Ein Interview mit Dr. Thomas Hammer

"Arbeitsmedizin ist nicht gleich Arbeitsmedizin"

Berlin

Seit dem 1. Juli 2019 ist Dr. Thomas Hammer Geschäftsbereichsleiter des neu geschaffenen Bereiches Arbeitsmedizin. Dieser umfasst derzeit fünf arbeitsmedizinische Standorte. Vier weitere sollen noch in diesem Jahr hinzukommen. Wir sprachen mit ihm über seine Pläne und seine Idee von einer modernen Arbeitsmedizin.

Herr Dr. Hammer, Sie haben das Mitteldeutsche Institut für Arbeitsmedizin (MIA) zum Erfolg geführt und sollen dies nun für alle Standorte deutschlandweit tun. Was haben Sie beim MIA richtiggemacht?
 
Das MIA ist – objektiv betrachtet – ein arbeitsmedizinischer „Maximalversorger“. Wir bieten alle gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen und die Untersuchungen nach den berufsgenossenschaftlichen Grundsätzen an. Und wir stehen im Unternehmen als kompetente und feste Ansprechpartner in allen Fragen zu Gesundheitsschutz und -förderung zur Verfügung. Der Erfolg des MIA basiert auf einem neuen Denken des tradierten Berufsbildes des Arbeitsmediziners. Wir versuchen, der Arbeitsmedizin ihr verstaubtes Image zu nehmen und sie modern und den Bedürfnissen der Unternehmen angepasst zu gestalten. Wir holen sie wortwörtlich „aus dem
Keller“.
 
Klingt gut, wie stellen Sie das konkret an?


Wir haben ein Team aus tollen Mitarbeitern: ein guter Mix aus innovativen und erfahrenen Kollegen, die unsere Idee mittragen. Ganz wichtig sind uns drei Dinge: Ganzheitlichkeit, Individualität und Vertrauen. Der ganzheitliche Ansatzumfasst all unsere Maßnahmen. Wir denken den Menschen nicht in Fachbereichen. Viele Symptome sind nicht nur durch körperliche Belastung, sondern auch durch psychische Belastung verursacht. Hier haben wir ein Team aus Ärzten und Psychologen, die Hand in Hand den Ursachen auf den Grund gehen.
 

Weniger Ausfallzeiten und gesunde Mitarbeiter zahlen sich für jeden Arbeitgeber immens aus.

Dr. Thomas Hammer, Geschäftsbereichsleiter Helios Arbeitsmedizin

Gesundheit wird heute häufig noch als „körperliches“ Thema gedacht. Haben Arbeitgeber ein Interesse daran, auch psychische Belastungen aufzudecken?
 
Doch, unserer Erfahrung nach haben sie das. In immer mehr Chefetagen kommt an, dass gute Mitarbeiter gesund und fit bleiben sollen, weil sie einen immer höheren Wert für das Unternehmen haben. Dabei wird immer öfter auch mal selbstkritisch gedacht. Wenn z.B. gehäuft Unzufriedenheit mit dem Verhalten des Vorgesetzten auftritt und das sogar noch körperliche Symptome verursacht, dann ist es an uns, auf der Ebene darüber ein Gespräch anzustoßen und vielleicht ein Coaching zu empfehlen. Unsere Maßnahmen sind so individuell wie die Unternehmen: Wir passen sie genau an die Bedürfnisse an.

Da tun Sie für die Arbeitnehmer viel Gutes, was hat denn der Arbeitgeber davon?

Durch den beschriebenen ganzheitlichen Ansatz und die individuelle Betreuung können wir präventiv jede Menge bewirken in Unternehmen. Weniger Ausfallzeiten und gesunde Mitarbeiter zahlen sich für jeden Arbeitgeber immens aus. Darüber hinaus bieten wir den Vorteil, dass Unternehmen mit uns einen festen und dauerhaften Ansprechpartner für viele verschiedene Bereiche haben. Damit entfällt auch administrativer Aufwand für den Arbeitgeber. Hinzu kommt ein Plus bei der Mitarbeiterwerbung: Gute medizinische Angebote, die gern genutzt werden, werden von Arbeitnehmern zunehmend geschätzt.

Der Bereich Arbeitsmedizin ist unter Medizinstudierenden kein sehr bekannter Bereich. Was können Sie Nachwuchsmedizinern bieten?


Die Arbeitsmedizin hat jede Menge zu bieten. Von geregelten Arbeitszeiten über abwechslungsreiche Einblicke in unterschiedlichste Arbeitsplätze bis hin zur engen Zusammenarbeit mit Psychologen und Gesundheitsmanagern. Außerdem ist Prävention ein immer größeres Fokusthema der Gesellschaft. Die Erhaltung und Förderung der Gesundheit ist ein spannender Bereich, der sich immer weiterentwickelt. Als Arbeitsmediziner ist man da mittendrin.

Zum Schluss: Was sind Ihre Pläne für die Zukunft der Helios Arbeitsmedizin?

Wir wollen wachsen und deutschlandweit arbeitsmedizinische Institute nach unserem Verständnis von Arbeitsmedizin aufbauen. Aktuell ist Deutschland arbeitsmedizinisch unterversorgt. Wir wollen dazu beitragen, das zu ändern. Alle sollen zu ihrem Recht auf arbeitsmedizinische Versorgung kommen.