Arbeiten während der Corona-Pandemie: aktuelle Sicherheitsstandards im Arbeitsschutz

In Zeiten der Corona-Pandemie müssen wir in sämtlichen Bereichen unseres alltäglichen Lebens auf die Einhaltung bestimmter Vorsichtsmaßnahmen achten. Darunter fällt auch der Schutz vor dem Virus bei der Arbeit. Seit dem 16. April 2020 gilt aus diesem Grund der bundesweite Arbeitsschutzstandard COVID-19. Am 10. August 2020 haben die Arbeitsschutzausschüsse des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zudem eine neue SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel veröffentlicht, die die Anforderungen an den Arbeitsschutz noch einmal konkretisiert. Denn die Sicherheit und die Gewährleistung der Gesundheit von Beschäftigten haben oberste Priorität und sind noch dazu die Voraussetzung für das schrittweise Hochfahren der Wirtschaft sowie die Etablierung einer neuen Normalität. Für Arbeitgeber bedeutet der neue Arbeitsschutzstandard deshalb vor allem eines: die dringende Einhaltung der von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil vorgestellten, einheitlichen Vorgaben zur Eindämmung von SARS-CoV-2. Damit stellt die Bundesregierung jedoch nicht nur an die Arbeitgeber besondere Anforderungen, sondern richtet sich mit den ausgearbeiteten Leitlinien auch an die Arbeitsmediziner, die den Arbeitgeber bei der Umsetzung der konkreten Maßnahmen zum Arbeitsschutz beraten. Dazu zählen neben der Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln auch das Tragen von Mund-Nasen-Schutz sowie in einigen Fällen die Ergänzung der Arbeitskleidung um persönliche Schutzausrüstung. Dr. Karin Stang, Arbeitsmedizinerin der Helios Arbeitsmedizin, bestätigt: "Die Pandemie hat uns deutlich vor Augen geführt, wie wichtig eine arbeitsmedizinische Vorsorge ist." In einer Zeit, die uns sowohl in unserem Privat- als auch in unserem Berufsleben somit einiges abfordert, gilt es nun also, durch Abstand näher zusammenzurücken und das Coronavirus gemeinsam zu bekämpfen. Welche Vorgaben der neue Arbeitsschutzstandard außerdem noch umfasst, erfahren Sie in unserer Übersicht. 

Arbeitsschutz am Arbeitsplatz: die aktuellen Standards im Überblick

Damit sich Arbeitgeber und ihre Beschäftigten einfach und übersichtlich über den SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard informieren können, stellt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales Interessierten auf seiner Website eine PDF-Datei mit dem Titel "SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard" zur Verfügung, die neben den geltenden Grundsätzen auch die einzelnen Schutzmaßnahmen detailliert beschreibt. Dazu zählen Richtlinien für das Arbeitsumfeld, den direkten Arbeitsplatz sowie spezielle personenbezogene Maßnahmen, die auch bereits auf öffentlichen Plätzen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln gelten..

Für die Einführung und vor allem für die Einhaltung der Infektionsschutzmaßnahmen ist vorrangig der Arbeitgeber zuständig. Ein gewisses Maß an Verantwortungsbewusstsein darf dieser aber auch von seinen Beschäftigten erwarten. Schließlich liegt die Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus längst nicht mehr nur in den Händen von übergeordneten Instanzen. Viel mehr kann tagtäglich ein jeder dazu beitragen, sich und seine Mitmenschen vor einer Infektion mit COVID-19 zu schützen. Der Arbeitsschutzstandard des BMAS umfasst in diesem Kontext konkret die Gestaltung des eigenen Arbeitsplatzes sowie die Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln in den Sanitär- sowie Pausenräumen und in Kantinen. So sollten zwischen den Schreibtischen der Beschäftigten mindestens 1,5 Meter Abstand eingehalten oder alternative Schutzvorkehrungen wie die Befestigung von Abtrennungen getroffen werden. Die Experten raten Arbeitgebern außerdem dazu, Home-Office Lösungen zu ermöglichen und die Durchführung von Präsenzveranstaltungen oder Dienstreisen möglichst zu vermeiden. In Räumen wie Kantinen, Sanitäranlagen oder Besprechungszimmern gelten ebenso verstärkte Hygienevorschriften für die Beschäftigten. Dazu zählen die regelmäßige Reinigung der Hände, die Desinfektion von Türklinken und Griffen und die Einhaltung von ausreichend Abstand. Regelmäßiges Lüften trägt zusätzlich zu einer besseren Luftqualität bei und fördert bekanntermaßen auch die Aufnahme- und Konzentrationsfähigkeit aller Anwesenden. 

