauftrag, dem Sie sich verpflichten, wenn Sie ein MVZ gründen?

Zunächst zu Ihrer Schlussfolgerung: Von den knapp 2 Millionen Patienten, die jährlich in unseren MVZ behandelt werden, überweisen wir weniger als 3 Prozent in eine Helios Klinik.

Zum Hintergrund: Historisch hat der Gesetzgeber die Möglichkeit der Bildung von MVZ als eine Art „neuer Poliklinik“ vorgesehen, um damit eine vernetzte Behandlung wohnortnah zu ermöglichen. Ganz bewusst wurden deshalb alle deutschen Krankenhäuser als Versorgungsträger für MVZ zugelassen, damit Patienten – idealerweise in Praxen oder dann MVZ in den Kliniken – nahtlos ambulant oder stationär behandelt werden konnten. Dabei ging es um beste Behandlung der Patienten, wohnortnah, ganz gleich ob ambulant oder stationär. Dementsprechend haben wir MVZ vor allem dort gegründet, wo Praxisinhaber in Rente gingen und keine Nachfolger fanden. Es ging um den Fortbestand der ambulanten Strukturen, wo sich ansonsten ein Mangel an niedergelassenen Kolleg:innen abzeichnete. Stark ausgeprägt war dies vor allem im Osten, wo Ärzt:innen selbst durch ausgelobte „Gründungsprämien“ der Länder nicht zur Übernahme alter Praxen bewegt werden konnten.

Einweisungen erfolgen bei unseren MVZ zudem ausschließlich unter medizinischen Gesichtspunkten und im wohnortnahen Umfeld. Es ging bislang also um Bestandswahrung im Sinne des gesetzgeberischen Versorgungsauftrags. In Zukunft geht es uns darum, die ambulante Medizin insgesamt als eigenständiges Geschäftsfeld weiter zu entwickeln. Aus diesem Grund richten wir unseren ambulanten Bereich neu aus. Die Zukunft liegt in einer gut vernetzten Gesundheitsversorgung unabhängig von Sektorengrenzen und unabhängig von Trägergrenzen. Das erklärte Ziel ist es, den Anforderungen der Menschen an eine barrierefreie und nahtlose Versorgung besser gerecht zu werden. Dabei werden sich regional unterschiedliche Versorgungsmodelle etablieren.
Angesichts des fortschreitenden Trends zur Ambulantisierung werden künftig mehr Behandlungen, die vormals stationär erbracht wurden, ambulant erbracht werden. Das bedarf einer Neuausrichtung aller ambulanten Leistungserbringer, um diesem veränderten Bedarf ambulanter Strukturen besser gerecht zu werden.

Außerdem wollen Sie Ihr Portfolio bereinigen (Punkt 2.2.). „Rückgeführt in den Markt“ werden sollen folgende Praxen/MVZ: Augenheilkunde, Dermatologie, Nerven, Neurochirurgie (nicht prioritär) Pädiatrie (evtl. Versorgungsforschung ) Pneumologie, Psychatrie, weitere KV-Sitze, die keiner Einzelmaßnahme von Cinderella zugeordnet werden können. Auch die Rückgabe des KV-Sitzes wird geprüft. Viele dieser Bereiche sind allerdings genau die, in denen ein Mangel an Ärzten/Versorgung besteht und sie deswegen besonders wertvoll für die Versorgungssituation der Bevölkerung sind (laut BKV). Inwiefern spielt dieser Aspekt in der Betrachtung Ihrer MVZ eine Rolle? Wie wird das deutlich?

Es geht darum, die Versorgung von Patienten zu verbessern, indem wir regionale Netzwerke auch außerhalb unserer Trägerschaft mit auf bestimmte Indikationen spezialisierte Standorte befördern.

In einigen Fachbereichen und von Region zu Region herrscht ein Mangel an Ärzt:innen, mit dem alle Gesundheitseinrichtungen unabhängig von der Trägerschaft umgehen müssen. Gerade in den genannten Bereichen können wir beispielsweise aktuell kassenärztliche Sitze in unserem Geschäftsbereich nicht nachbesetzen. Dort wo wir aber ein für die Patientenversorgung belastbares ambulantes Netzwerk selbst führen können, werden wir das tun. Wo wir ein solches Netzwerk nicht selbst oder jedenfalls nicht allein erhalten können, werden wir dieses regional entwickeln müssen. Und wenn wir erkennen, dass andere ambulante Anbieter durch ein besseres fachliches Netzwerk dem Versorgungsauftrag im Sinne des Patienten gerechter werden – weil schneller eine Nachfolge für unbesetzte Sitze gefunden wird oder eine bessere Anbindung an weiterbehandelnde Spezialisten besteht – werden wir dies mit einer Übertragung bzw. Rückführung der Sitze unterstützen.
Wir denken auch hier in die Zukunft gerichtet, und damit im Sinne der jeweils besten medizinischen Versorgung der Menschen in einer Region, möglichst wohnortnah, und sektoren- und trägerunabhängig.

