Grippeschutzimpfung – weshalb sie sinnvoll ist  © Foto: sebra von stock.adobe.com

Grippeschutzimpfung – weshalb sie sinnvoll ist

Berlin

Der Sommer ist vorbei und die Temperaturen sinken. Damit ist die Übergangszeit zwischen Sommer und Winter angebrochen. In dieser Zeit infizieren sich besonders viele Menschen mit dem Influenza Virus. Die Meinungen zur Grippeschutzimpfung sind gespalten. Wir haben für Sie die wichtigsten Fakten über die Grippeschutzimpfung zusammengefasst.

Sie hat wieder begonnen die Grippesaison und damit auch die Frage, ob man sich gegen die Grippe impfen lassen sollte oder nicht. In der Grippewelle infizieren sich 5-20% der Bevölkerung, das ist jeder Fünfte. Dabei wird diese häufig unterschätzt: „Eine Grippe ist nicht so harmlos, wie man sie sich vorstellt. Hat man sie einmal gehabt, so bleibt sie einem im Gedächtnis“,  erklärt Stefanie Beyer. Daher sollte trotz steigender Impfmüdigkeit eine Grippeschutzimpfung als sinnvolle Maßnahme in Erwägung gezogen werden.

Im Interview mit Stefanie Beyer, Ärztin in Weiterbildung im arbeitsmedizinischen Institut Leipzig erhielten wir Antworten rund ums Thema Grippeschutzimpfung.

Wer sollte sich gegen die Grippe impfen lassen?

Grundsätzlich sollte die Entscheidung für oder gegen eine Grippeschutzimpfung jeder für sich selbst treffen. Es empfiehlt sich hierfür gemeinsam mit einem Arzt basierend auf den individuellen Risikokonstellationen eine informierte Entscheidung zu treffen.

Zunächst ist es wichtig zu wissen, ob man selbst, ein Angehöriger oder das eigene Kind zu einer Risikogruppe gehört. Insbesondere ältere Personen ab 60 Jahren und Kinder haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Verlauf einer Influenza. Ebenso sollten Menschen mit bestehenden Vorerkrankungen, Schwangere sowie beruflich gefährdetes Personal wie Betreuer, Ärzte oder Pflegekräfte sich impfen lassen.

Wann ist eine Grippeimpfung am sinnvollsten?

Jetzt ist der optimale Zeitpunkt für eine Impfung, da es zwei Grippewellen gibt, von welchen die erste im November beginnt und dann die zweite im Januar/Februar. Die Grippesaison dauert acht bis zehn Wochen. Wer sich jetzt im Oktober impfen lässt, ist zu Beginn der ersten Welle optimal geschützt. Wer diesen Zeitraum verpasst, kann sich Anfang November noch impfen lassen und ist damit auf die zweite Welle vorbereitet.

Ab wann muss eine Grippeimpfung wiederholt werden?

Da sich das Virus ständig verändert und der Impfstoff stets auf Grundlage des Vorjahres entwickelt wird, muss man sich jedes Jahr neu impfen lassen. Auch bei Fernreisen gilt eine reisemedizinische Prüfung der Grippeimpfung. Diese variiert je nach Zeit, Reise und Region. Insbesondere tropische Länder sind hiervon betroffen. 

Wie wirksam ist eine Grippeschutzimpfung?

Der Impfstoff ist tetravalent und wirkt somit gegen vier Stämme des Influenza Virus. Die Wirksamkeit der Grippeschutzimpfung liegt dabei bei 40-60%. Eine 100%-ige Wirksamkeit einer Impfung gibt es nicht. Zu beachten ist, dass der Impfschutz erst nach zwei Wochen einsetzt. Davor und währenddessen kann man sich also noch infizieren.

Wie erfolgt die Übertragung des Influenza Virus?

Die Ansteckung erfolgt über Tröpfchen-Infektion und Oberflächen und entspricht daher der Übertragung vom Corona Virus.

Ist man durch die Corona Impfung nicht automatisch gegen Grippe geschützt?

Diese Vermutung ist falsch. Die Corona Impfung regt zwar das Immunsystem an, jedoch ist man durch diese nur gegen Corona geschützt. Zu den respiratorischen Erregern zählen mehrere Erreger, jedoch nicht das Corona Virus, weshalb kein Schutz gegen Influenza besteht.

Was unterscheidet eine Grippe von einer „normalen“ Erkältung?

Die Symptomatik einer Influenza ist im Vergleich zu einer normalen Erkältung deutlich stärker. Durch eine Inkubationszeit von gerade mal ein bis zwei Tagen, kennzeichnet sie sich insbesondere durch den plötzlichen Krankheitsbeginn und geht meist mit Fieber, Muskel- und Gliederschmerzen, allgemeinem Schwächegefühl mit Schweißausbrüchen, Kopfschmerzen, Husten, sowie Halsschmerzen einher. Diese Symptome hat man so bei normaler Erkältung nicht. Auch leiden Kinder häufig unter Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall.

„1/3 bekommt Fieber, 1/3 bekommt leichte Symptome und 1/3 hat keine Symptome.“, sagt Stefanie Beyer.

Was sind Risiken einer Grippeschutzimpfung?

Da es sich um einen Totimpfstoff handelt, sind die Begleiterscheinungen der Impfung begrenzt. Sie gehört daher zu den nebenwirkungsarmen Impfungen.

Die Reaktion auf die Impfung ist stets individuell und abhängig vom eigenen Gesundheitszustand. Allgemeine Reaktionen auf eine Impfung belaufen sich auf lokale Reaktionen an der Einstichstelle, Nervenverletzungen und Rötungen. Sehr selten kann es zu Gefäß- oder Nervenverletzungen kommen. Auch allergische Reaktionen bei Impfungen sind äußerst selten.

Eine Aktivierung des Immunsystems kann dazu führen, dass man an den Folgetagen nach der Impfung Fieber entwickelt, es gibt aber auch Probanden, die das gar nicht merken.

Die Impfnebenwirkungen von einem Erkältungsgefühl, wie bei einem leichten respiratorischen Infekt steht einer Grippeinfektion mit fulminantem hohem Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen von bis zu sieben Tagen entgegen. Eine Abwägung, die jeder selbst durchführen muss.  

Wie wird eine Influenza diagnostiziert?

Da auch andere virologische Atemwegserreger diese Symptome hervorrufen können, lässt sich oft schwer sagen, ob es sich um eine Influenza handelt, oder nicht.

Sofern Sie keiner Risikogruppe angehören, sollten Sie zunächst Ihre Symptome beobachten und Schutzmaßnahmen einhalten: Bleiben Sie zu Hause und behandeln Sie sich symptomatisch. Risikogruppen oder Menschen mit Vorerkrankungen sollten ins Krankenhaus in die Notaufnahme. Hier werden spezielle Tests durchgeführt, die eine Influenza nachweisen können.