Die im Zuge der rasanten Ausbreitung des Coronavirus geltenden Lockdown-Regelungen haben es Unternehmen fast unmöglich gemacht, Kundenkontakt auf persönlicher Ebene fortzuführen und den Geschäftsbetrieb außerhalb der Betriebsstätte aufrechtzuerhalten. Für die Wiederaufnahme des außenbetrieblichen Tagesgeschäfts empfiehlt der Arbeitsschutzstandard des BMAS daher, kleine Teams zu bilden, damit wechselnde Kontakte vermieden werden, und sicherzustellen, dass die Beschäftigten regelmäßig Hygienevorkehrungen ergreifen können. Dafür sollten Firmenfahrzeuge mit Desinfektionsmitteln, Müllbeuteln und gegebenenfalls auch Nase-Mund-Bedeckungen ausgestattet werden. Müssen Arbeitgeber ihre Mitarbeiter zwingend in Sammelunterkünften unterbringen, sollten sie im Rahmen des SARS-CoV-2- Arbeitsschutzstandards ebenfalls darauf achten, feste Teams mit einer reduzierten Personenanzahl auszuwählen, die eigene Räumlichkeiten nutzen. So lange die Maßnahmen für die Bekämpfung des Corona-Virus gelten, sollten Schlafräume zudem auch nur durch eine Person belegt sein. Für die Einhaltung der Hygienerichtlinien sieht der Arbeitsschutzstandard SARS-CoV-2 Geschirrspüler und Waschmaschinen in den Küchen sowie das regelmäßige Lüften und Reinigen der Räume vor. Regelmäßiges Lüften trägt in erster Linie dazu bei, die Konzentration der virenbelasteten Aerosole zu reduzieren und fördert bekannterweise auch die allgemeine Konzentrationsfähigkeit. Für zusätzlichen Schutz außerhalb der Unterkünfte sorgt generell natürlich aber vor allem eine sichere Mund-Nasen-Bedeckung in Form einer Maske.

Das Angebot der Helios Arbeitsmedizin: nützliche Informationen & Beratung für Unternehmen

Um Unternehmen die Etablierung und Umsetzung des neuen Arbeitsschutzstandards zu erleichtern, bietet die Helios Arbeitsmedizin Unterstützung bei der Anpassung der Gefährdungsbeurteilung sowie bei der Anwendung der daraus abgeleiteten Maßnahmen an. Das Angebot der Arbeitsmediziner der Helios Kliniken deckt dabei alle Forderungen des Gesetzgebers ab und stattet Unternehmen mit dem notwendigen Wissen aus, welches sie dazu befähigt, während der Pandemie handlungsfähig zu bleiben. "Dabei muss das Rad aber nicht neu erfunden werden", erklärt Dr. Karin Stang, Helios Arbeitsmedizinerin, und ergänzt: "Der Grundsatz lautet: Wissen schützt. Es geht vor allem darum, Mitarbeiter und Führungskräfte aufzuklären und sie für die Vorgaben des Gesetzgebers zu sensibilisieren." Die Expertin und ihre Kollegen stellen Unternehmen ihre arbeitsmedizinische Fachexpertise zur Verfügung und beraten sie bei der Auswahl und Verwendung von Desinfektions- sowie Körperschutzmitteln oder bei der Erarbeitung von Pandemieplänen. Und auch die Beratungen von Beschäftigten, die aufgrund von Vorerkrankungen zu einer Risikogruppe zählen, gehört zu den Aufgaben der Helios Arbeitsmediziner. Dr. Stang bestätigt: "Wir sprechen in solchen Fällen Empfehlungen aus und entwickeln gemeinsam mit den Unternehmen spezielle Arbeitsschutzmaßnahmen für individuelle Fälle." Die Notwendigkeit einer arbeitsmedizinischen Vorsorge rückt in Zeiten der Pandemie zudem stärker in den Fokus. Karin Stang betont: "Das Angebot der Arbeitsmedizin ist ein Muss für Unternehmen. Das hat uns das aktuelle Pandemiegeschehen noch einmal deutlich vor Augen geführt. Wir wollen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aber weder bevormunden noch ihnen ein Rundum-sorglos-Paket bieten, sondern viel eher eine starke Partnerschaft mit ihnen eingehen, die für mehr Sicherheit und Gesundheit in den Betrieben sorgt." 