Mit Blick auf die Pädiatrie evaluieren wir derzeit einen komplett neuen Ansatz.  Gerade weil wir sehen, dass es Eltern immer schwerer fällt, nach der Geburt einen Kinderarzt oder eine Kinderärztin zu finden, werden wir die vorhandenen pädiatrischen Sitze in enger Abstimmung mit allen niedergelassenen Kolleg:innen noch enger mit unseren Kinderkliniken vernetzen. So können wir Eltern und Kinder noch besser sektorenübergreifend begleiten und ihnen ein Angebot zur kinderärztlichen Versorgung nach der Geburt machen.

Wie können Patienten, die ein Helios-MVZ aufsuchen, das von Ihnen als „reine Einweiserpraxis“ bezeichnet wird, darauf vertrauen, dass Sie nicht unnötig in ein angeschlossenes Helios-Klinikum überwiesen werden?

Wie bereits dargestellt, überweisen wir weniger als 3 Prozent unserer ambulanten Patienten in eine Helios Klinik. Ganz grundsätzlich erfolgen Diagnostik, Therapie und Einweisungen nach rein medizinischen Gesichtspunkten. Das gilt für alle ambulant tätigen Ärzt:innen in gleichem Maße, egal ob die Ärzt:innen in eigener Praxis oder im MVZ tätig sind.

Unsere Strategie

Einführung

Der Geschäftsbereich Ambulante Medizin bei Helios umfasst gegenwärtig mehr als 230 Medizinische Versorgungszentren in ganz Deutschland. Helios ist damit Deutschlands größter Anbieter ambulanter Gesundheitsdienstleistungen in nahezu allen Fachgebieten. Der Geschäftsbereich wurde 2018 mit dem Ziel gegründet, die früher an den Kliniken anhängenden MVZ eigenständiger zu betrachten, wirtschaftlicher auszurichten, Einzelstrukturen unter einem gemeinsamen Management zu vereinen und vor allem frühzeitig dem Ambulantisierungstrend und den Erwartungen der Patienten zu entsprechen und gerecht zu werden. Dazu zählt auch die zunehmende Stärkung der Standorte mit einem leistungsfähigen Portfolio – weg von reinen Einweiserpraxen für die Kliniken hin zu ökonomisch selbstständigen Einheiten natürlich mit dem Ziel, die Kliniken zu unterstützen, Möglichkeiten für sektorenübergreifende Versorgung zu kreieren. Der Geschäftsbereich gehört zur Helios Kliniken Gruppe.

Das Projekt "Cinderella"

Das Betreiben der MVZ in kleinteiligen Mischstrukturen in Regionen angelehnt an die Helios Akut-Regionen hat sich als wenig zielführend für die Entwicklung des Geschäftsbereiches herausge-stellt. Unter dem Projektnamen „Cinderella“ wird die strategische Neuausrichtung des Geschäftsbereichs Ambulante Medizin zusammengefasst. Ziel aller Maßnahmen innerhalb des Projektes soll die wirtschaftliche Stabilisierung und Weiterentwicklung des Geschäftsbereichs sein. Dazu finden im Rahmen des Projektes folgende Maßnahmenpakete ihren Schwerpunkt:

  • ­Kettenbildung
  • ­Bereinigung des Portfolios
  • ­Klinikintegration
  • ­Ambulantisierung (Ambulante OPs und Akquisen von AOP-Zentren)
  • ­Telemedizin und Digitalisierung
  • ­Einführung eines einheitlichen Qualitätsmanagements – dem ersten im ambulan-ten Bereich in Deutschland

Die Maßnahmen im Detail

Durch Kettenbildung soll der zukünftige Fokus des Ambulanten Geschäftsbereichs vor allem bei ertragreichen Fachbereichen liegen, die bereits heute nach Art und Umfang Bedeutung sowohl für den ambulanten als auch für den stationären Bereich bei Helios haben. Diese werden jeweils medizinisch durch einen Facharzt der jeweiligen Fachrichtung geführt – Ziel ist es, den Besten für den jeweiligen Fachbereich zu finden. Die medizinischen Leitungen sind als Leiter des jeweiligen Fachbereiches Mitglieder der zugehörigen Fachgruppe bei Helios. Dadurch soll die aktive Mitgestaltung von Patientenversorgung und –strömen über die Sektorengrenze hinaus gefördert werden. Diese Fachbereiche zählen zur Kettenbildung:

  • ­Radiologie
  • ­Strahlentherapie
  • ­Urologie  
  • ­Pathologie
  • ­Chirurgie & Orthopädie
  • ­Labor

Durch die Bereinigung des Portfolios sollen Fachbereiche, in denen keine übergreifende medizinische Expertise, keine sinnhafte Ergänzung zur Klinikstruktur oder keine Nachbesetzung herbeigeführt werden können, dem ambulanten Markt extern angeboten werden. Zudem wird es regelhaft keine weitere Akquise in den betreffenden Fachbereichen geben. Hierbei geht es aktuell speziell um KV-Sitze in diesen Fachbereichen:

  • ­ Augenheilkunde
  • ­Dermatologie
  • ­Nerven
  • ­Neurochirurgie (nicht prioritär)
  • ­Pädiatrie (evtl. Versorgungsforschung)
  • ­Pneumologie
  • ­Psychiatrie
  • ­weitere KV-Sitze, die keiner Einzelmaßnahme von Cinderella zugeordnet werden können

Den Hintergrund zu dieser Entscheidung lesen Sie auch ausführlich in der Antwort an die ARD Redaktion.

 

Durch die stärkere Klinikintegration sollen Fachbereiche, die einen wesentlichen Zustrom an Patienten in die Kliniken gewährleisten können, wieder enger mit den Helios Kliniken verzahnt werden. Diese Bereiche haben wesentliche Bedeutung sowohl für die MVZs, noch deutlich mehr aber für die Kliniken. Dies soll den Übergang zwischen dem ambulanten und stationären Sektor bei Helios noch patientenfreundlicher gestalten und eine Basis für die vor- und nachstationäre Versorgung und Medizin aus einer Hand darstellen. Hierbei geht es aktuell speziell um KV-Sitze in diesen Fachbereichen:

  • ­Gastroenterologie
  • ­Gynäkologie/Fertilität
  • ­Hals-, Nasen- Ohrenheilkunde
  • ­Kardiologie
  • ­Neurologie
  • ­Nuklearmedizin
  • ­Onkologie

Durch die zunehmende Verschiebung zahlreicher operativer Leistungen aus dem stationären in den ambulanten Sektor wird durch Ambulantisierung (Ambulante OPs und Akquisen von AOP-Zentren) die zukünftige Plattform für ambulantes Operieren bei Helios geschaffen und ausgebaut. Dazu zählt einerseits die Prüfung von Bestandseinrichtungen hinsichtlich ihrer Weiterentwicklung zu AOP-Zentren sowie andererseits die fortlaufende Akquise weiterer AOP-Zentren. Damit zusammenhängend werden anästhesiologische KV-Sitze weiterhin Bestandteil des Portfolios sein.Durch die zunehmende Verschiebung zahlreicher operativer Leistungen aus dem stationären in den ambulanten Sektor wird durch Ambulantisierung (Ambulante OPs und Akquisen von AOP-Zentren) die zukünftige Plattform für ambulantes Operieren bei Helios geschaffen und ausgebaut. Dazu zählt einerseits die Prüfung von Bestandseinrichtungen hinsichtlich ihrer Weiterentwicklung zu AOP-Zentren sowie andererseits die fortlaufende Akquise weiterer AOP-Zentren. Damit zusammenhängend werden anästhesiologische KV-Sitze weiterhin Bestandteil des Portfolios sein.

Durch den Ausbau der Telemedizin und Digitalisierung sollen die allgemeinmedizinischen Sitze im Geschäftsbereich zukunftsfähig aufgestellt werden. Dazu zählt u.a. die vollständige Anbindung aller allgemeinmedizinischen Sitze an die Online-Terminbuchung und die Videosprechstunde. Darüber hinaus entsteht im Bereich der Kardiologie und Schrittmacherkontrolle gegenwärtig die Chance auf die Errichtung eines ersten bundesweiten telemedizinischen Zentrums. 

Analog zum stationären Sektor bei Helios als Qualitätsführer im stationären Bereich soll in allen MVZ ein einheitliches Qualitätsmanagement mit dem Ziel der Qualitätsführerschaft auch in Deutschland eingeführt und standardisiert werden. Dazu sollten strukturierte Daten direkt aus den Praxissystemen gewonnen werden, die in der Folge zur transparenten Messung und SOP-Entwicklung dienen sollen. Ziel ist die Weiterentwicklung zu einer umfassenden, kontinuierlichen integrierten Qualitätsmessung und Verbesserung.

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Caterin Schmidt

Leitung Unternehmenskommunikation und Marketing Geschäftsbereich Ambulante Medizin
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