"Wir lernen ständig aus den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen dazu. Wenn man über 60 Jahre alt ist, bedeutet das per se zum Beispiel nicht mehr, dass man zur Risikogruppe gehört. Hier werden die Definitionen immer präziser - und wir können uns somit auf die besonders Schutzbedürftigen fokussieren."

Dr. med. Karin Stang, MPH

Organisatorische Maßnahmen: unsere Checkliste für Arbeitgeber

  1. Abstand gewährleisten

    Stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiter rund um ihren Arbeitsplatz, in Treppenhäusern und in Gemeinschaftsräumen ausreichend Abstand zu anderen Personen einhalten können. Nützliche Hilfsmittel dafür sind Klebeband, Schutzwände und Mund-Nase-Bedeckungen. 

  2. Hygienemaßnahmen einhalten

    Arbeitsmittel, Oberflächen und Räumlichkeiten sollten Sie regelmäßig reinigen und lüften. Nutzen die Mitarbeiter Ihres Unternehmens Werkzeuge, sollten Sie diese immer nur an einzelne Personen vergeben und zusätzlich das Tragen von Schutzhandschuhen gewährleisten. Das personenbezogene Tragen, Aufbewahren und Reinigen gilt auch für Arbeits- sowie spezielle Schutzkleidung. Und auch die Verwendung von Mund-Nasen-Bedeckungen sollten Sie in Ihre betrieblichen Vorgaben für den Schutz vor einer Ansteckung mit COVID-19 aufnehmen.

  3. Arbeitsmedizinische Vorsorge gewährleisten

    Zum Schutz Ihrer Mitarbeiter und insbesondere von Mitarbeitern, die einer Risikogruppe angehören, können Sie sich von Ihrem Betriebsarzt beraten und sich individuell auf Ihr Unternehmen abgestimmte Schutzmaßnahmen vorschlagen lassen. Der Betriebsarzt übernimmt zudem auch die Betreuung von Mitarbeitern mit Ängsten oder psychischen Problemen, die im Rahmen der Ausbreitung des Coronavirus verstärkt auftreten können. 

  4. Transparente und regelmäßige Kommunikation

     Informieren und unterweisen Sie Ihre Mitarbeiter regelmäßig über aktuelle Entwicklungen und Vorgaben des Arbeitsschutzstandard COVID-19. Der direkte Austausch mit Ihren Kollegen vereinfacht die Einhaltung der geltenden Standards und verhindert Missverständnisse und Unmut. 

Was tun bei Verdachtsfällen? Leitlinien für die arbeitsmedizinische Betreuung

Zu den ersten Anzeichen für eine Infektion mit Corona zählen Fieber und Husten sowie Atemnot. Arbeitgeber sollten Ihre Beschäftigten darüber aufklären, sich in diesem Fall sofort krankzumelden und die Räumlichkeiten des Unternehmens zu verlassen. Die Ausarbeitung eines Pandemieplans hilft dabei, schnell auf Verdachtsfälle zu reagieren und, im Falle einer Infektion, Kontaktpersonen des erkrankten Mitarbeiters umgehend zu informieren. Der jeweilige Betriebsarzt kann den Arbeitgeber zudem dabei unterstützen, offene Fragen der Belegschaft zu beantworten oder Beratungen durchzuführen. So wird jedem Mitarbeiter die Möglichkeit geboten, sich je nach Bedarf unterschiedlich intensiv mit dem Corona-Arbeitsschutzstandard auseinanderzusetzen und individuelle Aufklärungsangebote wahrzunehmen.